Sprengung am Sonntag

Sperrzonen rund um die B9

Bonn. Um 11 Uhr soll der Countdown starten: Das Bonn-Center wird am 19. März gesprengt. Dazu wird das Areal weiträumig abgesperrt. Wo die Sperrzonen eingerichtet werden und was Sie noch zur Sprengung wissen müssen.

Am Sonntag, 19. März, ist es soweit: Nach monatelangen Abbrucharbeiten wird das Bonn-Center gesprengt. Auf dem gut 16.000 Quadratmeter großen Areal plant der Kölner Eigentümer Art-Invest Real Estate einen großen Bürokomplex mit mehr als 60.000 Quadratmetern Nutzfläche.

Bis zu 10.000 Schaulustige erwartet Sprengmeister Eduard Reisch, wenn er das bis dahin komplett entkernte Bonn-Center sprengen wird.  Sie werden das Spektakel allerdings nur weit weg aus sicherer Entfernung beobachten können. Denn das Areal rund um das Bonn-Center wird weiträumig abgesperrt. Die Stadt Bonn informierte am Montagmittag mit der Polizei, Feuerwehr, dem Investor Art-Invest sowie dem Abbruchunternehmen und Reisch über alle Einzelheiten der Sprengung, die selbst  nur wenige Sekunden dauern wird und für etwa 11 Uhr geplant ist.

„Die Sprengung ist sozusagen generalstabsmäßig geplant“, sagte Reisch, der wie alle Beteiligten „die gute Zusammenarbeit“ lobte. Unter anderem werden 1500 Löcher in den entkernten Gebäudekomplex gebohrt, die anschließend mit rund 250 Kilo Sprengstoff verfüllt werden. Um die umliegende Bebauung weitestgehend schützen zu können, wird das Bonn-Center mit bis zu 1000 Kilogramm schweren Gummimatten abgehängt, erklärte Reisch. Ziel ist es, dass das Gebäude „vertikal“ in sich zusammenfällt.

Vor der Sprengung ertönen sogenannte Sprengsignale, daran schließt sich ein Countdown von 10 bis 0 an. Nach etwa 15 Minuten, wenn die Sprengung erfolgt ist, geben erneut Signaltöne Entwarnung. Reisch, seit 30 Jahren als Sprengmeister unterwegs, hat unter anderem vor drei Jahren den 116 Meter hohen Universitätsturm in Frankfurt gesprengt. Damals wohnten rund 30.000 Schaulustige dem Ereignis bei. „Außer ein paar Fensterscheiben, die zu Bruch gegangen sind, hat es bisher immer gut geklappt“, antwortete er auf die Frage, ob denn schon einmal bei ihm etwas schiefgelaufen sei.

Aufenthalt in den Sperrzonen ist strengstens untersagt

Für das Ordnungsamt der Stadt Bonn, Feuerwehr,  Polizei und Technische Hilfswerk ist höchste Sicherheitsstufe angesagt: Sie werden insgesamt mit weit über 100 Einsatzkräften die Sprengung vor Ort begleiten, sagte Bürgeramtschef Günter Dick. Bereits ab 8 Uhr ist das Areal rund um das Bonn-Center in einem Radius von 200 Metern komplett gesperrt. Der Grund für die zweite Sperrzone: Eine Gefährdung durch Streuflug, durch Staubabwicklung und auch durch Splitter oder Querschläger der Sprengung könne nicht ausgeschlossen werden.

Im Radius  bis zu 100 Metern, in dem sieben Wohnhäuser liegen, ist der Aufenthalt von Personen strikt untersagt. Die Bewohner müssen die Häuser räumen und dürfen erst nach Abschluss der Sprengung zurückkehren. „Wir werden vor der Sprengung jedes Haus einzeln begehen und prüfen, ob es auch wirklich geräumt ist“, versicherte Dick.  Im Radius zwischen 100 und 200 Metern dürfen die Bewohner der dortigen 79 Wohnhäuser zwar in den eigenen vier Wänden bleiben, sie müssen sich aber Reisch zufolge in Räumen aufhalten, die von der Sprengstelle abgewandt sind und sämtliche Fenster verschlossen halten. Der Aufenthalt im Freien, auf Balkonen oder in Gärten ist nicht erlaubt.

Noch im Laufe der Pressekonferenz teilte ein Mitarbeiter des Abbruchunternehmens mit, das soeben das Umweltamt und die Bezirksregierung die ordnungsgemäße Schadstoffsanierung des Komplexes bescheinigt hätten. Damit ist auch die letzte Hürde zur Sprengung beseitigt. Es sei denn, am Tag selber herrschen Nebel oder Schneetreiben. Dann wird die Sprengung um eine Woche verschoben.

Über die Kosten der Sprengung inklusive der Kosten für die Einsatzkräfte schwieg sich Thomas Leise von Art-Invest  aus. Ebenso, was konkret anstelle des 1969 eingeweihten Bonn-Centers geplant ist. Wie berichtet, soll nach dem Bebauungsplan dort wieder der Bau eines Gebäudeensemble ermöglicht werden, das aber mit etwa 60.000 bis 70.000 Quadratmetern doppelt so viel Nutzfläche wie bisher haben darf. Auch darf ein Gebäudeteil bis zu 100 Metern hoch werden. Der bisherige Turm, auf dem sich bis vor kurzem der Mercedes-Stern drehte, misst 60 Meter.     

 

1 Welcher Bereich ist genau betroffen?

(Rot: Sperrzone 1, Blau: Sperrzone 2, gesperrte Straßen)

 

In dem betroffenen Zeitraum in der Sperrzone 1 müssen nicht nur die Fenster geschlossen bleiben, sondern auch Klimaanlagen und Rollläden abgestellt beziehungsweise geschlossen werden.

