Jugend und Alkohol an Karneval

Stadt Bonn fordert: Kein Bier für Jugendliche

Alkohol und Jugendliche - Bonn will dagegen präventiv vorgehen FOTO: ROLAND KOHLS

Alkohol und Jugendliche - Bonn will dagegen präventiv vorgehen FOTO: ROLAND KOHLS

Bonn. Die Stadt Bonn und die Polizei appellieren an Geschäfte, jungen Leuten kein Bier, keinen Wein und Schnaps zu verkaufen. Die Suchthilfe führt Gespräche mit Eltern von stark alkoholisierten Kindern und Jugendlichen.

Weiberfastnacht rückt näher und damit eine Zeit, in der Polizei, Stadt und der „Bonner Event Sprinter“ besonders viel zu tun haben – im Kampf gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen. Auch wenn Bonn laut Norbert Tannert von der Polizeiwache Innenstadt diesbezüglich ein vergleichsweise ruhiges Pflaster ist, legt man nicht die Hände in den Schoß.

Die Bemühungen im Vorfeld und während der Karnevalstage stellten die Beteiligten am Dienstag im Stadthaus vor – als Drei-Säulen-Modell „Prävention, Kontrolle und Angebot“. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts überprüfen vorab, ob Geschäfte, Kioske und Tankstellen mit Schildern darauf hinweisen, dass kein Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft wird.

„Zudem appellieren wir an das Verantwortungsgefühl der Geschäftsleute“, sagte Carsten Sperling, Abteilungsleiter Ordnungswidrigkeiten im Stadtordnungsdienst: Sie sollten nicht nur an ihre Einnahmen denken. Daneben sollten auch Eltern mit ihren Kindern über Alkoholkonsum sprechen. Karneval sei kein Freifahrtschein, um über die Stränge zu schlagen.

Alkohol gegen Wasser und warmes Essen

Ganz praktische Prävention an den Karnevalstagen bietet die ambulante Suchthilfe „Update“ von Caritasverband und Diakonischem Werk. Schon zum 13. Mal bietet die Einrichtung vor Ort den „Event Sprinter“ an, an dem Jugendliche Ansprechpartner und Hilfe bei Unterkühlung finden, ihren Promillewert testen und Alkohol gegen Wasser und warmes Essen eintauschen können.

2018 wurden dort 54 Liter Alkohol und 95 Zigaretten abgegeben, das Angebot wird also genutzt – aber eine warme Mahlzeit kann man auch ohne Tausch erhalten. „Wir sind keine Spaßbremse, sondern begleiten Jugendliche so, dass sie am Abend wieder heile nach Hause kommen“, sagte Einrichtungsleiterin Marion Ammelung.

Dafür steht der Sprinter an Weiberfastnacht am Beueler Rheinufer und Rosenmontag in der Heerstraße in Höhe Marienschule sowie am Karnevalswochenende bei den Zügen in Tannenbusch und Ippendorf. Ganz verhindern können sie nicht, dass Jugendliche mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen.

Mit ihnen führen Update-Mitarbeiter am nächsten Tag klärende Gespräche in Gegenwart der Eltern. Die Polizei kontrolliert Jugendliche, „die sich extrem alkoholisiert bewegen“, sagte Tannert, aber auch Autofahrer. Nach wie vor ziehe man immer wieder alkoholisierte Fahrer aus dem Verkehr.

Das Jugendamt lädt an Weiberfastnacht wieder ins Festzelt auf dem Münsterplatz ein: Dort wird die After-School-Party für 14- bis 17-Jährige organisiert, die in vergangenen Jahren stets rund 1000 Jugendliche anlockte, so Abteilungsleiter Peter Bröxkes. Sie können dort alkohol- und rauchfrei feiern. Die von Haribo gesponserte Party beginnt um 13 Uhr, für den Eintritt von drei Euro erhalten Jugendliche auch Getränkebons.