Natur-Ereignis nur per Livestream

Sonnenfinsternis verschwindet hinter den Wolken

20.03.2015 BONN. "Das ist wie eine Sonnenfinsternis", sagt Barbara Laukamp. Denn sehen konnte sie nichts durch die dichte Wolkendecke, die gestern morgen während des Naturschauspiels über Bonn hängt. Peter Oden von der Volkssternwarte fasst es so zusammen: "Für einen kurzen Augenblick konnte man die Sonnenfinsternis erahnen."

Gegen 10.30 Uhr wird es nämlich wirklich dunkler und kälter. Es zieht sogar ein leichter Wind auf. "Im Vergleich zu 1999 war es aber nicht so deutlich", sagt Barbara Laukamp, die mit ihrem Mann, den drei Kindern und einer weiteren Familie vor der Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee steht. Damals, so erinnerte sie sich, hätten auch die Vögel aufgehört zu zwitschern. Diesmal ist es nur im Keller der Sternwarte ruhig. Dort zeigen die Astronomen auf der Leinwand, wie deutlich die Sonnenfinsternis in anderen Teilen Deutschlands zu sehen ist.

"Das ist ein gutes Angebot", urteilen die drei zehnjährigen Freunde Philipp, Gianluca und Niklas. Sie sind aber enttäuscht, dass sie ihre Schutzbrillen nicht nutzen können. "Interessant ist es hier trotzdem", sagt Philipp. Nico Schmidt vom Köln-Bonner Astrotreff erläutert beispielsweise, was bei einer Sonnenfinsternis passiert und wie die Teleskope funktionieren, die die Hobbyastronomen zur Beobachtung aufgestellt haben.

"Es ging aber auch um die Venus, die man jetzt nachts gut sehen kann." Georg Schäfer geht mit einem Tablet-Computer durch die Reihen der rund 250 Besucher und zeigt so die Sonnenfinsternis "zum Anfassen".

200 Schutzbrillen hatten die Mitglieder der Sternwarte vor Wochen für diesen besonderen Tag gekauft - und geben sie zum Schnäppchenpreis von vier Euro pro Stück an ihre Besucher weiter. Zum Vergleich: Im Internet wurden sie zwischen 100 und 300 Euro gehandelt. "Wir waren schon um 9 Uhr hier, um noch welche zu ergattern", sagt Laukamp.

Die Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Tannenbusch setzt dagegen auf Marke Eigenbau: Junge Leute mit Schutzbrillen in neongrün, pink, mit Sternen und Herzen verziert laufen über das Schulgelände zum Sportplatz, wollen dort gemeinsam die Sonnenfinsternis beobachten.

[kein Linktext vorhanden]"Es wäre schade, bei so einem Ereignis nicht alle einbeziehen zu können. Wie will man da die Auslese machen," sagt Schulleiter Reinhold Pfeiffer. Weil es nicht genug Brillen für seine 1400 Schützlinge gab, haben die sich in den vergangenen Tagen selber welche gebastelt. Dafür kaufte die Schule für 1 000 Euro sieben Meter einer speziellen Sonnenschutzfolie. Die Schüler wurden gebeten, je einen Euro dazu zu geben. "Jetzt haben alle eine Brille, also sind alle geschützt."

Um 10.30 Uhr verbergen dann aber Nebel und Wolken das Naturschauspiel am Himmel. Es wirkt nur ein bisschen dunkler als sonst. Fast die ganze Schulgemeinschaft steht mit selbstgestalteten Brillen am Sportplatz - und sieht nichts. Benedikt und Uday, beide elf Jahre alt, sind ungeduldig.

"Wir wollen zurück zum Sportunterricht statt die Sonnenfinsternis anzugucken," sagt Uday. In der Mensa sitzen Schüler und verfolgen die Sonnenfinsternis via Live-Stream und Beamer auf der Leinwand. "Es ist ja gar nicht richtig dunkel", sagt Marla und schaut enttäuscht aus dem Fenster. Die 13-Jährige hatte sich sehr auf ihre erste Sonnenfinsternis gefreut.

"Ganz doll nach oben gucken" wollten die Mädchen und Jungen de Bad Godesberger Burgschule. Die Vorfreude auf die Sonnenfinsternis war groß, denn "jedes Kind wird sich erinnern können, wo es mal zur Zeit einer Sonnenfinsternis war," sagte Rektorin Heidi Hauser-Nagel. Zu sehen gab es indes wenig.

"Achtzig Prozent dunkler ist der Himmel nicht," stellte Viertklässlerin Zoé auf dem Schulhof, den Blick nach oben gerichtet, fest. "Vielleicht sieben Prozent." An der Vorbereitung hat es nicht gelegen. Die mehr als 200 Mädchen und Jungen der katholischen Grundschule lernten im Sachunterricht alles über die Sonnenfinsternis. Und die Schutzbrillen für Schüler und Lehrer, die der Förderverein gestiftet hat, wird sich so mancher fürs nächste Mal zurücklegen. (Andelka Krizanovic, Christine Ludewig und Nicolas Ottersbach)