Gutachter legen Sparszenarien vor

Sridharan schlägt Neubau der Oper in Bonn vor

Die Oper in Bonn.

Die Oper in Bonn.

Bonn. Instandsetzung aller Theaterhäuser oder ein neues Operngebäude am alten Standort? Über diese beiden Varianten sollen die Bonner nach dem Willen der Stadt mitentscheiden. Stimmen Sie ab: Welche Variante bevorzugen Sie?

Oberbürgermeister Ashok Sridharan schlägt einen Neubau des Opernhauses als mögliche Alternative zur Instandsetzung vor. Repräsentativ ausgewählte Bonner sollen in einem Bürgerbeteiligungsverfahren in die Entscheidung eingebunden werden, wie das Presseamt am Mittwoch mitteilte.

Die Stadtverwaltung hält zwei von Gutachtern vorgeschlagene Szenarien für realisierbar. Entweder eine Instandsetzung der Oper, des Schauspiels und der Theaterwerkstätten in Beuel für zusammen rund 130 Millionen Euro, wobei bereits die Kosten für eine Interimsspielstätte aus Holz berücksichtigt wären. Oder einen Abriss der Oper und einen Neubau als Einspartenhaus am bisherigen Standort, verbunden mit der Instandsetzung der Häuser in Bad Godesberg und Beuel. Das würde laut Stadt zusammen mit der Interimsspielstätte etwa 161 Millionen Euro kosten.

Ein Opernneubau würde Räume für Bildungsarbeit ermöglichen, so die Stadtverwaltung. Außerdem könnte die Oper dann auch tagsüber für Besucher geöffnet werden. Das alte Gebäude an der Kennedybrücke stammt aus dem Jahr 1965; der Versuch, es unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterte vor wenigen Wochen am Votum des LVR-Amtes für Denkmalpflege.

Vier weitere Szenarien, die das Fachbüro Actori im Auftrag der Kommune entwickelt hatte, sind aus Sicht der Stadtverwaltung nicht umsetzbar – darunter auch ein neues Zweispartenhaus auf dem Grundstück der denkmalgeschützten Stadthalle Godesberg. Eine Instandsetzung bei laufendem Betrieb, die ursprünglich von der Verwaltung vorgeschlagen war, hält sie nun für zu riskant. Gegen einen Neubau auf dem Parkplatz der Beethovenhalle wiederum sprächen Denkmalschutz und Urheberrechte.

(Es handelt sich hierbei um keine repräsentative Umfrage.)

 

Den Vorschlag zur Bürgerbeteiligung will die Verwaltung dem Rat in der Dezembersitzung vorlegen. Die Hinweise der Bonner sollen am Ende sogenannte Planungszellen zu einem Bürgergutachten verdichten. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Theatergebäude soll spätestens im Herbst nächsten Jahres fallen.

Sridharan und der scheidende Kulturdezernent Martin Schumacher stellten am Mittwoch außerdem eine Actori-Untersuchung zu Einsparmöglichkeiten im Bonner Kulturetat vor, der bei 60 Millionen Euro im Jahr liegt (davon rund 30 Millionen für Oper und Schauspiel). Die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP hatte eine Einsparvorgabe von 3,5 Millionen Euro ab dem Jahr 2023 gemacht. Die Gutachter nennen dazu fünf Varianten, die auch die Aufgabe des Beethovenfestes oder das Aus für die Schauspielsparte umfassen (siehe „Actoris Sparszenarien“). Sridharan betonte allerdings, dass für ihn persönlich keines der Szenarien vorstellbar sei. „Jedes davon wäre ein fundamentaler Einschnitt in die Bonner Kulturszene“, sagte der Oberbürgermeister. Das passe nicht zum Ziel, die Stadt in den nächsten Jahren als deutsches Zentrum der Beethovenpflege zu profilieren. Sridharan erinnerte daran, dass das städtische Theater seit dem Wegfall der Hauptstadtförderung seit 2003 schon 17 Millionen Euro eingespart habe, davon 3,8 Millionen in der Amtszeit des Generalintendanten Bernhard Helmich. Auch die geplante Kürzung der Stellenzahl im Beethoven Orchester von 106 auf 100 werde künftig den Etat entlasten. Umgesetzt ist die 2015 beschlossene Verkleinerung des Orchesters allerdings noch nicht. Kleinere Optimierungsmaßnahmen beim Orchester, im Theater und im Kunstmuseum könnten laut Actori rund 840 000 Euro im Jahr bringen.

„Die Einsparmöglichkeiten sind in allen Bereichen ausgereizt“, unterstrich Kulturdezernent Schumacher. Kürzungen bei Oper, Schauspiel und Orchester würden zudem Fördergelder des Landes NRW gefährden. Das Kulturministerium erhöht den Zuschuss für beide Bereiche von 1,6 auf 3,4 Millionen Euro im Jahr. Bedingung laut Schumacher: Die Stadt darf ihre eigenen Zuschüsse nicht entsprechend reduzieren. Bonn verhandele in Düsseldorf zudem über eine dauerhafte Förderung des Beethovenfestes durch Land und Bund. Mit der Kulturoffensive der schwarz-gelben Landesregierung will Sridharan auch gegenüber der Bezirksregierung Köln argumentieren: Die Kommunalaufsicht ermahnt Bonn seit Jahren, die Kulturausgaben zu senken. „Die kulturpolitische Neuausrichtung sollte sich auch in den nachgeordneten Behörden auswirken“, hofft der Oberbürgermeister.

Anders als bei den Kulturgebäuden schlägt die Stadt zum Sparthema keine Bürgerbeteiligung vor. „Die Verwaltung muss aus dem Actori-Gutachten ja erst Vorschläge entwickeln, bevor wir eine Bürgerbeteiligung erwägen“, erklärte Sridharan. Die Vorschläge sollen bei den nächsten Haushaltsberatungen auf den Tisch kommen – nach der Kommunalwahl 2020.