Bonner Schwurgericht

Sohn wollte Mutter von ihren Leiden erlösen

Um eine Lungenentzündung vorzubeigen, sollten ältere Menschen im Krankenhaus regelmäßig aufrecht sitzen und, falls möglich, auch mal aufstehen.

Symbolfoto.

Bonn. Für die Anklage steht fest, dass ein 43-Jähriger in der Bonner Uniklinik die Geräte am Krankenbett seiner Mutter abstellte. Im Gefängnis soll der an Schizophrenie leidende Mann Feuer gelegt haben.

Weil er das Leiden seiner schwer kranken Mutter beenden wollte, soll der 43-jährige Sohn bei ihr in der Uniklinik am 9. September 2018 alle Geräte abgeschaltet haben. Er landete im Gefängnis, wo er am 9. November ein Feuer gelegt haben soll. Nun hat die Staatsanwaltschaft den psychisch kranken Mann wegen versuchten Totschlags und Brandstiftung, begangen im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit, angeklagt.

„Demnächst muss er sich vor dem Schwurgericht verantworten“, teilte Behördensprecher Tobias Gülich am Montag mit. Dem Sprecher zufolge lag die 78-Jährige seit einem Sturz am 22. August 2018 in der Bonner Uniklinik in fast komatösem Zustand: Sie litt an einer Hirnblutung und resistenten Krankenhauskeimen, konnte sich nur noch mit Öffnen der Augen und leisem Stöhnen artikulieren. Sie trug eine Sauerstoffmaske, hatte einen intravenösen Zugang für Medikamente und in der Nase eine Magensonde. An Monitoren wurde sie intensivmedizinisch überwacht, im Ernstfall wurde ein Alarm ausgelöst, der jedoch für zwei Minuten ausgeschaltet werden konnte.

Den Ärzten zufolge war die Mutter klinisch stabil

Den Ärzten zufolge war sie klinisch stabil. Am Tatabend besuchte der 43-Jährige, der am Tag des Sturzes seiner Mutter nach dreimonatigem Aufenthalt aus der psychiatrischen Klinik entlassen worden war, seine Mutter. Und plötzlich hörte eine Krankenschwester im Überwachungszimmer ein kurzes Piepsen, das von den Monitoren am Bett der 78-Jährigen kam.

Mit einer Kollegin eilte sie ins Krankenzimmer, sah den Sohn neben dem Bett der Mutter sitzen. Deren Sauerstoffmaske war laut Anklage entfernt, die Mutter von allen Geräten getrennt, der Alarm abgeschaltet. Und während sich Ärzte und Schwestern um die 78-Jährige bemühten, um sie zu stabilisieren, da die Sauerstoffsättigung in einen kritischen Bereich abgefallen war, soll der Sohn geäußert haben: Das mache doch alles keinen Sinn, das sei doch kein Leben mehr für sie.

Schließlich ging er und wurde beim Verlassen des Aufzugs im Erdgeschoss von der inzwischen alarmierten Polizei festgenommen. Er kam in Untersuchungshaft, wo er am 9. November mit einem Feuerzeug Kleidung und Matratze anzündete. Bedienstete konnten das Feuer jedoch schnell löschen. Wegen seines psychisches Zustands ist er seit dem 20. November in der forensischen Klinik untergebracht.

Angeklagter leidet an Schizophrenie

Der Anklage zufolge leidet er seit Jahren an Schizophrenie und war seit 2008 häufig stationär in der LVR-Klinik, zuletzt bis 22. August 2018. Anschließend ging er jedoch nicht zum Arzt, um sich seine Depotspritze abzuholen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er zur Tatzeit in seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt war. Die Ermittler sind jedoch auch sicher: Der 43-Jährige bleibt gefährlich für die Allgemeinheit und muss weggesperrt werden. Ob im Gefängnis und/oder in der Klinik, muss das Gericht entscheiden.

Seine Mutter starb am 22. September – laut Anklage allerdings nicht an den Folgen seiner Tat.