Angriffe und Drohungen im Stadthaus

Stadt-Mitarbeiter in Bonn klagen über rabiate Kunden

Bonn. Der Infoschalter im Bonner Stadthaus wird nach Übergriffen von Kunden auf Bedienstete verglast. Personalrat und Verwaltung arbeiten an einem Konzept für mehr Sicherheit.

Der Personalrat der Bonner Stadtverwaltung schlägt Alarm: Drei tätliche Angriffe auf städtische Mitarbeiter allein in den vergangenen zwei Wochen: „Da muss dringend etwas geschehen“, sagt Personalratsvorsitzender Christoph Busch. Der jüngste Übergriff geschah vor wenigen Tagen in den frühen Morgenstunden am Informationsschalter im Foyer des Stadthauses. Dort schieben seither Sicherheitsleute zusätzlich tagsüber Wache.

Der betroffenen Mitarbeiterin, die ihren Namen aus Angst vor dem Täter nicht in der Zeitung lesen will, sitzt der Schreck immer noch in den Knochen. „Ich bin gegen 6.50 Uhr von diesem Mann angesprochen worden, weil er eine Toilette suchte“, sagt sie dem GA. Weil das WC im Erdgeschoss noch abgeschlossen war, habe sie ihn in die erste Etage geschickt. Das habe ihm offensichtlich nicht gepasst. Der Mann habe daraufhin einen anderen Besucher geschlagen und sich dann über den Tresen gebeugt und sie mit dem Telefon, das auf dem Schreibtisch stand, traktiert. „Ich konnte dann von einem anderen Apparat die Polizei alarmieren“, sagt sie.

Die Beamten seien auch schnell vor Ort gewesen und hätten den Randalierer, offensichtlich ein Obdachloser, mitgenommen und ein Hausverbot ausgesprochen. „Er kam später trotzdem wieder und hat mir durch die Scheibe gedroht“, sagt die Frau. „Das ist überhaupt nicht hinnehmbar“, sagt Busch. Der Schalter soll alsbald, so bestätigt Personalamtsleiter Andreas Leinhaas, deckenhoch verglast werden, um die Bediensteten besser vor Angriffen abschirmen zu können.

Sachbearbeiterin mit Kugelschreiber angegriffen

Ein anderer Fall ereignete sich Busch zufolge kürzlich im Ausländeramt an der Oxfordstraße. Dort habe ein Antragsteller nach einem Kugelschreiber gegriffen, der vor ihm auf dem Schreibtisch lag, und die Sachbearbeiterin damit bedroht. Diese habe sich jedoch nicht beirren lassen und die Situation schnell wieder in den Griff bekommen können. „Es ist glücklicherweise nichts passiert. Wir wissen aber nicht, wie es in einem anderen Fall ausgehen könnte“, sagt Busch.

Deshalb fordert der Personalrat, dass das Ausländeramt alsbald mit einer Sicherheitsschleuse ausgestattet wird und dabei auch die Taschen der Besucher durchsucht werden. Busch: „Wir haben den Kolleginnen und Kollegen außerdem geraten, nichts auf dem Schreibtisch liegen zu lassen, was als Waffe dienen könnte.“ In einem anderen Fall habe ein Mann im Ausländeramt sogar mit einem Sprengstoffanschlag gedroht. Er sei umgehend in Polizeigewahrsam genommen worden.

Im Beueler Rathaus in den Räumen des Sozialamtes kam es ebenfalls in den vergangenen Wochen zu einem Zwischenfall: Dort habe ein Antragsteller eine Sachbearbeiterin mit einer Rasierklinge bedroht, so Busch. Eine Statistik über verbale und tätliche Angriffe auf städtische Mitarbeiter führe die Verwaltung noch nicht, sagt der Personalratsvorsitzende. „Gefühlt sind es aber in der letzten Zeit deutlich mehr geworden als noch vor einigen Jahren.“

Sicherheitskräfte im Einsatz

Leinhaas pflichtet Busch bei: „Die Bedrohungsszenarien in den städtischen Ämtern haben zugenommen.“ Immer öfter werde die Grenze überschritten und dem Personal Gewalt angedroht. „Glücklicherweise ist es noch zu keinen körperlichen Verletzungen gekommen, obgleich die psychischen Schäden, die unsere Beschäftigten erleiden, nicht zu unterschätzen sind“, sagt Leinhaas. Betroffen seien vor allem Dienststellen, die vorwiegend von „Menschen in prekären Lebenssituationen“ aufgesucht werden – also das Sozialamt im Beueler Rathaus und das Ausländeramt an der Oxfordstraße. In beiden Ämtern sind deshalb ohnehin schon seit geraumer Zeit Sicherheitsleute im Dienst. Zudem gebe es ein Alarm-Notrufsystem an allen Schreibtischen.

Aufgrund der beengten Situation im Ausländeramt sei der Einbau einer Eingangsschleuse aber eher schwierig, sagt Leinhaas. Möglich sei dagegen eine Überprüfung der Besucher durch Handscanner und eine verbindliche Taschenabgabe. In Beuel denkt die Verwaltung daran, die Pforte wieder zu besetzen. Derzeit arbeite das Personalamt mit dem Personalrat außerdem an Handlungsempfehlungen für die Mitarbeiter, damit diese sich besser schützen können. Dazu gehört laut Leinhaas auch ein Gewaltpräventionskonzept, das alsbald auf den Tisch kommen solle.

Seit vorigem Jahr gelangt man nur noch mit Anmeldung in das Büro von OB Ashok Sridharan in der zwölften Etage im Stadthaus. Dort ist, wie berichtet, seit dem Anschlag auf Sridharans Kölner Amtskollegin Henriette Reker der Eingang abgesperrt. Die Polizei hatte dem OB zu einem gesicherten Zugang geraten.