Dauerbaustelle in Bonn

Sperrung der Beethovenhalle stellt Kultur vor Probleme

Die Sanierung der Beethovenhalle könnte nach neuen Zahlen der Stadtverwaltung bis zu 166 Millionen Euro kosten.

Die Sanierung der Beethovenhalle könnte nach neuen Zahlen der Stadtverwaltung bis zu 166 Millionen Euro kosten.

Bonn. Die Beethovenhalle in Bonn wird wohl nicht vor Mitte 2022 fertig. Das bringt Probleme auch für das Beethoven-Orchester und das Beethovenfest mit sich.

Wohin mit der Musik in Bonn? Das ist eine Frage, die sich nach den jüngsten Hiobsbotschaften in Bezug auf die Fertigstellung der Beethovenhalle durchaus stellt. Denn die Interimslösungen, die seit der Schließung der Beethovenhalle im Herbst 2016 für das Beethoven Orchester und für das Beethovenfest greifen, sind nicht auf Dauer angelegt. Die Halle wird wohl nicht vor Mitte 2022 fertig.

Besonders stark betroffen ist das Beethovenfest, das seit 2017 das World Conference Center Bonn (WCCB) als Hauptspielstätte nutzt. „Für 2021 planen wir eine weitere Interimsspielzeit – mit Hilfe der Oper Bonn“, sagte Intendantin Nike Wagner auf GA-Anfrage. Das heißt, dass in der ersten Spielzeit nach dem Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 das Opernhaus neben dem WCCB als weiterer Konzertsaal genutzt werden wird.

Ab 2022 wird es problematisch für das Beethovenfest

Ab 2022 aber wird's problematisch für das Bonner Festival. Wagner: „Für die Jahre danach erwarten wir eine verlässliche Prognose zum Bauabschluss der Beethovenhalle, weil eine Programmplanung ins Ungewisse die angefragten Künstler und Ensembles irritiert.“ „Wir sind darauf eingerichtet, dass wir von einer solchen Entwicklung nicht überrascht werden“, sagte WCCB-Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage. „Wir haben die Vermarktung des WCCB im Auge und richten uns nach den Interessen der Stadt Bonn, bevor wir das WCCB an andere Veranstalter vergeben.“

Bernhard Helmich, Generalintendant des Theaters Bonn, stellt sein Haus aber nicht nur dem Beethovenfest zur Verfügung, sondern auch Dirigent Dirk Kaftan und seinem Beethoven Orchester, das dort seine Freitagskonzerte, die Reihe „Im Spiegel“ sowie einige Sonderkonzerte veranstaltet. Vor die Tür setzen will Helmich das mindestens noch bis 2022 heimatlose Orchester nicht. „Wir haben das in unserer Dispo schon vor längerer Zeit bis 2021/2022 fortgeschrieben“, sagt Helmich. Für ihn stellt es auch kein Problem dar, wenn das Beethoven Orchester über 2022 hinaus Asyl benötigte. „Ich kann das garantieren bis Juli 2023. So lange läuft mein Vertrag“, sagte Helmich.

Für andere Nutzer der Beethovenhalle könnte die längere Sperrung der Beethovenhalle durchaus größere Probleme bereiten, wie Andreas Etienne vom Haus der Springmaus betont. Für fünf bis sechs größere Veranstaltungen im Jahr habe die Springmaus die Beethovenhalle bis zur Schließung gebucht. Etwa für Auftritte von Götz Alsmann, für den aufgrund des starken Besucherandrangs das Springmaus-Theater in Endenich viel zu klein gewesen wäre.

Haus der Springmaus hat kaum Ausweichmöglichkeiten

„Wir bekommen von der Stadt Bonn drei Jahre lang bis 2020 einen Ausfall von 30.000 Euro im Jahr gezahlt, weil wir zurzeit nicht in die Beethovenhalle können“, sagte Etienne. Ausweichmöglichkeiten habe sein Theater kaum. „Wir waren mit Dieter Nuhr im WCCB, das ist für uns aber auf Dauer zu teuer.“ Die Oper habe ihm für das nächste Jahr nicht zuletzt mit Blick auf das Beethoven-Jubiläum nur einen einzigen Termin für eine Veranstaltung anbieten können, und das auch erst ab 18 Uhr. Etienne: „Das geht natürlich gar nicht.“

Die Karnevalisten sind seit der Sperrung ebenfalls auf andere Säle angewiesen. Der Festausschuss Bonner Karneval hat zum Beispiel die Proklamation von Prinz und Bonna in das Maritim-Hotel verlegt. „Wir brauchen Planungssicherheit, deshalb geht unser Vertrag mit dem Maritim bis 2022“, sagte Festausschuss-Präsidentin Marlies Stockhorst. Ob man nach der Sanierung wieder in die Beethovenhalle zurückkehre, sei bisher noch nicht entschieden. „Das hängt von verschiedenen Kriterien ab. Mit dem Maritim-Hotel sind wir jedenfalls bisher sehr zufrieden.“

Unterdessen fordern die „Bürger für Beethoven“ eine Umkehr. Die nun im Raum stehende Summe sei „mehr als das Doppelte dessen, was ein modernes Beethoven-Festspielhaus gekostet hätte“, so Vereinsvorsitzender Stephan Eisel. Sein Verein rate daher zu einer Baupause. Diese, so Eisel, könne dazu genutzt werden, die „bisher geplante Luxussanierung radikal abzuspecken“.