Stadt erhöht Preise Sporthallen-Nutzung in Bonn verteuert sich deutlich

Duisdorf/Röttgen/Dransdorf. Die Stadt hat zahlreiche Ortsvereine mit saftigen Preiserhöhungen für die Nutzung von Sporthallen schockiert. In Röttgen fiel die Rechnung für die Hallennutzung an Weiberfastnacht so hoch aus, dass der Festausschuss die Sitzung 2019 abgesagt hat.

Als Waltraud Muszynski Mitte Juli einen Brief der Stadt Bonn bekam, fiel ihr die Kinnlade runter. In dem Schreiben wurde der Präsidentin des Damenkomitees Blau-Weiß Duisdorf mitgeteilt, dass die Miete für die Sporthalle an der Schmittstraße um gut das Vierfache steigen wird – von bisher 350 Euro auf 1500 Euro. In der Halle richtet der Verein an Weiberfastnacht immer eine Karnevalssitzung für mehr als 400 Jecken aus.

„Ich war schon sehr erstaunt“, sagte Muszynski dem GA. Mit dieser Mieterhöhung hatte sie nicht gerechnet. Und sie stellt auch klar: „Wir akzeptieren das nicht.“ Über Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand hat sie sich an das Städtische Gebäudemanagement gewandt, denn: „Die Mieterhöhung stellt uns vor enorme Schwierigkeiten. Schließlich müssen wir ja auch noch die GEMA und die Künstler bezahlen.“

Das ist kein Einzelfall. In Röttgen bekam der dortige Festausschuss eine städtische Rechnung für die Nutzung der Turnhalle der Schlossbachschule an Weiberfastnacht, wo an diesem Tag ebenfalls traditionell die Weibersitzung stattfindet. „Wir mussten 770 Euro bezahlen, bisher hatten wir die Turnhalle immer kostenlos bekommen“, berichtet Stefan Zimmermann vom Festausschuss-Vorstand.

Die Konsequenz: Die Sitzung in Röttgen wird 2019 nicht stattfinden, beschloss der Festausschuss. „Das war trotz des Eintrittspreises von 15 Euro unsere defizitärste Veranstaltung“, so Zimmermann. Bei meistens um die 100 Besucher sei die Sitzung nicht mehr zu rechnen gewesen. „Und schließlich ist der Festausschuss ja auch kein Karnevalsverein im eigentlichen Sinne.“ Ob die Sitzung nach einem Jahr Pause wieder reaktiviert wird, werde man dann sehen, so Zimmermann.

Lengsdorf außen vor

Auch in Dransdorf ist Frust angesagt. Beim Dorffest, das in zwei Wochen, am 1./2. September, vor der Dransdorfer Burg stattfindet, wird bei schlechtem Wetter die Turnhalle der Kettelerschule als Ausweichquartier vorgehalten, damit die Besucher nicht im Regen stehen. „Für die Fläche musste ich schon letztes Jahr zahlen“, berichtet Wilfried Klein, Vorsitzender des Ortsausschusses. Jetzt hat die Stadt aber die Kosten für die Halle massiv hochgesetzt. Angeblich sei das die gleiche Grundlage wie im letzten Jahr. „Statt 196 zahle ich jetzt 506 Euro“, sagt Klein und meint: „Für die gleiche Leistung 150 Prozent mehr bezahlen, das treibt einem als Ehrenamtler die Tränen in die Augen.“

Von einer Absage der Sitzung wie in Röttgen ist Duisdorf noch weit entfernt, außerdem sind dort die Künstler für 2019 längst gebucht. Auch an den Eintrittspreisen wird vorerst nicht gedreht. „Der Kartenpreis bleibt 2019 bei 18 Euro“, sagte Muszynski dem GA. Bleibe die Stadt bei ihrer Forderung, werde man allerdings den Eintritt um zwei Euro erhöhen müssen. Und dann müsse man sehen, wie die Besucher das annehmen. Im schlimmsten Fall habe die Sitzung keine Zukunft mehr.

Die Sporthalle in der Schmittstraße ist zur Zeit ohnehin nicht nutzbar, sie wird generalsaniert und ist seit 9. Juli gesperrt. Der alte PVC-Boden und die Deckenbeleuchtung werden erneuert, zudem bekommt die Halle einen Prallschutz an den Wänden und eine Multimedia-Anlage. Bei der Auswahl des Hallenbodens hatte die Stadt übrigens die Wünsche der Nutzer berücksichtigt, egal ob Sport- oder Karnevalsverein. Im nächsten Jahr soll die Sanierung der Toiletten folgen.

Nicht betroffen in Sachen Hallenmiete ist man dagegen in Lengsdorf. „Wir haben das Bürger- und Vereinshaus und sind darüber sehr froh“, sagt Christoph Schada, Vorsitzender des Ortsfestausschusses. Über den Trägerverein seien die Mieten des Saals preiswerter als bei der Stadt. Die Kreuzberghalle werde für Veranstaltungen inzwischen so gut wie nicht mehr genutzt.

Die Stadt Bonn konnte am Donnerstag nicht sagen, wie und warum es zu den Mieterhöhungen für die Vereine und Veranstaltungen kommt. „Wir können das in der Kürze der Zeit leider nicht aufklären“, sagte eine Sprecherin des Bonner Presseamtes am Abend auf eine entsprechende Anfrage des GA.

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