Operngala in Bonn

Sopranistin Simone Kermes brilliert mit Rossini-Arie

Brillant als Amenaide in Rossinis Frühwerk „Tancredi“: Simone Kermes. Auch Dirigent Stefan Blunier ist beeindruckt.

Brillant als Amenaide in Rossinis Frühwerk „Tancredi“: Simone Kermes. Auch Dirigent Stefan Blunier ist beeindruckt.

Bonn. Auch die fünfte Operngala, die Helmut Andreas und Arndt Hartwig ausdrücklich dem verstorbenen Guido Westerwelle widmen, hält, was sie verspricht. Das Beethoven Orchester Bonn unter Stefan Blunier ist ganz bei der guten Sache und bringt sich zur Eröffnung mit einer spritzigen Ouvertüre aus „Figaros Hochzeit“ auf Betriebstemperatur.

Im weiteren Verlauf des von Alard von Rohr zusammengestellten Programms gibt es viel italienisches Belcanto, ein wenig Mozart und Beethoven, französische Oper und Wiener Operette. Blunier ist in seinem Element, schaltet blitzschnell um und steuert das Orchester sicher durch jeden Stil- und Epochenwechsel.

Für Abwechslung sorgt auch das ohne Gage singende Solistenensemble: Der leichte, auch in der Alte-Musik-Szene gefragte Sopran von Robin Johannsen lässt Marzellines Arie „O wär ich schon mit Dir vereint“ aus „Fidelio“ funkeln und verbindet sich mit dem strahlenden Mezzo von Ingeborg Gillebo zu einem hinreißenden „Lakmè“-Blumenduett.

Auch das zweite große Duett gehört zu den Höhepunkten des Abends: Die in Bonn in bester Erinnerung gebliebene Sopranistin Julia Novikova und der formidable Bariton Davide Luciano begeistern mit dem graziösen Schlagabtausch „Pronta io son!“ aus Donizettis „Don Pasquale“. Seine Buffo-Qualitäten stellt Luciano auch mit der Arie des Figaro aus dem „Barbier von Sevilla“ unter Beweis. Die beiden Tenöre Roberto de Biasio und Andrea Caré halten mit strahlender Höhe, Schmelz und großen Gefühlen wacker dagegen.

Der hochdramatische Mezzosopran von Marina Prudenskaya kann in der Arie der Eboli („O don fatale“) aus Verdis „Don Carlos“ sein Potenzial grandios entfalten; im Orlofsky-Couplet „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus der „Fledermaus“ ist er nicht so gut aufgehoben. Die junge Chiara Skerath schließlich erobert die Herzen des Publikums als Lehárs Giuditta mit einem sehr süß gesungenen und getanzten „Meine Lippen sie küssen so heiß“.

Für die Knalleffekte des musikalischen Feuerwerks ist aber noch jemand anders verantwortlich: Die unvergleichliche Stimmakrobatin Simone Kermes brilliert mit der Arie der Amenaide aus Rossinis Frühwerk „Tancredi“ und als Aufziehpuppe Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“. Spitzentöne, Roben, Schuhwerk – alles an der Kermes ist extravagant, und wenn sie locker mitwippend, scheinbar mühelos ihre halsbrecherischen Koloraturen ansteuert und zwischendurch mit dem Dirigenten flirtet, wird klar: Diese Frau hat einfach nur Spaß am Singen. Oder sie ist verdammt gut darin, es so aussehen zu lassen. Mit dem sich feierlich aufschwingenden Finale aus Leonard Bernsteins Musical „Candide“, für das auch der klangschöne Bonner Opernchor noch einmal aufmarschiert, endet das rauschende Opernfest.

In Kooperation mit der Deutschen Welle wurde die Gala erstmals für das Fernsehen aufgezeichnet: zu sehen am Dienstag, 24. Mai, um 18.30 Uhr in „Euromaxx“ und um 21.30 Uhr auf DW sowie online unter dw.com/lebensart. Das WDR-Fernsehen sendet am Sonntag, 24. Juli, um 9.50 Uhr. Der Vorverkauf für die sechste Operngala am 20. Mai 2017 beginnt heute.