Bäderdebatte in Bonn

Sportler haben eine Vision vom "Wasserlandbad"

Rein ins Wasser und dann los: Damit die Bonner wieder mehr Spaß am Schwimmen haben, ist der Neubau eines Bades im Gespräch. Wenn es steht, sollen zwei alte Hallenbäder geschlossen werden.

Rein ins Wasser und dann los: Damit die Bonner wieder mehr Spaß am Schwimmen haben, ist der Neubau eines Bades im Gespräch. Wenn es steht, sollen zwei alte Hallenbäder geschlossen werden.

20.02.2016 Bonn. Ist das die Lösung für eine Bonner Bäderlandschaft der Zukunft? Auf dem Tisch liegt jetzt ein Vorschlag, wie man das leidige Thema Schwimmbäder anpacken kann, der sowohl der Stadt eine finanzielle Entlastung bringt, als auch die Qualität des Schwimmens in Bonn verbessert.

Die Idee ausgedacht haben sich der Stadtsportbund (SSB), der Stadtschwimmverband und die IG Freizeitschwimmer - also die Fördervereine der Freibäder. Sie läuft daraus hinauf, ein neues Hallenbad zu bauen und dann zwei alte zu schließen, nämlich das Frankenbad und das Kurfürstenbad. Die Freibäder blieben unangetastet.

Allerdings, und das ist ein weiterer Unterschied zum Konzept der Stadt: Es würde kein Kombibad gebaut, sondern nur ein Hallenbad ohne Freibadteil. Und der Standort dafür wäre auch nicht die rechtsrheinische Rheinaue, sondern die linksrheinische Seite, weil dort vier Fünftel der Bonner Bürger wohnen. Genauer gesagt, ein unbebautes Areal nördlich des Heizkraftwerks (HKW) Süd, auf dem sich derzeit das Kleinspielfeld des SC Fortuna Bonn sowie Brachland befinden. Die Flächen gehören der Stadt und den Stadtwerken, man müsste kein teures Grundstück kaufen, wie es etwa beim Miesen-Gelände im Süden des HKW der Fall wäre.

Der Clou daran: Man bräuchte nicht nur weniger Platz als für ein Kombibad - reichen würden 20.000 Quadratmeter -, sondern könnte die Betriebskosten dieses "Wasserlandbads" auch deutlich minimieren. Achim Dehnen, Finanzchef des Stadtsportbunds: "Wenn das neue Hallenbad neben dem Heizkraftwerk steht, kann man die Becken direkt von dort aus günstig und über kurze Wege beheizen."  Und bei späterer Schließung der beiden alten Hallenbäder würden auch die Personalkosten der Stadt sinken.

Außerdem gäbe es der Idee zufolge weitere Vorteile: Gleich nebenan, an den Bahnschienen, entsteht bald die Bahnhaltestelle "UN Campus", so dass auch aus Bad Godesberg die Wege kurz wären. Autofahrer könnten das Parkhaus hinter der Museumsmeile nutzen. Und für die Vereine im Wasserland könnten sich Synergien ergeben, durch einen "Sportpark Süd".

Dehnen erläutert die Grundidee: "Wir wollten als Sport sowohl eine Kostensenkung für die Stadtfinanzen erreichen als auch eine Zustimmung der Nutzer bekommen, indem die Qualität erhöht wird." So beschreibt er die eigentlich unmögliche Aufgabe, mit der man sich in mehreren Treffen beschäftigt hat. Kurzum: Billiger und besser werden. Dazu konzentrierte man sich bei der Betrachtung auf die Hallenbäder, die für die Stadt teurer im Betrieb sind als die Freibäder und überdies sanierungsbedürftiger.

Die weiteren Details: Das neue Hallenbad würde ein Bürgerbad für Schul-, Vereins- und öffentliches Schwimmen, aber kein Spaßbad. Es wäre für Schulschwimmen innerhalb von 15 Minuten auch aus Bad Godesberg erreichbar und böte eine ausgewogene Hallenbadversorgung an drei Standorten, verteilt über die ganze Stadt (Hardtbergbad, Beueler Bütt und der Neubau im Süden). Dehnen: "Dann gäbe es auch keine Verlierer bei der Sache."

Das Konzept liegt dem Sport- und Bäderamt seit Kurzem vor, auch in politischen Kreisen existieren schon Exemplare. Der SSB wollte es ursprünglich am nächsten Freitag im Projektbeirat Bäder präsentieren, doch die Sitzung wurde kurzfristig abgesagt. Obwohl die Idee jetzt ein wenig in der Luft hängt, sieht Dehnen gute Chancen: "Wir würden uns freuen, wenn wir mit diesem Konzept aus Sportkreisen einen Schulterschluss aller Beteiligten erzeugen und die Bäderthematik in Bonn schnell lösen könnten."

Als Zeithorizont schweben ihm vier bis fünf Jahre bis zur Realisierung vor. Und dann, aber erst dann dürfe die Schließung von Frankenbad und Kurfürstenbad umgesetzt werden. Was die Kosten des Neubaus angeht, könnte es grob geschätzt auf 15 bis 20 Millionen Euro hinauslaufen. Immer noch besser, als viele Millionen in die Sanierung uralter Hallenbäder zu stecken, ohne dass es später jemand bemerkt, finden die Vertreter der Schwimmgemeinde.

Und noch ein Aspekt käme hinzu: Im Haushalt der Stadt sind 30 Millionen Euro zur Umsetzung des Bäderkonzepts vorgesehen. Verzichte man auf den Freibadteil im geplanten Kombibad, spare man Geld, das man für die Sanierung der übrigen Bäder einsetzen könne. (Rolf Kleinfeld)