Bonner Initiative

Stadtgrenzenlos ist eine App für junge Flüchtlinge

BONN. Ein Projekt der Bonner Evangelischen Jugendhilfe Godesheim wurde jetzt in Münster auf der bundesweiten Fachtagung der Landesjugendämter als eines von zehn Modellprojekten in ganz Deutschland ausgewählt. Es handelt sich um "Stadtgrenzenlos".

Ein "Bonner Modell", das unter dem Motto "Wie funktioniert Deutschland? Wie funktioniert meine Stadt?" demnächst als Web-App für junge Flüchtlinge an den Start gehen soll kommt aus Bonn: die App "Stadtgrenzenlos".

Die Spitzenvertreter deutscher Jugendämter zeigten sich überzeugt vom Know-how und Konzept. Das "Bonner Modell" gelte als "Projekt-Schablone" für die erfolgreiche Integration von Flüchtlingskindern. "Unsere Idee unterstützt junge Flüchtlinge, hier bei uns Fuß zu fassen, vernetzt die Akteure und unterstützt Jugendamt und freie Träger der Jugendhilfe," erklärt Klaus Graf, Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Bonn.

Mit Hilfe ihres Smartphones können sich junge Flüchtlinge künftig ihre Stadt erschließen. In dem Portal finden sich Erklärvideos, Lernmaterialien und interaktive Karten mit den wichtigsten Ansprechpartnern. Das Portal ist in 15 Sprachen verfügbar, die Erklärvideos werden in sieben Sprachen übersetzt. Ein speziell entwickeltes Coachingprogramm setzt die Idee im Alltag der Flüchtlingsarbeit um.

"Die Präsentation hat für einen Aha-Effekt gesorgt. Erfahrung und Konzept sind wegweisend für eine gute Betreuung und erfolgreiche Integration", lobt Birgit Zeller, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter. Gerade Jugendämter könnten hiervon profitieren. Derzeit komme ja eine wachsende Zahl minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge zu den Jugendämtern. Das sei eine enorme Herausforderung.

"Entscheidend ist, dass die Menschen in Bonn und im gesamten Rheinland jetzt mitziehen. Dass die Kinder und Jugendlichen, die ohne Eltern nach Bonn kommen, in einem Heim oder in einer Pflegefamilie ein Dach über dem Kopf bekommen, das ist das Allerwichtigste. Und das ist Sache des Jugendamts", so Birgit Zeller.

Dazu seien Sprachkurse das A und O jeder Jugendarbeit mit Flüchtlingen. Insgesamt erwartet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter in diesem Jahr bundesweit zwischen 20.000 und 30.000 Kinder und Jugendliche, die sich allein auf den Weg nach Deutschland machen.

Besonders stark sei dabei die Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen - junge Männer, die zum Beispiel aus Syrien kommen und dort vor dem Kriegsdienst fliehen. "Bei Mädchen ist die Gewalt in der eigenen Familie oft der Grund für die Flucht. Sie kommen nach Deutschland, um einer Zwangsheirat oder einer Beschneidung zu entkommen", erläutert Birgit Zeller.