Nach Schließung von Badminton-Center

Sorge um Hans-Riegel-Halle in Kessenich

BONN. Steht die Wiege des deutschen Badminton-Sports vor dem Aus? Unter den Freunden der alten Hans-Riegel-Halle an der Hermann-Milde-Straße in Kessenich kursieren Gerüchte, die Halle werde abgerissen.

Denn das Badminton-Center ist schon seit Wochen geschlossen. Zunächst hieß es, wegen eines Wasserschadens müsse die Halle vorübergehend für den Spielbetrieb gesperrt werden, dann hing plötzlich ein Zettel an der Tür, die Halle bleibe bis Ende des Jahres geschlossen. Auch die Kurse für Kinder in den Herbstferien wurden kurzfristig abgesagt.

Pächter Said Arbab gibt sich zurückhaltend: "Haribo hat die Halle geschlossen und mir gekündigt. Mehr kann ich dazu nicht sagen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt."

Die Halle, in der noch im vergangenen Jahr der 60. Jahrestag ihrer Eröffnung groß gefeiert wurde, hat viele Freunde. Etliche Stammkunden, die zum Teil seit Jahrzehnten regelmäßig dort spielen, wenden sich besorgt an den General-Anzeiger. Viele haben auch Briefe an Entscheidungsträger geschrieben, natürlich an die Haribo-Geschäftsführung, die Dr. Hans Riegel-Stiftung, Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und an diverse Kommunal- und Bundespolitiker. "Viele sind wütend, da die neue Haribo-Generation mit Hans Guido Riegel, der neben Michael Phiesel neuer Haribo-Chef ist, das Erbe von Hans Riegel bereits ein Jahr nach seinem Tod mit Füßen tritt", sagt einer der Hallennutzer, der ungenannt bleiben möchte.

Angesprochene Politiker geben sich wortkarg. Man wolle nicht auf Konfrontationskurs gehen, hieß es übereinstimmend. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber hat als Student in der Haribo-Halle gespielt. "Ich bin auf das Problem angesprochen worden mit der Bitte, mich für den Erhalt der Halle einzusetzen", so Kelber. Er habe die Geschäftsführung auch angeschrieben, Rückmeldung habe er aber noch nicht bekommen. Auch der Kessenicher SPD-Ratsherr Werner Esser bemüht sich derzeit um ein Gespräch mit den Eigentümern. "Das wäre natürlich sehr schade, wenn die Halle nicht mehr existieren würde", sagte er.

Zu den Abrissgerüchten hieß es aus der Stadtverwaltung, eine Abrissgenehmigung sei nicht beantragt. Die Halle stehe zwar nicht unter Denkmalschutz, so Elke Palm aus dem Presseamt. "Aber es wird derzeit verwaltungsintern geprüft, ob die Hans-Riegel-Halle denkmalwürdig ist".

"Die Badminton-Halle ist aktuell aufgrund einer technischen Untersuchung geschlossen", sagte Haribo-Sprecher Marco Alfter dem GA auf Anfrage. "Wir können jedoch versichern, dass die Familie Riegel - und damit Haribo - diesem Sport ganz in der Tradition von Dr. Hans Riegel und Paul Riegel verbunden bleibt. Aus diesem Grund befassen wir uns intensiv mit der Entwicklung und Planung einer Lösung, die den Freunden des Badminton-Sports eine langfristige gesicherte Zukunft in Bonn bietet. Wir bitten um Verständnis, dass wir bis zur Fertigstellung dieses Konzepts keine Einzelheiten kommunizieren können, werden aber selbstverständlich darüber informieren, sowie der Planungsstand dies zulässt."

Die Fans der Riegel-Halle können mithin weiter hoffen, "dass alle Überlegungen um unsere geliebte Halle über eine kurzfristige Planung hinausgehen - im Sinne einer langfristig gesicherten und aktiven Zukunft des Badminton-Sports in Bonn", schrieben sie an die Verantwortlichen.

Erste Badmintonhalle Deutschlands

Damals galt es als architektonisches Meisterwerk, weil das Dach der Hans-Riegel-Halle eine der Flugbahn des Federballs angepasste Parabelform hatte. Die zunächst 540 Quadratmeter große Halle wurde am 12. Dezember 1953 eingeweiht und gilt als die erste Badmintonhalle Deutschlands. Ein Jahr später konnten Erweiterungsbauten mit doppelter Nutzfläche ihrer Bestimmung übergeben werden. Am 10. Januar 1954 gab es in dieser Halle das allererste Länderspiel gegen Holland. Hans Riegel gehörte dem deutschen Nationalteam an.