17 Nachhaltigkeitsziele

So will Bonn die UN-Agenda 2030 umsetzen

Bonn. Die neue Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Bonn ist beschlossene Sache. Wichtige Ziele: Weniger Autos, der Ausbau der S23, Radpendlerrouten, bezahlbarer Wohnraum und der Artenschutz.

Der Stadtrat hat die neue Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Bonn in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit beschlossen. Mehr als zwei Jahre wurde die Strategie im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft erarbeitet.

Daran schloss sich ein mehrmonatiger politischer Beratungsprozess an, in den Fachausschüsse involviert waren. Neben umfassenden Nachhaltigkeitsleitlinien, die ein Szenario für 2030 beschreiben, enthält die Strategie Maßnahmen für die nächsten drei bis fünf Jahre.

„Wir wollen zeigen, dass die Strategie kein Papiertiger ist“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Die gesamte Stadtspitze stehe hinter den Nachhaltigkeitszielen. „Das ist nicht nur eine Aufgabe des Umweltamtes.“

In den sechs Handlungsfeldern Mobilität, Klima und Energie, Natürliche Ressourcen und Umwelt, Arbeit und Wirtschaft, Gesellschaftliche Teilhabe und Gender sowie Globale Verantwortung und eine Welt sollen die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030 lokal umgesetzt werden.

Digitalisierung, Elektroautos und Ausbau der S23

Dabei gehe es um ganz konkrete Projekte, so Sridharan, der seine Kollegen um praktische Beispiele gebeten hatte. So solle die Digitalisierung – etwa mit Online-Formularen und Förderung von Heimarbeit – viele Wege einsparen. An Schulen solle es zusätzliche externe Anreize für mehr Bewegung geben.

Stadtdirektor Wolfgang Fuchs kündigte an, in der Fahrzeugflotte der Stadt werde der Anteil an Hybrid- und Elektroautos bis zum kommenden Jahr von derzeit 15 auf 20 Prozent steigen. Sridharan fährt mit einem VW Passat GTE, einem Hybriden, als Dienstwagen mit gutem Beispiel voran.

Finanzgeschäfte sollen nur noch mit Banken abgewickelt werden, die nachhaltig wirtschafteten, erklärte Fuchs. Dazu gehöre auch, dass sie keine Unternehmen finanzieren, die nicht gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche oder Gentechnik einsetzen.

Weniger Verkehr, Radpendlerrouten und Artenreichtum

Verkehrs-, Bau- und Planungsdezernent Helmut Wiesner setzt vor allem auf eine Veränderung bei der Nutzung von Verkehrsmitteln. Der Pkw-Verkehr solle von jetzt 42 auf 36 Prozent sinken. Dazu wünscht er sich eine Verlängerung der S23 ins Bundesviertel und den Anschluss an die Seilbahn über den Rhein und zum Venusberg.

Schneller könnten Radpendlerrouten durch die Rheinaue Wirklichkeit werden: Dort bereite die Verwaltung aktuell Anträge für Fördergelder vor, die bis 2022 verbaut werden müssten.

Auch die Bonner Grünflächen rücken in den Fokus: Sie sollen für einen hohen Artenreichtum geschützt oder hergerichtet und miteinander vernetzt werden. Das werde die Stadt auch resistenter gegen die Folgen der Klimaerwärmung machen, hoffte Wiesner. Gleichzeitig solle, wo immer möglich, bezahlbarer Wohnraum entstehen.

Umweltverbände hatten die Strategie bereits im Vorfeld als nicht ambitioniert genug kritisiert. CDU und FDP hatten die Strategie dagegen im Stadtrat ursprünglich mit einem Finanzierungsvorbehalt versehen wollen. Die Fraktionen von FDP, Linken und der Alternative für Bonn trugen das Papier nicht mit.