Vor dem Bürgerentscheid

Stadtschulpflegschaft äußert Zweifel an Wasserlandbad

Schwimmen will gelernt und geübt sein. Die Voraussetzungen dafür sind in Bonn nicht zum Besten bestellt.

Schwimmen will gelernt und geübt sein. Die Voraussetzungen dafür sind in Bonn nicht zum Besten bestellt.

Bonn. Trotz längerer Fahrzeiten für den Schulsport wirbt die Stadtverwaltung bei den Schulleitern um Rückendeckung für das Wasserlandprojekt. Doch die Stadschulpflegschaft meldet massive Zweifel am Neubaukonzept an.

Die Debatte um das Schulschwimmen im geplanten Wasserlandbad spitzt sich zu. Die Stadtschulpflegschaft meldet im laufenden Bürgerentscheid massive Zweifel am Neubaukonzept an. Die Stadtverwaltung wirbt unterdessen in einem Brief an alle Schulleiter um Rückendeckung für das Wasserlandprojekt – trotz teilweise längerer Fahrzeiten nach Dottendorf.

Die Stadtschulpflegschaft sitzt mit der Verwaltung, dem Bonner Schwimmverband, der DLRG und Fachberatern der Schulen im Arbeitskreis Schulschwimmen, der bisher zweimal getagt hat. Für Jan Reche aus dem Vorstand der Pflegschaft sind aber noch viele Fragen ungeklärt – „vor allem bezüglich der Sicherheit der Schüler bei zu vielen Klassen, die parallel unterrichtet werden“. Offen seien zudem die konkrete Verteilung der Schulen auf die Bäder und damit die realen Fahrzeiten.

Meist würden zwei Schulstunden für den Schwimmunterricht eingeplant. Wenn der Transport (hin- und zurück) zum Beispiel 40 Minuten länger dauere als bisher, bleibe neben dem Umziehen kaum Wasserzeit übrig. Eine dritte Stunde aufzuwenden, gebe der Wochenstundenplan vieler Schulen nicht her, meint der Stadtschulpflegschaftsvertreter. Im Moment sei deshalb nicht klar, ob das Wasserlandbad für den Schwimmunterricht wirklich mehr Kapazität biete als Kurfürsten- und Frankenbad zusammen. Die Stadtschulpflegschaft bedauere, so Reche, dass „die offenen Fragen nicht schon längst im Rahmen der Entscheidungsfindung“ beantwortet wurden. Darüber hinaus kritisiere sie, dass der Bürgerentscheid genau mit dem Beginn der Ferienzeit zusammenfällt.

Warnender Brief an die Schulleiter

Wie die Bürgerinitiativen sagt auch Reche, dass Nichtschwimmer von den Lehrern aus Sicherheitsgründen nur auf den beiden jeweiligen Außenbahnen eines Beckens beaufsichtigt werden dürften – was ein Pluspunkt für die Altbäder mit ihren drei 25-Meter-Becken wäre (das Wasserland soll zwei bekommen). Doch dem widerspricht die Stadtverwaltung. Der einschlägige Runderlass des NRW-Schulministeriums lege nur fest, dass der Lehrer freie Sicht auf alle Kinder im Wasser haben müsse. Ebenso wenig sei vorgeschrieben, dass bei mittleren Bahnen an jedem Ende eine Aufsichtsperson stehen müsse. Auch das wird bei den Initiativen kolportiert.

In dem Brief an die Schulleiter warnen Bildungsdezernentin Carolin Krause und Sportdezernent Martin Schumacher vor unangenehmen Folgen, falls der Bürgerentscheid Erfolg haben sollte. Ein Stopp für das Wasserlandbad bedeute, dass den „Bonner Schulen auf absehbare Zeit keine ausreichenden Wasserflächen zur Verfügung gestellt werden könnten“ – weil die alten Bäder teilweise jahrelang zwecks Grundsanierung geschlossen werden müssten. Laut Stadt braucht Bonn für die gesetzliche Pflichtaufgabe Schulschwimmen Kapazitäten für täglich 111 Unterrichtsstunden. Im Wasserlandbad mit zwei großen und drei kleinen Becken könnten am Tag 40 bis 88 Stunden angeboten werden, so die Dezernenten – je nachdem, wie viele Klassen gleichzeitig im Bad sind. Die Stadt geht von fünf bis maximal elf Klassen aus. Bei letzterer Zahl, so Jan Reche von der Stadtschulpflegschaft, würden die Lehrer wohl „die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“.

Die Schulen im Bonner Norden, heißt es im Brief weiter, sollen hauptsächlich im Bad des Sportparks Nord unterkommen, die im Süden in den Lehrbecken des Konrad-Adenauer-Gymnasiums und der Bodelschwinghschule. Welche Schule wo schwimmen soll, könne aber jetzt noch nicht festgelegt werden, erklärte das Presseamt. Erst müsse klar sein, ob und wann das Wasserlandbad komme und welche der übrigen Bäder dann zur Verfügung stünden. Das Nutzungskonzept, an dem der Arbeitskreis gerade feilt, soll mit allen Schulen abgestimmt werden. Das Wasserlandbad ist dicht am Bahnhaltepunkt UN-Campus geplant. Laut Stadt steht es Schulen völlig frei, für die Anfahrt auch die Bahn zu nutzen.

Den Brief an die Schulleiter hat das Schulamt per Mail verschickt – verbunden mit der Bitte, sowohl das Dezernentenschreiben als auch ein Wasserland-Flugblatt der Stadtverwaltung an die Schulpflegschaften weiterzuleiten. „Ich halte dieses Vorgehen für einen Skandal“, sagte der SPD-Vorsitzende Gabriel Kunze am Freitag. „Die Eltern haben den Schulen ihre E-Mail-Adressen nicht zur Verfügung gestellt, damit sie einseitige politische Werbeflyer zum in seiner Finanzierung nach wie vor unklaren 'Superbad' des Oberbürgermeisters bekommen.“

Laut Stadtverwaltung müssten inzwischen die Unterlagen des Bürgerentscheids an alle Wahlberechtigten zugestellt worden sein, wie die Deutsche Post mitgeteilt habe. Wer noch keine Unterlagen hat, kann sich im Abstimmungsbüro im Stadthaus melden, Berliner Platz 2, oder telefonisch unter 02 28/77 23 09 und 77 23 44.