Brückensanierungen in Bonn

"Staus gefährden die Existenz"

Ein Nadelöhr bei Bauarbeiten: Die Nordbrücke.

Ein Nadelöhr bei Bauarbeiten: Die Nordbrücke.

BONN/RHEIN-SIEG-KREIS. Straßenarbeiten in Bonn haben Folgen für den Rhein-Sieg-Kreis. Das Unternehmernetzwerk Rhein-Voreifel hatte deshalb im Bonner Telekom Dome zu einer Veranstaltung über die Verkehrssituation in der Region Bonn/Rhein-Sieg eingeladen.

Referent Mario Korte koordiniert für den Landesbetrieb Straßenbau NRW die Autobahnbaustellen im ganzen Bundesland. In Bonn waren und sind Großprojekte an Brücken vordringlich, so Korte.

Jüngstes Beispiel: In den Sommerferien erfolgten Arbeiten an der Friedrich-Ebert-Brücke, die Ortskundige als Nordbrücke bezeichnen. "Das Chaos blieb aus", bilanzierte der Referent. Die Verantwortlichen hätten im Vorfeld intensiv kommuniziert und Alternativen aufgezeigt.

Ab 2016 ist eine Gesamtinstandsetzung der Brücke geplant, die dreieinhalb Jahre dauern soll. Danach, etwa 2020, begännen Instandsetzungsarbeiten an der Konrad-Adenauer-Brücke. Die "größte Herausforderung" sei der Abriss und Neubau des "Tausendfüßlers", dem Abschnitt der A 565 zwischen Endenich und Tannenbusch. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich im Jahr 2023. "In Bonn haben wir eine schwierige und belastende Verkehrssituation mit wenig Alternativen", so Korte.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wies Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher auf die wirtschaftlichen Folgen für die Region hin. Eine Umfrage der Handwerkskammer zu Köln im Frühjahr 2013 ergab, dass Staus bei den Handwerkern in der Region Bonn/Rhein-Sieg 9000 bis 10.000 Euro Schaden verursacht haben, so Radermacher. "Das kann existenzgefährdend sein." Korte verwies auf frühzeitige Ankündigungen der Baumaßnahmen: Großprojekte würden zwei Jahre, Tagesbaustellen ein bis zwei Tage vorher auf Portalen und der Homepage des Landesbetriebs angekündigt.

Unternehmer oder Lieferanten hätten aber im Gegensatz zu Privatleuten oft keine Alternativen in der Wahl des Verkehrsmittels, so Radermacher. Moderator Volker Groß von Radio Bonn/Rhein-Sieg sprach den Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg, Norbert Reinkober, auf die Kapazitäten des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) an. Reinkober sieht viele Potenziale im Bus- und Bahnbereich, aber "im ÖPNV in Hauptverkehrszeiten stehen die Leute wie Ölsardinen".

Wie also das Verkehrschaos vermeiden? Bei der Sanierung der Nordbrücke im Sommer waren die Arbeiter 24 Stunden am Werk. Der Vorsitzende des Rhein-Voreifel-Unternehmernetzwerks, Norbert Nettekoven, forderte dies auch für die anstehenden Großprojekte. Korte entgegnete, dass manche Leistungen aufgrund der Materialeigenschaften nicht im Dunkeln ausgeführt werden könnten. Außerdem sei eine 24-Stunden-Baustelle bei dreieinhalbjährigen Projekten nicht durchführbar. Eine Sechs-Tage-Woche sei aber schon Standard, außerdem würde die gesamte Tageshelligkeit ausgenutzt. Lange Genehmigungsverfahren und zu wenig Geld für Verkehrsprojekte bemängelte Reinkober.

Laut Michael Jaeger, Planungs- und Verkehrsdezernent des Rhein-Sieg-Kreises, sind die Planer-Kapazitäten nicht ausreichend. "Es ist gefährlich, wenn wir in den Ruf geraten, Stauregion zu sein. Das darf nicht passieren", sagte Jaeger. Radermacher kritisierte den fehlenden politischen Willen zur Einigkeit. "Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sind nicht auf derselben Schiene unterwegs." Der Abteilungsleiter vom Stadtverkehr Bonn, Helmut Haux, und Jaeger betonten, dass ihre Ämter sehr gut zusammenarbeiten würden. Allerdings gäbe es auch immer wieder Interessenkonflikte, so Jaeger.