Neuer Leitfaden

Stadt Bonn will Elterntaxis ausbremsen

Staustehen vor Schulbeginn: Am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium stoppen Eltern ihre Autos und lassen mal eben ihre Kinder aussteigen.

Staustehen vor Schulbeginn: Am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium stoppen Eltern ihre Autos und lassen mal eben ihre Kinder aussteigen.

BONN. Vor vielen Schulen und Kitas herrscht morgens Verkehrschaos. Mit einem neuen Leitfaden für Hol- und Bringzonen will die Stadt Bonn Elterntaxis ausbremsen und Unfallgefahren reduzieren.

Das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Ückesdorf hat ein Problem: Morgens vor Schulbeginn ist die Verkehrslage an der Straße Am Schmelzacker „unübersichtlich“, wie es der stellvertretende Schulleiter Karl-Friedrich Rutz formuliert. Schüler kommen zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus, und erschwerend hinzu kommen jene Eltern, die ihren Nachwuchs bis vor den Eingang der Schule chauffieren. „Gerade bei schlechtem Wetter ist das keine gute Lösung“, sagt Rutz.

Die Situation bei An- und Abfahrt der Eltern-Taxis vor dem Gymnasium und die verstopften Wohnstraßen drumherum sind Gründe, warum die Schulleitung schon Kontakt mit der Stadt aufgenommen hat. Sie will sich beteiligen am Projekt „Mehr Freiraum für Kinder“.

Am Mittwochabend hat die Stadt den von ihr ausgearbeiteten Leitfaden zur Einrichtung von Hol- und Bringzonen an Bonner Schulen vorgestellt. Er soll Lehrern und Eltern ein Ratgeber sein, um Parkzonen in einigen Hundert Metern Abstand zur Schule einzurichten, und beinhaltet Hinweise, wie Schulwegpläne aufgestellt, Arbeitsgruppen eingerichtet und gemeinsam mit Verwaltung und Polizei Treffen für geeignete Orte organisiert werden können. Für die vom Land geförderte Kampagne bewarb sich die Stadt 2015. Der damalige NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hatte die Vorzüge auch für die Selbstständigkeit der Schüler hervorgehoben. Vor Unterrichtsbeginn einige Schritte zu Fuß zurückzulegen, tue den Kindern gut.

An der Endenicher Allee wird auf dem Radweg geparkt

Da der Leitfaden frisch aufgelegt ist, kann die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie groß in Bonn das Interesse sein wird. Aber es spricht doch einiges dafür, dass es nicht nur am Ückesdorfer Gymnasium Probleme gibt. Gabriele Heix vom ADFC Bonn/Rhein-Sieg beteiligte sich in der Arbeitsgruppe, die den Leitfaden ausgearbeitet hat. „Als Nachbar des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums bin ich schon häufiger Zeuge von gefährlichen Situationen gewesen“, erklärt Heix. Viele Eltern ließen ihre Kinder auf der Endenicher Allee in der Weststadt aussteigen und parkten währenddessen verbotenerweise den Radweg zu. Die Radler müssten mithin auf die Straße ausweichen.

Nicht nur für diese Verkehrsteilnehmer tun sich auf dem Schulweg Gefahren auf. Der ADAC hat im vergangenen Jahr die Ergebnisse einer bundesweiten Studie veröffentlicht. Das Ergebnis: Nicht schlechte Wege führen zum Einsatz von Eltern-Taxis, sondern „Eltern, die ihre Kinder aus Angst vor Unfällen und Übergriffen, aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit mit dem Auto direkt vor das Schultor fahren“. Der ADAC schlussfolgerte aus den Unfallzahlen mit Schulkindern, die statistisch besonders häufig vor Schulen verunglücken, dass die Eltern mit der Fahrt bis vor das Schultor genau das Gegenteil erreichten.

Die Bonner Polizei erfasst Unfallzahlen vor oder rund um Schulen nicht gesondert. „Allerdings beschreiben sowohl Verkehrsexperten als auch Eltern, dass es durchaus zu gefährlichen Situationen kommt“, sagt Polizeisprecher Robert Scholten. An der Erich-Kästner-Grundschule in Kessenich haben genau solche Situationen die Eltern auf den Plan gerufen. Gemeinsam mit der Polizei setzen sie seit fünf Jahren ein gemeinsam erarbeitetes Konzept um. „Das klappt sehr gut“, sagt Matthias Willeke. Als Vater erklärt er den Eltern der Erstklässler den Sinn und Zweck der vereinbarten Regeln. Letztlich wird dort die Hol- und Bringzone bereits praktiziert. Eltern, die mit dem Auto kommen, können ihre Kinder etwa 100 Meter vor der Schule an Haltestellen in den Straßen Hermann-Milde- und Karl-Barth-Straße abliefern. „Auch für die anderen Verkehrsteilnehmer ist das eine Verbesserung“, findet Scholten.

ADFC und VCD sprechen sich für Parkzonen im Umkreis aus

Sowohl der ADFC als auch der Verkehrsclub VCD unterstützen im Grundsatz die Einrichtung dieser Parkzonen im Umkreis der Schulen. „Lieber wäre uns allerdings, wenn die Kinder den Weg mit dem Nahverkehr, dem Rad oder zu Fuß zurücklegten“, erklärte der Bonner VCD-Vorsitzende Rainer Bohnet. Mit Blick auf die Selbstständigkeit der Schüler teilt auch Heix diese Aussage. Der ADFC sucht seit gut einem Jahr Schulen mit einem mobilen Parcours auf, um auf dem Schulhof Radtraining zu ermöglichen. Heix und Bohnet raten Eltern, möglichst früh mit ihren Kindern den Schulweg gemeinsam abzufahren, um Routine aufzubauen.

Der Leitfaden ist unter bonn.de zu finden.