Youtube-Serie "Kuntergrau"

Staffelfinale spielt auf Altem Friedhof in Bonn

Das triste Wetter und die Abschiedsstimmung auf dem Alten Friedhof wird durch die bunten Ballons beim Staffelfinale aufgelockert.

Das triste Wetter und die Abschiedsstimmung auf dem Alten Friedhof wird durch die bunten Ballons beim Staffelfinale aufgelockert.

Bonn. „Kuntergrau“ hat auf Youtube fast 30.000 Abonnenten und vier Millionen Aufrufe. In der Serie, die von Kölner Jugendlichen konzipiert wird, geht es um den Alltag von Homosexuellen.

Graue Wolken stehen über der Georgskapelle, welche an diesem Tag bevölkerter ist als sonst. Die triste Szenerie wird aufgelockert durch bunte Ballons, die von rund 50 Trauergästen getragen werden. Einer verhüllt seinen schwarzen Anzug mit einer Regenbogenfahne, dem Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Unüblich für einen Friedhof. „Und Cut. Das sah sehr gut aus. Danke“, ertönt es hinter einem Grabstein. Statt einer richtigen Trauerfeier wird gedreht. Zwei Tage lang für die Webserie „Kuntergrau“.

Seit 2014 begeistert die Youtube-Serie fast 30 000 Abonnenten und ist mit fast vier Millionen Aufrufen längst keine Nische mehr: „Selbst im Libanon werden wir geschaut. Wir bekamen Fanpost aus China und wurden von Fans und Unterstützern unseres Projektes in 14 Sprachen übersetzt“, erklärt Falk Steinborn, Medienpädagoge des Jugendzentrums anyway in Köln. Warum das Serienfinale, in dem einer der Hauptdarsteller stirbt, in Bonn und nicht in Köln gedreht wird, erklärt Steinborn wie folgt: „Die Stadt Bonn war sehr kooperativ. Wir wurden sehr positiv aufgenommen.“

Nach fünf Jahren wir die Serie eingestellt

Was so professionell am Set und im Netz aussieht, ist ehrenamtliche Arbeit von Besuchern des Jugendzentrums für homo-, bi- und transsexuelle Jugendliche. Zwischen Muffinboxen und Luftballons tummelt sich der 26-jährige Kevin Kilp mit Headset und Funkgerät ausgestattet. Eigentlich studiert er Erneuerbare Energien und BWL. Bei Kuntergrau schlüpft er in die Rolle des Aufnahmeleiters: „Ich bin hier das Mädchen für alles. Die Rolle habe ich mir selbst ausgesucht.“ Jeden Dienstag gebe es um 19 Uhr eine Teamsitzung samt Drehbuchbesprechung, in der Wünsche über Rollen geäußert werden dürften. „In den letzten vier Jahren habe ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammengearbeitet. Wir sind eine große Familie geworden“, schwärmt Kevin.

Fünf junge Männer durften in den letzten fünf Jahren ihre Rolle nicht wechseln. Jan, Leopold, Lukas, Noah und Marcel sind die Figuren, um die es in Kuntergrau geht. Und diese Charaktere haben schon einiges erlebt: Beziehungsintrigen, Sex, Prostitution und Gewalt gegen Homosexuelle. Für den 29-jährigen Moustafa Tarraf (Marcel) war die Serie zugleich sein Coming-out: „Meine Eltern sind streng muslimisch. Die Serie hat mir eine Last genommen.“

Nach fünf Jahren ist allerdings nun Schluss mit Kuntergrau. Jahresurlaube sind aufgebraucht und die Darsteller und Mitwirkenden nun erwachsen. Der Dreh in Bonn vereint die Gefühle, die sich bei Mousti, Kevin, Falk und Co. in den zwei Drehtagen breitmachen: Trauer, Wehmut, Freude und Freundschaft.