Kessenich und Dottendorf

Stadt Bonn will Friedhöfe schließen

Der Friedhof in Kessenich steht unter Denkmalschutz. Wenn alle Nutzungsrechte ausgelaufen sind, soll er als Grünfläche erhalten bleiben.

BONN. Wie viele Generationen der Familie Brach schon ihre letzte Ruhe auf dem Alten Kessenicher Friedhof gefunden haben, weiß Elfriede Brach-Stein nicht so genau. "Aber es sind sehr, sehr viele", sagt die 58-Jährige. Vor 15 Jahren hat Elfriede Brach-Stein ihre Mutter im Familiengrab bestatten lassen.

Ob die Kessenicher Ortsausschussvorsitzende selbst einmal dort beerdigt werden kann, ist fraglich. Die Stadtverwaltung schlägt nämlich vor, diesen und den Dottendorfer Friedhof aufzugeben. "Dann ginge aber ein Stück Kessenich verloren", sagt Brach-Stein traurig. Das Thema will sie in der nächsten Sitzung des Ortsausschusses auf die Tagesordnung setzen.

Auf dem Kessenicher Friedhof fand zuletzt 2010 eine einzige Beerdigung statt. Auf dem Dottendorfer hat die Verwaltung bereits seit Jahren keine Bestattung mehr registriert. Die Friedhöfe könnten nach Ablauf der Nutzungsrechte - in Dottendorf wäre das 2020, in Kessenich 2040 - als öffentliche Grünanlagen geführt werden. Das hätte den Vorteil, dass die Unterhaltung aus dem allgemeinen Haushalt finanziert werden könnte. Die Friedhöfe wäre dann quasi Parks. An eine Bebauung ist nicht gedacht, zumal der Kessenicher unter Denkmalschutz steht. Bereits heute ist der Vorschlag Thema im Bau- und Vergabeausschuss, wo über die Änderung der Friedhofssatzung diskutiert werden soll.

Im Dezember hatte die Verwaltung einen ersten Entwurf vorgelegt, in der von Schließungen noch keine Rede war. Stattdessen hatte sie eine drastische Gebührenerhöhung für die Bonner Friedhöfe vorgeschlagen, schließlich beträgt das Defizit bereits rund eine Million Euro. Bis zu 40 Prozent sollten die Gebühren für die verschiedenen Bestattungsarten steigen.

Der Rat kassierte den Entwurf jedoch mit der Maßgabe, die Verwaltung solle auch konkrete Sparvorschläge machen, bevor sie an der Gebührenschraube drehe. Doch auch der jetzt vorgelegte Entwurf sorgt bei den Politikern für Unmut, zumal die Verwaltung neben ihren Sparvorschlägen im Großen und Ganzen an den im Dezember vorgeschlagenen neuen Gebührensätzen festhalten will.

Das letzte Wort dazu sei noch längst nicht gesprochen, hieß es aus der schwarz-grünen Ratsmehrheit. "Wir wollen eine Gebührenordnung, die die Bonner nicht noch weiter belastet und dazu führt, dass die Bonner Friedhöfe immer weniger in Anspruch genommen werden", erklärten Willi Härling (CDU) und Karl Uckermann (Grüne). Die SPD kritisierte die Vorlage ebenfalls: "Die Schließung von Friedhöfen bringt kurzfristig doch keine Ersparnis", meinte SPD-Ratsfrau Angelika Esch.

Klaus Schneider vom Fachverband der Bonner Friedhofsgärtner ist regelrecht verärgert: "Das ist doch eine fast identische Vorlage", kritisierte er. Anstatt die Gebühren für die Bürger auf ein erträgliches Maß zu begrenzen, wolle die Verwaltung vor allem die Kosten für traditionelle Bestattungsarten wie Sarg- oder Urnenwahlgrab drastisch erhöhen und im Gegenzug die Gebühren etwa für anonyme Bestattungen deutlich senken. Das steigere letztlich weiterhin die Nachfrage nach "billigen" Grabformen und führe dazu, dass die Kosten für die traditionellen Bestattungsformen weiter nach oben kletterten.

"Wir sehen diese Entwicklung als absolut falsches Zeichen für die Erhaltung der Bonner Friedhöfe an!", sagt Schneider, obgleich er für den Vorschlag zur Schließung der Friedhöfe in Kessenich und Dottendorf sogar ein gewisses Verständnis zeigt. "Für eine Stadt in dieser Größenordnung verfügt Bonn über sehr viel Friedhofsflächen", weiß der Fachmann. Insgesamt sind es 40 Friedhöfe mit 1,2 Millionen Quadratmetern Fläche. Schon vor fünf Jahren bescheinigte ein Gutachten der Verwaltung, dass das Überangebot an Friedhofsflächen ein wirtschaftliches Problemfeld sei.