Bonner Präventionskonzept

Stadt lädt Experten ein

Ulrich Wagner von der Universität Marburg führte vor weit mehr als 100 Zuhörern in das Thema des Abends ein.

Ulrich Wagner von der Universität Marburg führte vor weit mehr als 100 Zuhörern in das Thema des Abends ein.

BONN. Ein erster Schritt in Richtung gesamtstädtisches Gewaltpräventionskonzept ist getan. Weit mehr als 100 Vertreter verschiedener Organisationen, Institutionen und auch Jugendliche waren der Einladung der Stadt gefolgt und am Dienstagabend in die Beueler Gesamtschule gekommen.

Das Ziel des Abends: erste Impulse, Ideen und Vorschläge für ein solches Konzept zu bekommen und zu sammeln. „Nur gemeinsam können wir es schaffen, uns gegen Gewalt in unserer Stadt zu erheben“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Das Konzept, solle als Leitfaden dienen. Neben Maßnahmen in Kindergärten, Schulen, Kirchen, Verbänden und Vereinen gehe es darum, die verschiedenen Einrichtungen, Ämter und Initiativen, die zum Teil bereits präventiv arbeiten, zu vernetzen.

Nach seiner Eröffnungsrede verließ der Oberbürgermeister die Gesamtschule. Sehr zur Verwunderung einiger Anwesender. „Der OB hatte bereits frühzeitig seine Teilnahme am dritten Sportforum zugesagt, das um 18 Uhr begann“, teilte Vizestadtsprecher Marc Hoffmann am Mittwoch auf GA-Anfrage mit.

Die Auftaktveranstaltung an einem anderen Tag stattfinden zu lassen, sei keine Alternative gewesen. Sie sollte so schnell wie möglich über die Bühne gehen, man habe den frühestmöglichen Termin gewählt. Und: „Es war wichtig, dass sie vor den Herbstferien stattfindet.“ Außerdem musste der Termin mit Ulrich Wagner von der Uni Marburg und Johannes Maaser von der Stadt Marburg abgestimmt werden.

Marburger Modell zur Gewaltprävention

Die beiden beleuchteten zunächst verschiedene Aspekte der Gewalt und der Möglichkeiten zur Vorbeugung, bevor sie schließlich das Marburger Modell zur Gewaltprävention vorstellten. 2013 wurde dies ins Leben gerufen, mit dabei sind das staatliche Schulamt, Stadt, Polizei, das Netzwerk gegen Gewalt und das Jugendrechtshaus. Getagt wird alle sechs bis acht Wochen, für Struktur sorgt die Koordinierungsstelle von Sozialpsychologie und Ordnungsamt mit je einer halben Stelle.

Die Arbeit teilt sich in vier Schritte

Nach der Problemanalyse wird ein Blick auf die bereits vorhandenen Angebote geworfen, man verständigt sich untereinander und setzt schließlich Maßnahmen um. Dazu gehören zum Beispiel Antigewalttrainings, die Schulung von Medienkompetenz, Initiativen zur Beschleunigung von Gerichtsverfahren, Maßnahmen gegen Gewalt gegen Frauen sowie die Evaluation von Präventionsmaßnahmen. Außerdem wurde ein Präventionsatlas erstellt, in dem die Kontaktdaten derjenigen erfasst sind, die in dem Bereich arbeiten oder aktiv sind. „Es ist eine Art Telefonbuch im Internet“, erklärte Maaser.

Raum für Konflikte schaffen, Stärkeorientierung, Wertevermittlung, konsequentes Ahnden von Regelverstößen, vernetzte Schulsozialarbeit, interkulturelle Angebote, übersichtliche Plätze und vieles mehr waren die Vorschläge und spontanen Ideen, die den Anwesenden zum Thema Gewaltprävention und Maßnahmen in Bildungseinrichtungen, Kirchen, Verbänden, Vereinen und im öffentlichen Raum in den Sinn kamen. Ihre Vorschläge hielten sie auf Karten fest, die an dafür aufgestellten Pinnwänden befestigt wurden. Besprochen wurden die Anregungen aber nicht. Sie werden nun diskutiert und ausgewertet, versprach Jugendamtsleiter Udo Stein am Ende des Abends. „Wir werden nun überlegen, wie es in Bonn weitergehen kann“, sagte Stein. „Ich bin zuversichtlich, dass es am Ende ein auf Bonn bezogenes Konzept geben wird.“

Einige Ergebnisse des Runden Tisches, der die Erstellung des Konzepts initiiert hat, sind übrigens schon spürbar. Dazu gehört die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Stadtordnungsdienst, der Einsatz von zwei Jugendkontaktbeamten in Bad Godesberg, Grünrückschnitte an der Rheinallee und die Einrichtung eines Arbeitskreises zur Umgestaltung der Rheinallee und des Bahnhofsumfelds in Godesberg. Außerdem wird zurzeit geprüft, wie die Beleuchtung in diesem Bereich verbessert werden kann.