Flüchtlingshilfe in Bonn

Spendenlager hat 60.000 Artikel ausgegeben

Baschir Elias und Uschi Koch helfen im Zentralen Sachspendenlager beim Einsortieren Tausender Kleiderspenden nicht nur für Flüchtlinge.

Baschir Elias und Uschi Koch helfen im Zentralen Sachspendenlager beim Einsortieren Tausender Kleiderspenden nicht nur für Flüchtlinge.

Bonn. Das Zentrale Sachspendenlager Bonn hat im ersten Jahr 60.000 Artikel ausgegeben – nicht nur an Flüchtlinge. Das Lager ersetzt die bisher dezentral geführten Kleiderkammern.

Blusen, Hemden, Winterjacken – Uschi Koch steht in einem Wald von Textilien. Alles ist gewaschen, an Kleiderstangen gehängt und bereit für einen neuen Träger. Rund 1350 Regalmeter Ware für den Neustart Geflüchteter in Bonn. Nur was noch nicht bestimmt ist, lagert nebenan vorsortiert in großen gelben Plastikboxen. Uschi Koch hat dabei als Kleiderpatin vor allem Bettwäsche und Handtücher im Blick. „Wenn in diesem Segment ein Mangel entsteht oder wir überlaufen, gebe ich Bescheid“, erklärt die ehrenamtliche Helferin.

Im Zentralen Sachspendenlager Bonn herrscht Ordnung wie in einem Logistikzentrum, um den Bedarf der 2800 in Bonn lebenden Flüchtlinge und weiterer Bedürftiger an Kleidung, Haushaltswaren und Hygieneartikeln zu decken. Ein Jahr nach der Einrichtung zogen die Projektbeteiligten der zentralen Sammelstelle am Dienstag bei einer international besetzten Pressekonferenz eine rundweg positive Bilanz. Von einer „außergewöhnlichen Kooperation“ sprach Raimund Blanke, Pfarrer der Petrusgemeinde, und lobte die effektive Zusammenarbeit.

In der Tat haben sich für das Zentrallager Partner gefunden, die sonst eher wenig miteinander zu tun haben. Deutsche Post DHL stellte die leer stehende Paketzustellbasis in der Nordstadt zur Verfügung. Die Stadt zahlt die Nebenkosten, die Petrusgemeinde den Leiter, weitere Unternehmen die Regale. Und viele Mitarbeiter der Unternehmen und weitere Freiwillige helfen mit. So ist aus dem Durcheinander mit überfüllten dezentralen Kleiderkammern zu Beginn der Flüchtlingskrise ein geordnetes System entstanden.

Vom Wintermantel bis zur Windel

Wie viele Artikel in der Vorgebirgsstraße auf neue Nutzer warten, können die Mitarbeiter beim besten Willen nicht abschätzen. Sie notieren nur die Ausgänge, um daran die wechselnden Bedürfnisse zu erkennen. 60.000 Artikel vom Wintermantel bis zu Badeschlappen und Babywindeln haben die beiden Lagerhallen im vergangenen Jahr zugunsten Bedürftiger verlassen. Sozialarbeiter, Lehrer oder ehrenamtliche Helfer können in der Einrichtung das besorgen, was Geflüchtete, aber inzwischen auch andere Bedürftige in Bonn benötigen. 340 Warengruppen hat Einrichtungsleiter Jan Erik Meyer dazu klassifiziert, sortiert jeweils nach Männern, Frauen und Kindern und Konfektionsgrößen.

Vor allem Herrenschuhe, bevorzugt Turnschuhe in den Größen 39 bis 45, Geschirr, Kochtöpfe und Pfannen sowie Babyartikel können die ehrenamtlichen Helfer aktuell gebrauchen. „Viele Flüchtlinge ziehen in eigene Wohnungen. Die brauchen jetzt einen Hausstand“, erklärte Meyer. Damenschuhe mit hohem Absatz nehmen die Helfer inzwischen dagegen ebenso wenig an wie Herren-anzüge oder Inkontinenzwindeln für Erwachsene. „Wir dachten, die Anzüge werden für Vorstellungsgespräche gebraucht. Aber die will keiner haben“, so Meyer. Hilfreich sei es dagegen, wenn Spender mal eine Palette Duschgel, Shampoo oder Babywindeln vorbeibrächten.

Die Helfer rekrutieren sich aus vielen Bereichen. Firmenmitarbeiter, Schülerpraktikanten, zu Sozialstunden Verurteilte, aber auch ein Dutzend Flüchtlinge selbst engagieren sich. So wie Uschi Koch oder Baschir Elias, der alles Handwerkliche übernimmt. Jeder könne mitmachen, warb Meyer. Annette Mock, Projektverantwortliche bei DHL, stellte die Bonner Initiative schließlich in einen größeren Zusammenhang. 15 000 Mitarbeiter des Konzerns hätten sich bisher in ihrer Freizeit in der Flüchtlingshilfe engagiert, viele auch im Bonner Zentrallager.