Kirchen und ihre Schätze in Auerberg

Sterne weisen den Weg zum Himmelreich

Jürgen Haffke vom Gemeindeausschuss St. Bernhard kennt jedes Detail im Wandbild der Kirche. Paul Magar schuf das einzigartige Kunstwerk.

Jürgen Haffke vom Gemeindeausschuss St. Bernhard kennt jedes Detail im Wandbild der Kirche. Paul Magar schuf das einzigartige Kunstwerk

AUERBERG. Kleiner Wagen, Großer Bär und Polarstern: Astrologie und Gestirnskonstellationen in einem Gotteshaus? "Sie müssen sich schon etwas mehr Zeit nehmen, um die Feinheiten zu erkennen", sagt Franz Hetzel und wartet ab.

Denn Inhalt und Thema des großen Altarfreskos in der Pfarrkirche St. Bernhard im Auerberg erschließen sich nicht auf einen ersten, schnellen Blick.

Jesus als Mittler zwischen den Welten, sein Thron und das himmlische Reich, verbunden durch die markanten Bilder des Sternenhimmels. Paul Magar hat für die Auerberger Kirche ein einzigartiges Kunstwerk geschaffen. In zarten Pastelltönen und in typischer Freskotechnik zieht das Altarbild gleich beim Betreten der Kirche jeden in seinen Bann. Die große weiße Wandfläche hinter dem Altar war geradezu ideal für Magars Werk. Er nahm zwei Jahre nach der Einweihung der Kirche den "Auftrag zur Ausgestaltung der Altarwand" an. 1961 war das Fresko, das sich an dem Gotteslob "Wachet auf" orientiert, fertig.

Für Franz Hetzel und Jürgen Haffke gibt es allerdings nicht nur diesen einen Schatz in der Auerberger Pfarrkirche. "Auch das Aluminiumrelief im Eingangsbereich ist etwas ganz Besonderes. Wir haben zwei bedeutende Kirchenschätze", sind sie sich einig.

"Während Polarstern und Kleiner Wagen leicht im Altarbild oben links zu finden sind, muss auf der Suche nach dem Großen Bären in der Verlängerung des Polarsterns etwas Fantasie aufgebracht werden: Der Korpus des Großen Bären kann im Oberkörper von Jesus ausgemacht, die Linien müssen lediglich weitergedacht werden", erklärt Hildegard Ameln-Haffke die Feinheiten des Kunstwerks.

Paul Magar fertigte zunächst mehrere Entwürfe und Detailskizzen an, bis man sich schließlich für diese Ausführung entschied. Da die Gemeinde jedoch nur über wenig Geld verfügte, bauten einige Helfer lediglich ein provisorisches, frei stehendes Gerüst vor der Kirchenwand auf. Magar musste nicht nur mit der wackeligen Konstruktion klarkommen, Dunkelheit und Kälte, die im Winter in dem Gotteshaus herrschten, machten ihm zudem schwer zu schaffen. Eine Besonderheit des Bildes erschließt sich dem Betrachter vom Mittelgang aus. "Jesus scheint aus dem Bild herauszutreten und hat bereits einen Fuß mitten auf den Alter gesetzt", erklärt Jürgen Haffke. "Zum Glück hat man jetzt wieder einen freien Blick auf dieses bedeutende Detail." Denn das bronzene Kreuz, das jetzt rechts vom Altar steht, schwebte einige Zeit lang von der Decke hinab. "Damit war dieser Blick versperrt", so Haffke. Jetzt hat Jesus nicht nur wieder einen imaginären Fuß auf dem Gabentisch von St. Bernhard, sondern es scheint, als habe er zudem seine Hand auf dem Kreuz abgelegt.

1977 schuf Paul Magar dann das Aluminiumrelief "Ite missa est". Da viele Gemeindemitglieder in der benachbarten Aluminiumfabrik arbeiteten und die Kirche in unmittelbarer Nähe der alten Werkssiedlung steht, wählte Magar diesen Werkstoff für sein zweites Kunstwerk aus. Das Relief zeigt die Kirchenbesucher, die am Ende des Gottesdienstes aus der Kirche ausziehen und zu ihren Häusern oder zur Arbeit gehen. Der Grundstein für die Kirche St. Bernhard wurde am 21. August 1955 nach den Plänen der Architekten Toni Kleefisch und Carl Leyers gelegt.

Der Bau ähnelt sehr der kurz zuvor errichteten Michaelskirche an der Rheinbacher Straße. St. Bernhard verfügt über ein hochaufragendes Langhaus mit einem Seitenschiff. Nach dem Richtfest am 19. November 1955 wurde die neue Kirche schließlich am 23. Dezember 1956 eingeweiht. Im Stil der Zeit war das Gotteshaus nur sehr karg eingerichtet. Bei schönem Wetter zaubern allerdings Sonnenstrahlen, die durch die modernen Glasfenster ins Innere fallen, farbige Schatten auf die Wände. Im Kirchenfenster über dem Eingangsbereich ist der Heilige Bernhard mit seinem Wappen dargestellt, die bunten Fenster im Seitenschiff zeigen Szenen des Leidensweges.

Die fünf Kirchenglocken, die in der Zeit von 1958 bis 1966 angeschafft wurden, nehmen auch die Melodie des Kirchenliedes "Wachet auf, ruft uns die Stimme" auf. Seit dem ersten Adventssonntag 1979 erklingt eine Orgel mit 23 Registern der Firma Speith, Rietberg.