Überfüllte Bahnsteige und Ersatzverkehr

So war die Sperrung am Bonner Hauptbahnhof für Pendler

BONN/ROISDORF. An diesem Donnerstag müssen Bahnpendler erstmals mit der Teilsperrung des Bonner Hautbahnhofs zurechtkommen. Am Morgen setzten dort nur wenige auf den Schienenersatzverkehr. In Roisdorf dagegen sind die Busse voll, aber schwer zu finden.

Das große Chaos am Hauptbahnhof in Bonn ist nach der Sperrung ausgeblieben. Das teilte der Nahverkehr Rheinland (NVR) als zuständiger Aufgabenträger am späten Nachmittag mit. „Aber es lief am ersten Tag schon etwas beschwerlich an“, räumte NVR-Sprecher Holger Klein dann doch ein. Wegen technischer Probleme seien die Abfahrzeiten der Ersatzbusse und -züge erst ab etwa 11 Uhr in den Fahrplan-Apps einzusehen gewesen. Verspätungen des RE 5 habe es ebenfalls gegeben. „Da ist Luft nach oben.“ Leser des GA schickten Fotos überfüllter Züge, die zwischen Bad Godesberg und Köln verkehrten. Teilweise sei ein Zusteigen an einigen Haltestellen nicht mehr möglich gewesen. Nach Auskunft der City Parkraum GmbH, die in Bonn viele Parkhäuser betreibt, habe es keine Anzeichen für eine höhere Auslastung gegeben, weil Nahverkehrskunden möglicherweise auf das Auto umgestiegen seien.

Seit Mittwochabend wird der Bonner Hauptbahnhof nur von wenigen Zügen angefahren. Die Deutsche Bahn hat den Hauptbahnhof teilweise gesperrt, um an Gleisen, Weichen und der Verlängerung des Bahnsteigs 3 zu arbeiten. Sie arbeitet gleichzeitig in Sechtem und Köln-Eifeltor an Weichen und baut neue Aufzüge in Hürth ein. Berufspendler hatten also am Donnerstag erstmals mit der veränderten Situation zu tun. Das Verkehrsunternehmen Trans Regio bietet auch morgen noch einen Schienenersatzverkehr mit Bussen an. Die Busse verkehren zwischen dem Zentralen Busbahnhof in Bonn und Roisdorf, wo die Züge aus Köln halten.

Zumindest in Bonn machten am Morgen aber nur wenige Pendler von diesem Angebot Gebrauch. Die Fahrt um 8.59 Uhr fuhr praktisch leer Richtung Bornheim ab. Voll dagegen war der Bahnsteig 1, auf dem außerplanmäßig ab 9.04 Uhr der Regionalexpress gen Köln abfahren sollte. 20 Minuten verspätet kam er aus Richtung Koblenz. "Der Ersatzverkehr braucht einfach zu lange, deshalb setze ich auf den Zug", erklärte Felix Brache. Der Student ist etwas früher dran als sonst, weil er mit Unwägbarkeiten rechnet. Die Information der Teilsperrung hatte ihn über die sozialen Netzwerke erreicht.

Zumindest die vollen Bahnen der Stadtbahnlinien 16 und 18, die ebenfalls Richtung Köln fahren, sprechen dafür, dass mancher Pendler während der baustellenbedingten Teilsperrung, die bis zum Montagmorgen um 0.30 Uhr dauern soll, auf diese Verbindungen setzt. "Für mich dauert die Fahrt dann eine halbe Stunde länger, ist aber besser kalkulierbar", sagte Claudia Fischenich, die in Köln-Süd arbeitet.

RE 5 stoppt in Roisdorf nur Richtung Koblenz

Stoisches Warten war am Donnerstagmorgen am Roisdorfer Bahnhof angesagt. Auch die Vorgebirgsstation ist von der Sperrung in Bonn betroffen. Die RB 26 aus Richtung Köln endet dort, die RB 48 hält nur abends sporadisch. Als Entlastung stoppt der RE 5 während der Bauphase zwar auch in Roisdorf und Sechtem – allerdings nur in Richtung Koblenz.

Auch in Roisdorf wurden so manche Reisende von den Einschränkungen kalt erwischt. Aufregte Telefonate mit Bekannten oder dem Arbeitgeber waren ebenso die Folge wie Diskussionen über Alternativen: die Stadtbahnlinie 18, vielleicht Sammeltaxis oder der Schienenersatzverkehr. Diesen hat das Unternehmen Trans Regio (RB26) zwischen Bonn und Roisdorf eingerichtet.

Bus nach Bonn: Wie die Ölsardinen

Am ersten Morgen funktionierte das aber nicht reibungslos. Zwar weisen Aufkleber den Weg zur Ersatzbushaltestelle an der Bonner Straße. Dort stand gegen 8.30 Uhr allerdings der Bus, der seinem Fahrer zufolge erst eine Stunde später fahren sollte. Der für diese Uhrzeit vorgesehene Bus parkte am falschen Bahnhofsausgang. Nach Verwirrung, Wendemanövern und mit Verspätung setzte er sich in Bewegung. Und das völlig überfüllt. Da der Ersatzbus deutlich weniger Plätze als ein Zug der RB26 hat, wurden die Reisenden wie Ölsardinen gen Bonn transportiert.

Der Nahverkehr Rheinland hatte vorab über die stark geänderten Fahrpläne bis in die Nacht auf Montag informiert. Neben den Ersatzbussen zwischen Bonn und Roisdorf fahren Sonderzüge zwischen dem Beueler Bahnhof und Köln. Der Fernverkehr wird zu überwiegenden Teilen ebenfalls über Beuel umgeleitet.

So reagieren Menschen aus der Region im Netz

Auch in den Online-Netzwerken machen sich betroffene Pendler Luft über das Bahnchaos. GA-Leser Frank Schulte kommentierte zum Beispiel auf unserer Facebookseite, dass der ÖPNV in der Region eine Zukunft sei und bliebe. Zudem vermisse er hilfreiche Kommunikation, wenn schon die wenigen Fahrzeuge verspätet unterwegs seien.