Betroffen von dieser Regelung (Sperrzone 1) sind folgende Grundstücke und Gebäude:

  • Straßburger Weg, Hausnummern 23 und 24
  • Straßburger Weg, Garagenanlage zwischen Hausnummer 16 und 24
  • Eduard-Pflüger-Straße, Hausnummern 39, 41, 42, 44 und 46
  • Kleingartengelände Im Schittforst (Teilfläche)

In der Sperrzone 2 mit einem Radius bis zu 200 Metern dürfen sich ab 8 Uhr ebenfalls keine Personen mehr draußen aufhalten. Das Verbot schließt auch Balkone, Dachterrassen, Garagen, Gartenlauben, Gartenhütten und sonstige Außenanlagen ein. Die Anwohner können zwar in ihren Gebäuden bleiben, allerdings nicht in den Räumen, die der Sprengstelle zugewandt sind, so die Stadt. In Notfällen können Betroffene Kontakt mit dem Ordnungsdienst der Stadt unter der Telefonnummer 0228 - 77 33 33 oder auch mit der Polizei oder der Feuerwehr aufnehmen.

Betroffen von dieser Regelung (Sperrzone 2) sind folgende Grundstücke und Gebäude:

  • Straßburger Weg, Hausnummern 25, 26 und 27
  • Pflüger-Straße, Hausnummern 48, 50, 52 und 54
  • Eduard-Pflüger-Straße, Hausnummern 43, 45, 47 und 49
  • Coburger Straße, Hausnummern 2, 4, 6, 8, 10, 14, 16 und 18
  • Coburger Straße, Hausnummern 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 17, 19, 21,23, 25 und 27
  • Willy-Brandt-Allee, Hausnummern 4, 6, 8, 10 und 12
  • Reuterstraße, Hausnummern 231, 233, 235, 237, 239 und 241
  • Buschstraße, Hausnummern 67, 69, 71, 79, 81, 83, und 85
  • Buschstraße, Hausnummern 62, 64 und 66
  • Adenauerallee, Hausnummern 180, 182, 208, 210, 212 und 214
  • Adenauerallee, Grundstück zwischen Hausnummer 182 und 208
  • Bundeskanzlerplatz, Hausnummer 1
  • Lahnweg, Hausnummern 5, 7, 9 und 11
  • Kleingartengelände im Schittforst, Am Bonner Weg
  • Albert-Fischer-Straße, Hausnummern 1, 3, 5, 7, 9 und 11
  • Gerhard-Samuel-Straße, Hausnummern 1 und 3 
  • Gerhard-Samuel-Straße, Hausnummern 2, 4, 6, 8, 10, 12 und 14

Auch hier gilt: Fenster müssen wegen eventueller Staubentwicklung geschlossen bleiben und Klimaanlagen abgestellt werden. Auch Rolläden müssen auf der der Sprengseite zugewandten Seite geschlossen werden.

2 Wann werden die Sperrzonen aufgehoben?

Eine genaue Uhrzeit steht noch nicht fest. Die Einsatzkräfte an den Absperrungen sowie die Einsatzleitung werden den Abschluss der Sprengung und die Aufhebung der Sperrzonen dann aber entsprechend bekanntgeben.

 

3 Weitere Einschränkungen

Auch für Autofahrer ist das Gebiet weiträumig abgesperrt: Eine Umleitungsempfehlung gibt die Stadt nicht, sie weist lediglich auf die Umfahrung unter anderem über die Stadtteile Südstadt und Kessenich hin. Das gilt für den Zeitraum ab 8 Uhr bis etwa 13 Uhr auch für die Buslinien. Bis Mittag sollen die umliegenden Straßen vom durch die Sprengung erzeugten Staub wieder gereinigt worden sein. Die Feuerwehr wird allerdings mit bis zu zehn Kubikmeter Wasser pro Minute eine zehn bis zwölf Meter hohe Nebelwand errichten, um die bei der Sprengung entstehende Staubwolke möglichst einzudämmen. „Das müssen Sie sich wie bei der Klangwelle vorstellen“, erklärte Frank Linnarz, Einsatzleiter bei der Feuerwehr.  Die U-Bahn und die DB seien davon nicht tangiert und müssen deshalb lediglich während des Sprengvorgangs etwa 15 Minuten lang einen Stopp einlegen.

4 Wo kann die Sprengung beobachtet werden?

Für Zuschauer wird es keine ausgewiesenen Plätze geben. Das gab die Stadt Bonn am Montag auf einer Pressekonferenz bekannt. "Das Beobachten der Sprengung ist jedoch grundsätzlich außerhalb der 200-Meter-Sperrzone möglich", so die Stadt.  Schon jetzt wird gebeten, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, da rund ums Bonn-Center nicht genügend Parkplätze zur Verfügung stehen.

Karte der Sperrzone.

Karte der Sperrzone.

5 Was passiert nach der Sprengung?

Im Vergleich zu einem schrittweisen Rückbau hat die kontrollierte Sprengung keinen Zeit- und Kostenvorteil. Die Schuttbeseitigung dauert rund drei bis vier Monate. Baubeginn des Bürokomplexes ist wohl Anfang 2018. Es entsteht wieder ein Hochhaus, zu dem kleinere Riegel gehören. Das neue Stadtquartier soll im Jahr 2020 fertiggestellt werden und umfasst rund 70.000 Quadratmeter Nutzfläche. Wie hoch das Gebäude wird, ist noch unklar. So können es nach Aussage des Investors zwischen 60 und 101,5 Meter werden.

ga-bonn.de wird am 19. März zur Sprengung berichten.