Kommentar zum Wasserbus

Staustadt Bonn

Bis zu 15 Anlegestellen könnten Wasserbusse an beiden Rheinufern ansteuern und Passagiere aufnehmen.

Bis zu 15 Anlegestellen könnten Wasserbusse an beiden Rheinufern ansteuern und Passagiere aufnehmen.

Wer über die Seilbahn auf den Venusberg witzelt und die Idee eines Wasserbusses auf dem Rhein als „nette Geste“ abtut, ist noch nicht lange genug im Stau gestanden. Bonn ist eine Staustadt im Stauland NRW. Ein Kommentar.

Das Problem wird nicht besser, wird sich nicht in Luft auflösen. Betrachtet man die Zukunft mit sanierungsbedürftigen Brücken und maroden Autobahnen, wird die Situation eher schlimmer. Forscher gehen davon aus, dass im Jahr 2030 in Köln möglicherweise 20 Prozent mehr Menschen leben als heute, für Bonn schätzen sie einen Bevölkerungszuwachs von zwölf Prozent. Welches Straßennetz soll das kanalisieren?

Die mittlere Geschwindigkeit liegt in der Bonner City heute bei 13 Kilometern in der Stunde, rechnet Christoph Waack von der Universität Bonn vor. In der Rushhour kriecht der Autoverkehr mit neun km/h durch die Stadt. Spaß macht das nicht mehr. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) ist ein Auslaufmodell. Alternativen müssen her, müssen – ohne immer wieder das Totschlagargument klamme Kassen zu bemühen – zumindest einmal diskutiert werden.

So gesehen sind Initiativen wie „R(h)ein in die Stadt – ein Wasserbus für Bonn“ des BDA Bonn Rhein-Sieg wichtig, muss man den Hut ziehen vor Studenten, die Fragen stellen, Materialien aufbereiten, Visionen zulassen. Die jungen Bonner Geologen haben Grundlagenforschung zum Wasserbus betrieben, auf der man aufbauen kann. Und die Architekturstudenten der TH Köln haben Defizite im Umgang mit den Rheinufern formuliert und fantasievolle Lösungen vorgeschlagen: Pavillons, Freiflächen, Orte zum Verweilen entlang des Rheins. Und ein staufreies Wassertaxi könnte die Orte verbinden.