World Conference Center Bonn

Stadt rät zum Verzicht auf das WCCB-Vordach

Letzte WCCB-Unterausschusssitzung!

Letzte WCCB-Unterausschusssitzung!

Bonn. Das große Vordach auf dem Platz vor dem Eingang ins Kongresszentrum wird nicht kommen. Offensichtlich ist keine Einigung mit den Architektinnen möglich. Weiteres Thema für den Stadtrat: der Taubendreck in der Welckerpassage.

Der neue Kongresssaal des World Conference Centers Bonn (WCCB) und das benachbarte Marriot-Hotel locken nicht nur viele Tagungs- und Übernachtungsgäste an. Auch Tauben haben das WCCB für sich entdeckt. Sie nisten besonders gerne über den verkleideten Lüftungsrohren in der Welckerpassage, die zwischen dem Hotel beziehungsweise GOP-Theater und dem WCCB liegt. Großes Ärgernis: der Taubenkot, der den Fußweg in der Passage derart verunziert, dass er mehrfach am Tag gereinigt werden muss. Nach langem Hin und Her haben die Stadt und der Hoteleigentümer sich nun auf eine Lösung verständigt.

Jetzt muss nur noch der Stadtrat in seiner Sitzung an diesem Donnerstag der Vereinbarung grünes Licht geben, die die Stadt Bonn mit der Eigentümerin, der ImmoViso – eine Tochter der BonnVisio-Gruppe des Bonner Unternehmers Jörg Haas – schließen will. So soll die Welckerpassage mit einer Unterhangdecke versehen und die Tauben damit ausgesperrt werden. Kosten: Rund 450.000 Euro.

Weil die Welckerpassage zum Hotel gehört, hatte der Rat ursprünglich mit Blick auf die Kosten entschieden, auf eine Unterhangdecke zu verzichten. Die Lüftungsrohre dagegen befinden sich im Eigentum der Stadt. Einer nicht öffentlichen Beschlussvorlage für die Ratssitzung zufolge soll Haas deshalb das Gros der Kosten für die Deckenverkleidung von der Stadt erstattet bekommen. Abzüglich seines Eigenanteils von rund 50.000 Euro verbleiben demnach 400.000 Euro, von denen der Bund laut Verwaltung wiederum 355.000 Euro übernehmen wird.

Stadt spart 1,4 Millionen Euro

Keine Lösung ist dagegen nach wie vor für den Vorplatz des WCCB in Sicht: Ein rund 1000 Quadratmeter großes und 1,4 Millionen Euro teures Vordach sollte die Kongressgäste, wenn sie in langen Schlangen vor dem Gebäude auf ihre Akkreditierung warten müssen, dort längst vor Regen schützen. Bisher Fehlanzeige. Ebenfalls für diese Ratssitzung schlägt die Verwaltung vor, diesen Plan endgültig zu beerdigen.

Hintergrund: Die Pläne für das Vordach sind an das Urheberrecht der WCCB-Architektinnen Ruth Berktold und Marion Wicher gebunden. Ihr Münchner Büro „yes architecture“ hatte Ende 2004 den Architektenwettbewerb für das WCCB samt Hotel gewonnen. „Da eine Lösung der Urheberrechtsfrage nach monatelangen ergebnislosen Verhandlungen mit den Urheberrechtsinhaberinnen auch für die Zukunft als unwahrscheinlich angesehen wird“, so die Verwaltung, solle jetzt nach einer dauerhaften Alternative gesucht werden, die rechtzeitig zum Weltklimagipfel COP 23 im November verwirklicht werden kann. Infrage kämen temporäre Bauten. Berktold sah sich auf GA-Nachfrage außer Stande, zu diesem Thema etwas zu sagen. „Ich weiß vom aktuellen Stand der Entwicklung nichts“, sagte die Architektin, die nach eigenen Angaben zurzeit in New York lebt und dort an einer Universität lehrt.