Fehlende Fachkräfte für Kinderbetreuung

Stadt Bonn wirbt italienische Erzieher für Kitas an

Bonn. Der Mangel an Fachkräften zwingt immer mehr Bonner Kitas in den Notbetrieb. Die Stadt Bonn will deshalb Erzieherkräfte aus Italien anwerben. Für die 43 offenen Stellen finden sich keine Bewerber.

Die Entwicklung hat sich schon lange abgezeichnet: In den Kindertagesstätten und Offenen Ganztagsschulen (OGS) können viele offene Stellen wegen fehlender Fachkräfte nicht mehr besetzt werden. Der Markt ist sozusagen leer gefegt. Die Folge: Viele Kitas müssen vor allem in Urlaubszeiten oder in Krankheitsfällen auf Notbetrieb umstellen. Für die meisten Eltern ein Desaster. Die Stadt Bonn hat deshalb ihre Fühler auch ins Ausland ausgestreckt: Sie will Erzieherkräfte aus Italien anwerben.

Den Mangel an pädagogischen Fachkräften hatten auch die Mitglieder des städtischen Unterausschusses für Jugendhilfe ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Das Thema brennt immer mehr Trägern und Familien auf den Nägeln. Sabine Lukas vom Jugendamt machte am Dienstagabend anhand von Zahlen deutlich, wie dramatisch die Lage in Bonn inzwischen ist. 35 der 70 städtischen Kitas hätten seit diesem Kindergartenjahr Notgruppen einrichten müssen, weil die Betreuung der Kinder laut Lukas nicht mehr sichergestellt werden konnte. In der vergangenen Woche seien es sieben Kitas gewesen, diese Woche mussten fünf Einrichtungen viele Eltern mit ihren Kindern wieder nach Hause schicken. „Das habe ich in meiner langjährigen Tätigkeit für die Stadt Bonn noch nie erlebt“, räumte Lukas freimütig ein. Erschwerend komme hinzu, dass es zurzeit 43 offene Stellen in den Kitas gebe, für die man kaum Bewerber finde. Ein Problem, das nicht nur Bonn, sondern alle Kommunen bundesweit treffe.

Auch die freien Kita-Träger haben mittlerweile hart zu kämpfen, schilderte deren Vertreter Holger Dehnert. „Vielfach kann die Aufsicht nicht mehr sichergestellt werden“, sagte er. Die Krux: Mit der Initiative des Bundes 2005 für den Ausbau der Kitaplätze sei versäumt worden, auch für mehr Dozenten und Ausbildungsplätze für Erzieher zu sorgen. „Dadurch ist eine regelrechte Abwärtsspirale entstanden“, sagte Dehnert. Die Belastung der Erzieher in den Kitas steige erheblich, damit auch der Krankenstand. Sina Rausch, Vorsitzende des Jugendamt-Elternbeirats, bestätigte das. In vielen Fällen würden Öffnungszeiten gekürzt, Aktivitäten abgesagt und nur noch reine Betreuung angeboten. „Das entspricht nicht dem Bildungsauftrag der Kitas.“

Jugendamtsleiter Udo Stein erklärte, die Stadt Bonn wolle jetzt auch in Italien nach Fachkräften suchen lassen. Er rechne damit, in den nächsten Jahren auf diese Weise 20 bis 30 Stellen besetzen zu können. Voraussetzung sei natürlich, dass diese Fachkräfte vorher Deutsch lernen müssten. „Die Erzieher-Fachkräfte in Italien genießen an den Universitäten eine exzellente Ausbildung, finden dort aber anschließend kaum adäquat bezahlte Stellen“, sagte Stein und hofft auf eine erfolgreiche Suche.