Entlassungen drohen

Stellenabbau verläuft bei T-Systems nicht wie geplant

Sorge um die Arbeitsplätze: Im Januar 2014 demonstrierten T-Systems-Mitarbeiter vor der Telekom-Zentrale in Bonn.

Sorge um die Arbeitsplätze: Im Januar 2014 demonstrierten T-Systems-Mitarbeiter vor der Telekom-Zentrale in Bonn.

BONN. Unter den Beschäftigten der Telekom-Tochter T-Systems geht derzeit die Sorge um, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. Der Grund dafür: Beim Stellenabbauprogramm der Telekom-Geschäftskundensäule hakt es. Weniger Mitarbeiter als erhofft haben bislang die Abfindungsangebote angenommen, bekamen andere Jobs im Konzern oder Stellen in Bundesbehörden.

"Es bleibt eine Herausforderung", bestätigte am Mittwoch Telekom-Sprecher Harald Lindlar. Insgesamt 4900 Vollzeitstellen sollen bis Ende 2015 bundesweit abgebaut werden, hat die Telekom Anfang 2014 beschlossen - es geht um immerhin jede fünfte Stelle auf dann 20.500 Arbeitsplätze. Wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, tritt der Kündigungsschutz nicht in Kraft, sieht eine mit der Gewerkschaft Verdi getroffene Vereinbarung vor.

In internen Veranstaltungen malen Führungskräfte dieses Schreckensbild aus. Derzeit geht es um "einige Hundert Stellen", die noch abgebaut werden müssen, so Lindlar. Doch die Zeit drängt allmählich: Die Höhe der Abfindungen, die die Mitarbeiter erhalten, wenn sie das Unternehmen verlassen, sinkt im Kürze und damit natürlich auch die Attraktivität, ein solches Angebot anzunehmen. 300 Beamte, die bei T-Systems tätig waren, hätten bislang Stellen in Bundesbehörden bekommen, so Lindlar. 600 sollen es werden.

Die Gewerkschaft Dpvkom fordert von der Telekom, auf betriebsbedingte Kündigungen bei T-Systems zu verzichten. "Statt mit Kündigungen zu drohen und damit Angst unter den Mitarbeitern zu verbreiten, sollte die Geschäftsführung der T-Systems lieber bereits vereinbarte beschäftigungssichernde Maßnahmen umsetzen, die den Beschäftigten eine Perspektive bieten.

Alles andere ist unsozial und mitarbeiterfeindlich", so der Dpvkom-Bundesvorsitzende Volker Geyer. Die Telekom tue viel zu wenig, um den Mitarbeitern berufliche Perspektiven anzubieten und Beschäftigung im Unternehmen zu sichern. So fänden notwendige Qualifizierungen kaum statt, obwohl für die Mitarbeiter ein Qualifizierungsanspruch bestehe. Außerdem würde den Beschäftigten viel zu selten konzerninterne Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten angeboten, die aus Sicht der Dpvkom beispielsweise beim Ausbau der technischen Infrastruktur vorhanden sind.

Wie es in Unternehmenskreisen heißt, hat es bei der Stelle, die für die Vermittlung der T-Systems-Arbeitnehmer zuständig ist, Probleme gegeben. Jetzt soll das Projekt besser funktionieren.

"Transformation T-Systems 2015+" heißt das Projekt, mit dem T-Systems neue Geschäftsfelder ausbauen will, die sich um die Digitalisierung der Wirtschaft drehen. In diesem Rahmen steht auch der Stellenabbau. Denn mit klassischen IT-Dienstleistungen lässt sich kaum noch Geld verdienen.

"Der Zuspruch der Kunden ist gut", bilanziert Lindlar. Die Umsätze entwickelten sich positv. T-Systems-Chef Reinhard Clemens befeuert den Wandel derzeit mit wöchentlichen Schreiben an die Mitarbeiter. Doch Erfolge im Geschäftskundensegment zeigen sich längst nicht so schnell wie bei Privatkunden: "Bei uns werden sehr langfristige Verträge abgeschlossen", sagt Lindlar.