Neubaugebiet Am Hölder

Stadt bleibt auf ihren Hölder-Flächen sitzen

Das Neubaugebiet „Am Hölder“ in Röttgen: Dort gibt es immer noch 18 Baugrundstücke, die nicht vermarktet sind.

Das Neubaugebiet „Am Hölder“ in Röttgen: Dort gibt es immer noch 18 Baugrundstücke, die nicht vermarktet sind.

Röttgen. In Röttgen sind immer noch 18 Baugrundstücke in bester Lage zu verkaufen. Ein Grund dürften die stolzen Preise sein: Ein Quadratmeter kostet dort 445 bis 520 Euro.

Die Stadt sucht händeringend nach Bauflächen, um dringend notwendige Wohnungen zu schaffen und die Situation auf dem Immobilienmarkt zu entschärfen. Und trotzdem gibt es Grundstücke, die offenbar nicht so einfach an den Mann zu bekommen sind. So stellt sich die Lage jetzt im Neubaugebiet „Am Hölder“ dar.

Während die Kräne sich dort längst drehen, neue Häuser wachsen und andere bereits bezogen sind, gibt es immer noch Bauflächen, die nicht vermarktet sind: Die Stadt Bonn bietet aktuell 18 Baugrundstücke mit Größen zwischen 304 und 481 Quadratmetern zum Kauf an, teilte das Presseamt mit. Dass sie bisher, also fast zwei Jahre nach Baubeginn, noch zu haben sind, ist aus Sicht der Stadt ein „normaler Prozess“, sagte eine Sprecherin.

Liegt es am hohen Preis der Flächen oder ist der Bedarf an teuren Wohnlagen grundsätzlich gedeckt? Das Exposé weist für die 18 Baugrundstücke Quadratmeterpreise von 445 bis 520 Euro aus. Das ist ein Top-Wert für Bonn, kommt allerdings nicht an die Spitzenlagen wie die Poppelsdorfer Allee (740 Euro), Poppelsdorf-Mitte (660 Euro) oder die Südstadt (610 bis 650 Euro) heran (siehe auch Kasten mit den Bodenrichtwerten). In Röttgen kommt hinzu, dass der angebotene Preis für die „Hölder“-Grundstücke sogar noch unter dem festgelegten Bodenrichtwert von 530 Euro/Quadratmeter liegt. Zum Vergleich: Bei einem aktuellen Baugebiet in Beuel-Bechlinghoven (Am Herrengarten) werden 344 Euro pro Quadratmeter verlangt, alle Grundstücke sind dort verkauft.

Das Fazit insofern: Röttgen bleibt etwas für den exklusiven Geldbeutel, denn die angebotenen Preise am Hölder liegen inklusive Kanalanschluss und Erschließungsbeitrag zwischen 177.000 und 239.000 Euro – nur für das Grundstück. Da wird klar, was Peter Hawlitzky, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, in der Praxis meinte, als er bei der Vorstellung der jüngsten Zahlen sagte: „Der Bonner Immobilienmarkt ist weiterhin durch steigende Preise geprägt – bei gleichzeitig sinkenden Transaktionszahlen.“ Unbebaute Grundstücke seien 2015 im Vergleich zu 2014 erneut teurer geworden. Der Preis für baureife Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser stieg im Durchschnitt um fünf Prozent, für baureife Grundstücke für Mehrfamilienhäuser gar um acht Prozent.

Ein Grund für die schleppende Nachfrage könnten auch die strengen Auflagen an Erwerber sein: Beide Partner sollten unter 40 Jahre alt sein, mit minderjährigen Kindern im Haushalt, sie sollen die Immobilie mindestens fünf Jahre selbst nutzen und müssen zudem einen Keller bauen. Dafür gibt es als Gegenwert zum hohen Preis viele Annehmlichkeiten. In dem Neubaugebiet werden eine viergruppige Kindertagesstätte und ein Kinderspielplatz entstehen. Das Wohngebiet ist begrünt und eingerahmt vom Landschaftsschutzgebiet, nördlich der Bebauung verläuft ein acht Meter breiter Grünstreifen, südlich davon eine knapp 5800 Quadratmeter große, als Park ausgewiesene Grünfläche.

„Es überrascht mich sehr, dass die Baugrundstücke nicht weggehen“, sagt der örtliche FDP-Stadtverordnete Joachim Stamp. Der Bedarf für solche Grundstücke sei zwar da, aber sie seien zum Teil sehr klein geschnitten worden. Vielleicht liege es auch an der Vermarktung. Ohnehin sei der Preis manchmal in Röttgen utopisch, sagt er: „Mitunter werden völlig renovierungsbedürftige Häuser für 650.000 Euro aufgerufen. Und eine bezugsfertige Doppelhaushälfte ist in Röttgen nicht unter 400.000 Euro zu bekommen.“

Aus dem Umlegungsverfahren im Jahr 2013 waren insgesamt 186 Baugrundstücke am Hölder entstanden. Die Stadt Bonn hatte 52 Baugrundstücke zur Vermarktung erhalten, zwölf davon wurden zur Bebauung mit freistehenden Einfamilienhäusern ausgewiesen, 35 zur Bebauung mit Doppelhaushälften, drei zur Bebauung mit Mehrfamilienhäusern und zwei zur Errichtung der Kindertagesstätte. Insgesamt bietet das Baugebiet inklusive der Grundstücke der Montana-Bau Platz für rund 300 neue Wohnungen für rund 1000 Menschen.

Weitere Informationen gibt es unter www.bonn.de/@grundstuecke. Dort ist das aktuelle Exposé des Neubaugebietes, der Bewerbungsbogen sowie ein Informationsblatt abrufbar. Anrufe werden unter 0228/774319 werktäglich von 9 und 14 Uhr angenommen.