Kritik an Bonner Stadtverwaltung

Sondersitzung zur Beethovenhalle beantragt

Bonns Krisenbaustelle von oben. Links im Bild wird das Gelände für den geplanten Hotelneubau vorbereitet.

Bonns Krisenbaustelle von oben. Links im Bild wird das Gelände für den geplanten Hotelneubau vorbereitet.

Bonn. Wegen der erneut gestiegenen Kosten bei der Sanierung der Beethovenhalle verlangen Politiker des Bonner Stadtrats Informationen von der Verwaltung. Die Koalition verteidigt derweil den Sanierungsbeschluss aus dem Jahr 2015.

Nachdem die Baustellen-Probleme in der Beethovenhalle eskaliert sind, haben SPD und Sozialliberale am Dienstag gemeinsam eine Sondersitzung des Stadtrates beantragt. Die Kommunalpolitiker werfen der Stadtverwaltung vor, die Fraktionen nicht informiert zu haben. „Wir erwarten, dass alle Fakten auf den Tisch kommen“, erklärt Sebastian Kelm, Fraktions-Vize der Sozialliberalen. „Erst dann kann die Politik entscheiden, ob es ein Weiterbauen nach dem Motto 'Koste es, was es wolle' geben kann.“

Nach einer aktuellen Analyse des Projektsteuerers Drees & Sommer, über die der GA am Wochenende exklusiv berichtet hat, wird die Sanierung des Baudenkmals frühestens 2022 abgeschlossen und noch einmal deutlich teurer werden als die derzeit prognostizierten 102 Millionen Euro. Hauptverursacher soll demnach das Büro Nieto Sobejano Arquitectos aus Berlin sein, dem der Projektsteuerer Mängel und Zeitverzug bei der Objektplanung vorwirft. Die Stadtverwaltung prüft eine Kündigung der Architekten, äußert sich dazu aber noch nicht öffentlich.

Die SPD wirft der Jamaika-Koalition vor, 2015 eine riskante große Sanierung beschlossen zu haben, obwohl Oberbürgermeister Ashok Sridharan eine 20 Millionen Euro billigere Variante vorgeschlagen hatte. „Trotz unfertiger Planungen wurde der Beginn der Arbeiten wegen des Beethoven-Jubiläumsjahres 2020 überstürzt begonnen“, kritisiert die SPD-Fraktionsvorsitzende Angelika Esch.

Mehr zum Thema Beethovenhalle gibt es in unserem Dossier zur Beethovenhalle.

Gilles: Karten auf den Tisch legen

CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles verteidigt die Koalitionsentscheidung, mit der die Beethovenhalle durch einen Technikanbau und einen Probensaal aufgewertet werden sollte. „Die offenbar aufgetretenen Probleme haben nichts mit dieser Entscheidung zu tun“, betont Gilles, der selbst Bauingenieur ist. Die operative Umsetzung eines solchen Projekts sei nicht Sache der Politiker. „Wir brauchen jetzt eine Zustands- und Problemanalyse“, sagt der Vorsitzende der größten Ratsfraktion. „Karten auf den Tisch, Probleme definieren und schnellstens Lösungen suchen.“ Auch die Frage nach der Verantwortung einzelner Akteure müsse beantwortet werden, fordert Gilles.

Es zeige sich zudem, dass das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) in seiner derzeitigen Struktur nicht in der Lage sei, Großprojekte umzusetzen. Gilles: „Diese Defizite müssen behoben werden, bevor wir weitere Großprojekte wie das Opernhaus beginnen.“ Die Koalition aus CDU, Grünen und FDP will wie berichtet einen neuen SGB-Betriebsleiter suchen und eine Spezialgruppe mit Fachleuten für aufwendige Sanierungen oder Neubauten schaffen.

Die Fertigstellung der Beethovenhalle könnte im Fall eines Baustopps die erste Aufgabe für einen neuen SGB-Chef werden, meint der FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Hümmrich. Er wertet die aktuelle Situation nur noch als „Trauerspiel“ und fühlt sich ebenso wie Gilles von der Stadtverwaltung schlecht informiert. Auch er steht zur Entscheidung, die Halle umfassend zu sanieren und zu erweitern. „Ob die kleinere Variante besser gelaufen wäre, ist doch Kaffeesatzleserei. Mutmaßlich wären die Kosten auch dann explodiert.“

WCCB als Spielstätte beim Beethovenfest im Gespräch

Hartwig Lohmeyer, Fraktionssprecher der Grünen, steht ebenfalls zum Koalitionsbeschluss. „Auf Grundlage der damaligen Erkenntnisse war das richtig“, unterstreicht Lohmeyer. Das Problem sei offenbar der organisatorische Ablauf auf der Baustelle. Die Grünen würden dazu aber gern selbst das kritisierte Architektenbüro hören – das von der Stadtverwaltung als Auftraggeberin einen Maulkorb umgehängt bekommen hat.

Wird die Halle erst 2022 fertig, braucht das Beethovenfest Ersatzspielstätten. Dafür kommt das World Conference Center Bonn (WCCB) in Frage, das auch 2019 mit elf Veranstaltungen die Hauptbühne für das Festival ist. „Wir müssen Einzelheiten und Termine besprechen“, sagt Michael Kleine-Hartlage, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft BonnCC. „Eine gewisse Beweglichkeit wird es benötigen, aber wir können Zeitfenster für das Beethovenfest auch in 2021 und 2022 organisieren.“