Kommentar zu Rahmenplan für Regierungsviertel

Spielräume nutzen

Die Bauarbeiten an dem 18-stöckigen Neubau auf dem UN-Campus neben dem Langen Eugen sind in vollem Gange. 330 Mitarbeiter des UN-Klimasekretariats sollen dort ab 2020 einziehen.

Die Bauarbeiten an dem 18-stöckigen Neubau auf dem UN-Campus neben dem Langen Eugen sind in vollem Gange. 330 Mitarbeiter des UN-Klimasekretariats sollen dort ab 2020 einziehen.

Bonn. Es liegt ein erster Vorschlag auf dem Tisch, wie die Zukunft des ehemaligen Regierungsviertels aussehen könnte. Erarbeitet hat ihn das Unternehmen Cityförster aus Hannover.

Bei der Entwicklung einer Stadt hängt vielleicht nicht alles mit allem zusammen, aber doch vieles mit vielem. Mit dem Rahmenplan für das ehemalige Bundesviertel liegt nun ein erster Vorschlag vor, wo die Reise hingehen könnte. Das Modell dient als Diskussionsgrundlage. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Flankiert von Einwürfen aus Bürgerschaft, Unternehmertum und Kommunalpolitik, erarbeitet das beauftragte Büro Cityförster bis 2019 eine detailliertere Planung. Und selbst das dann vorliegende Ergebnis ist in erster Linie ein Orientierungspunkt für Bauleitverfahren. Letztlich entscheiden Investoren, welche Projekte sich für sie lohnen.

Die Stadt hat aber Spielräume, und mit einer fertigen Rahmenplanung stünde ihr ein sinnvoller Instrumentenkoffer zur Verfügung, auch um den öffentlichen Raum zu gestalten. Oder mit dem Bau einer Seilbahn, Verbesserungen von Bahn- und Busverbindungen sowie Rad- und Fußwegen gute Voraussetzungen für ein wachsendes Viertel zu schaffen. „Wir wollen wachsen“, sagte OB Ashok Sridharan bei der Vorstellung der Rahmenplanung. Wer diesem Satz widersprechen will, dem sollte klar sein, wohin das führt.

Alle Bemühungen der Stadt, Arbeitsplätze zu schaffen, Wohnraum auszuweisen und Investoren bei Sozialwohnungen in die Pflicht zu nehmen, dienen auch dem Zweck, das Mieten und Kaufen von Immobilien erschwinglich zu halten. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit dem Rhein-Sieg-Kreis bei der Entwicklung von Gewerbeflächen so wichtig, um nicht nur Akademikern Jobs anbieten zu können. Für ein Gewerbeflächenkonzept hatte ein Gutachter die Erosion von Gewerbeflächen in der Stadt bereits festgestellt. Die interkommunale Kooperation beim Gewerbe darf aber nicht dazu führen, dass dieser Negativtrend einfach hingenommen wird.

Eine Stadt sollte homogen wachsen, eben weil vieles mit vielem zusammenhängt. Mobilität und Verkehr bleiben ein Dauerthema. Und nichts weist darauf hin, dass die Stadt als Arbeits- und Wohnschwerpunkt unattraktiver wird. Im Gegenteil.