Bücherei Rheindorf droht Schließung

Stadt erwägt kürzere Öffnungszeiten in weiteren Filialen

Die Stadt Bonn muss sparen, die Bücherein soll es treffen.

BONN. Das prognostizierte Haushaltsdefizit der Stadt Bonn in Höhe von 132 Millionen Euro in diesem Jahr hat in der Verwaltung offensichtlich einiges auf den Kopf gestellt. Auch wenn die Stadtspitze sich zu ihren Sparüberlegungen noch vollkommen bedeckt hält.

Nägel mit Köpfen hat man offensichtlich bereits bei der Stadtbücherei gemacht. Anders als ursprünglich geplant soll es dort nun doch Schließungen geben. Das hängt unmittelbar mit der Fertigstellung des neuen "Hauses der Bildung" zusammen.

Voraussichtlich um die Jahreswende, so schätzt Kulturdezernent Martin Schumacher, werde die Zentralbibliothek in ihre neuen Räume am Bottlerplatz einziehen. Weil dort nicht zuletzt wegen der geplanten deutlich längeren Öffnungszeiten zusätzliches Personal benötigt werde, solle die Filiale in Graurheindorf an der Herseler Straße ab März 2015 geschlossen werden. Die Zweigstellen in Endenich und Dottendorf sollen ab dann nur noch an zwei Tagen in der Woche öffnen. "Das ist zunächst eine vorübergehende Regelung", versuchte Schumacher zu beschwichtigen.

Während er 2013 in einem GA-Gespräch erklärt hatte, keine der neun Zweigstellen werde nach der Eröffnung des Hauses der Bildung schließen, gibt er sich jetzt zurückhaltend. Doch hinter den Kulissen erfuhr der GA, dass das von der Politik seit Langem geforderte Bibliothekskonzept, das schon fix und fertig im Schreibtisch des Kulturdezernenten schlummern soll, den aktuellen Haushaltszahlen angepasst werden musste. Heißt im Klartext: Offensichtlich führt doch kein Weg an der Schließung der einen oder anderen Zweigstelle vorbei. Nach GA-Informationen könnten dadurch mehr als zehn Stellen eingespart werden.

"Ich kann derzeit nicht sagen, ob wir alle Standorte erhalten können", sagte Schumacher, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Er machte auch keine Angaben dazu, was die Schließung einer Zweigstelle an Einspareffekten bringt. Sein Ziel sei es zunächst, ein den "veränderten finanziellen Rahmenbedingungen" angepasstes Bibliothekskonzept in der kommenden Sitzung des Kulturausschusses vorzulegen.

Für Ulrike Blumenreich vom Förderverein der Rheindorfer Bücherei kommt die Nachricht von der beabsichtigten Schließung überraschend. "Darüber ist ja immer wieder diskutiert worden, aber seitdem die Stadt die neuen Räume für die Bücherei in der Auerberger Mitte angemietet hatte, dachten wir, dass diese Gefahr endlich vom Tisch sei", sagte sie. Angesichts der jüngsten Meldungen zur Finanzlage der Stadt befürchtet sie nun, dass diese Schließung auch nicht nur vorübergehend ist, wie Schumacher sagt. "Wir werden jetzt überlegen, was wir dagegen unternehmen", kündigte sie an.

Ungewohnt zurückhaltend die Reaktionen aus den Fraktionen. "Wir werden um Veränderungen auch bei den Büchereien nicht umhin kommen", meinte Georg Fenninger (CDU) mit Blick auf die städtische Finanzmisere. Ähnlich äußerten sich Tom Schmidt (Grüne) und Werner Hümmrich (FDP). Ernesto Harder (SPD) verwies auf das Bibliothekskonzept: "Bevor das nicht auf dem Tisch liegt, können wir doch überhaupt nichts dazu sagen.".