Bonner Liniennetz

Stadtwerke schicken sechs E-Busse an den Start

Die Klimaastronauten vor einem der sechs E-Busse. Die Stadtwerke haben sie nun in den Betrieb genommen.

Die Klimaastronauten vor einem der sechs E-Busse. Die Stadtwerke haben sie nun in den Betrieb genommen.

Bonn. Seit Donnerstag fahren durch das Bonner Liniennetz sechs Elektrobusse, die die Stadtwerke Bonn gekauft haben. Und das soll nur der Anfang sein, wenn es nach Heinz Jürgen Reining, dem Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter Bus und Bahn, geht.

Das Pilotprojekt, das mit einer halben Million Euro Fördergeld der Europäischen Union unterstützt wird, soll bis Mitte 2017 beobachtet und genau analysiert werden.

Am Projekt „ZeEUS“ – für: Zero Emission Urban Bus System – nehmen zehn weitere europäische Städte, darunter Münster, teil. Ziel: E-Mobilität auf Herz und Nieren in ihrer Wirtschaftlichkeit und Anfälligkeit zu testen.

Anschließend wollen die Stadtwerke eine Grundsatzentscheidung treffen, ob sie die gesamte Einsatzflotte von 180 Dieselfahrzeugen auf Elektromotoren umstellen. Eine Machbarkeitsstudie des Fraunhofer-Instituts zufolge wäre das bis 2030 durchaus möglich.

Reichweite von 230 Kilometern

Reining sagte beim feierlichen Startschuss in einer Wagenhalle auf dem Friesdorfer Betriebshof: „Die Chancen, dass uns die Analysen überzeugen werden, liegen meiner Ansicht nach wesentlich besser als 50 zu 50.“ Wasserstoff-Antriebe beispielsweise halte er für weniger praktisch, „weil man entsprechende Tankstellen anfahren muss“.

Strom dagegen produzieren die Stadtwerke selbst. Für die neuen Busse greift die SWB-Tochter auf Naturstrom aus regenerativen Energien zurück. Vor allem aber müsse man sich irgendwann für eine Zukunftstechnologie entscheiden und entsprechend handeln. Für die SWB-Tochter ist der Umgang mit E-Bussen kein Neuland.

Seit 2012 beschäftigt man sich mit dem Thema. Viele Anbieter wurden ausprobiert, bis nun die Entscheidung für Sileo-Busse aus deutscher Herstellung fiel. Die SWB-Busfahrer haben bereits 40.000 Kilometer damit zurückgelegt. Die Fahrzeuge könne 230 Kilometer ohne Aufladen fahren. Das reicht für einen Tageseinsatz auf der Hälfte des Bonner Liniennetzes. Reining glaubt, dass die Reichweiten der Motoren in den kommenden vier Jahren durch technische Verbesserungen auf 350 Kilometer kommen werden.

Klimaneutral zur Dienststelle

Auf zwölf Jahre gerechnet werden die sechs gekauften Busse insgesamt etwa 10.000 bis 15 000 Euro jährlich mehr kosten als Dieselfahrzeuge. Dafür fallen aber im Gegenzug keine Abgase an und kein Motorenlärm. Die Testphase eröffne eine „Zukunftsperspektive“, erklärte Oberbürgermeister Ashok Sridharan, Aufsichtsratsvorsitzender der SWB Bus und Bahn.

Das war sicher ein Grund, die Klima-Astronauten der Gottfried-Kinkel-Grundschule aus Oberkassel auf der Bühne ihr Lied „Climate Astronauts“ vortragen zu lassen. Nick Nuttall, Pressesprecher des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, war ganz angetan und ließ sich anschließend klimaneutral zu seiner Dienststelle fahren.