Sicherheitszonen um das Bonn-Center

Spannung vor der Sprengung

Die Tage des Bonn-Centers sind gezählt: Am Sonntag, 19. März, soll der Betonklotz an der Reuterbrücke
 gesprengt werden.

Die Tage des Bonn-Centers sind gezählt: Am Sonntag, 19. März, soll der Betonklotz an der Reuterbrücke
 gesprengt werden.

Bonn. Viele Neugierige kommen zum Bonn-Center und spinksen durch den Bauzaun. Bei der Sprengung am 19. März werden Sicherheitszonen eingerichtet. In den Nachbarhäusern soll die Druckwelle gemessen werden, um mögliche Schäden zu dokumentieren.

Gregor Weinrich wischt über den Fahrradsattel. Innerhalb weniger Stunden hat sich auf dem Rad des Seniors schon wieder eine Staubschicht abgelagert. „Seit hier abgerissen wird, ist es sehr dreckig geworden“, erzählt er. Sein Haus liegt direkt neben dem Bonn-Center, das derzeit entkernt und am 19. März gesprengt wird.

Es ist eine Mischung aus Anspannung und Neugierde, die der Anwohner mit diesem Tag verbindet. Anspannung, weil er Sorge um sein Haus hat. Neugierde, weil ein neues Hochhaus entsteht. Seit fast 20 Jahren wohnt Weinrich in der Eduard-Pflüger-Straße, die von der Zufahrt zum Bonn-Center nur durch Poller abgetrennt ist. Er hat erlebt, wie der Koloss mehr und mehr verfiel. Die Büros leerer wurden, die Geschäfte schlossen. „Traurig, die besten Jahre hat es hinter sich“, sagt er. Deswegen findet er gut, dass dort etwas Neues gebaut wird. Etwas, das das Areal wieder belebt.

Doch vorher steht die Sprengung an. Weinrich wohnt im 100-Meter-Radius, der komplett evakuiert werden muss. Im 200-Meter-Radius, dem Gefahrenbereich, darf sich niemand im Freien aufhalten. Der Bauherr Art-Invest hat ihn schon vor Wochen darüber informiert. Weinrich fühlt sich gut aufgehoben. Angst hat er nicht. „Lieber mit einem lauten Knall als monatelang Stück für Stück“, sagt er pragmatisch. Für eventuelle Schäden will der Investor aufkommen.

 

Infoveranstaltung nimmt Anwohnern Befürchtungen

In seinem Keller haben Experten eine Messanlage aufgestellt, die in einen Aktenkoffer passt. „Man hat uns erklärt, dass dadurch die Vibrationen während der Sprengung aufgezeichnet werden.“ Je näher man an das Bonn-Center heranrückt, desto größer wird auch die Druckwelle der Explosion sein. Anhand der Messergebnisse wird ausgewertet, ob das Gebäude Schaden genommen hat. Baustatiker haben bereits jetzt rote Markierungen an der Fassade angebracht, um kleinste Verschiebungen zu messen. „Sie haben auch schon alles mit Fotos dokumentiert“, berichtet Weinrich. Jeder Riss, ja sogar jeder Haarriss ist dabei festgehalten worden.

Genau so wie bei Familie Balta 50 Meter weiter. „Am Samstag gab es eine große Infoveranstaltung, an der wir alles erklärt bekamen“, sagt Zeynep Balta. Sie sitzt mit ihren Söhnen Selim und Emin auf dem Sofa und beobachtet durch das Terrassenfenster, wie ein kleiner Bagger im Bonn-Center Säulen herausreißt. „Wir finden das cool“, erzählen die Söhne mit großen Augen. Jeden Tag gucken sie sich die Fortschritte an. Heute sind wieder viele Fenster demontiert worden. „Sehr abenteuerlich.“

Die Grafik zeigt die Sicherheitszonen um das Bonn-Center, die während der Sprengung als Evakuierungs- bzw. Gefahrenbereich gelten.

Die Grafik zeigt die Sicherheitszonen um das Bonn-Center, die während der Sprengung als Evakuierungs- bzw. Gefahrenbereich gelten.

 

Es gibt aber auch eine andere Seite des Abrisses. Der ständige Lärm, den man selbst durch die geschlossenen Fenster hört. „Als der Flachbau abgebrochen wurde, ist einem Nachbarn die Vase vom Tisch gefallen“, sagt Zeynep Balta. Wenn Trümmer herabstürzen, wackeln die Bilder an der Wand. Und dann der Staub, der sich auf alles legt. Es gab auch einen Moment, an dem sie richtig Sorge hatte. Da werkelten die Bauarbeiter mit Mundschutz im Innern des Bonn-Centers, während der Staub durch die offenen Fenster blies. „Ich dachte sofort an Asbest“, erzählt sie. Ein Anruf beim Bauherr, der seine Telefonnummer für solche Fälle hinterlassen hatte, brachte allerdings Entwarnung.

Viele wollen die Sprengung Live sehen

Das Bonn-Center bewegt die Menschen aber nicht nur durch solche Geschichten. Das erfahren am ehesten die Arbeiter auf der Baustelle. „Viele halten an“, sagt einer der Männer, die das Hochhaus entkernen. Manchmal stehen die Zuschauer minutenlang vor den Bauzäunen, ehe sie sich trauen, jemanden mit Warnweste anzusprechen. „Auch wenn wir viel zu tun haben, versuchen wir zu helfen.“

Was er nicht weiß: Von wo man die Sprengung am besten beobachten kann. Zeynep Balta hat der Investor versprochen, einen guten Aussichtspunkt inklusive Catering zu organisieren. Gregor Weinrich wird davon nichts mitbekommen – er hatte schon seinen Urlaub gebucht, bevor die Termin feststand.