Veranstaltung im Basecamp

So war die Manga-Convention "Aikon" in Bonn

Mehr als Verkleiden: Für diese Besucher der ersten Bonner Gay/Lesbian-Manga-Convention ist Cosplay ein Lebensgefühl. Beim Cosplay stellt der Teilnehmer eine Figur – aus Manga, Anime, Comic, Film oder Videospiel – durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.

Mehr als Verkleiden: Für diese Besucher der ersten Bonner Gay/Lesbian-Manga-Convention ist Cosplay ein Lebensgefühl. Beim Cosplay stellt der Teilnehmer eine Figur – aus Manga, Anime, Comic, Film oder Videospiel – durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.

Bonn. Das Basecamp hat seine Tore für die erste Manga-Convention für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender geöffnet. Die "Aikon" soll eine Lücke füllen, die der Weggang der "Animagic" aufgerissen hat.

Ältere werden sich noch an die sonderbaren Gestalten erinnern, die einmal im Jahr ein Wochenende lang die Bonner Innenstadt bevölkerten. Mit ausgefallenen Kostümen, überdimensionierten Waffen und teils merkwürdigem Gebaren liefen sie durch die Straßen und riefen bei manchem Bonner ein Gefühl des Unverständnisses hervor. Dann war die „Animagic“ in der Beethovenhalle, ein Treffen für Manga- und Anime-Fans.

Seit die „Animagic“ wegen der Sanierung der Halle von Bonn nach Mannheim umzog und dort wohl auch bleiben wird, fehlt etwas, das Bonn ein wenig bunter gemacht hat. Das vermissten auch die Betreiber des Basecamps Bonn und riefen zusammen mit den Betreibern der Manga- und Anime-Messe DoKomi ein neues, hierzulande einzigartiges Format ins Leben: die AiKon, eine Manga-Convention für die Gay/Lesbian/Bisexual/Transgender-Szene, kurz GLBT.

Premiere für bislang einzigartiges Treffen

Vor dem Basecamp gab es am Wochenende Streetfood und ein Bälleparadies, drinnen Stände von Zeichnerinnen und Verkäufern, eine Ecke mit uralten Videospielen und ein Bühnenprogramm mit Comedy, Kostümwettbewerb und Bondage-Show. Willkommen war dort jeder Manga-Freund, aber inhaltlich drehte sich vieles um Beziehungsthemen im Sinne von Yaoi, Shonen Ai, Yuri und Shojo Ai (siehe Info).

Unter den Zeichnerinnen war Miya SeParade, die auch das Bühnenprogramm moderierte. Ihre Manga-Geschichten drehen sich um die Mitglieder der japanischen Boy-Band „Black Cranes“ und vor allem um die Beziehung zwischen dem Gitarristen, der ein Weiberheld ist, und dem homosexuellen Schlagzeuger. Sie bemüht sich um einen realistischen Stil und eine anspruchsvolle Story. „Wir wollen, dass der Leser nachvollzieht, was passiert“, sagte die Künstlerin. Ihre Mangas vertreibt sie selbst: Den Verlagen sei das nicht Mainstream genug. „Für mich ist das ein Kompliment.“ Und so habe sie die Freiheit, sich keinen Vorgaben beugen zu müssen.

Sicherer Ort für schwule und lesbische Manga-Fans

Auch Lisa Santrau, Künstlername Lian, hatte einen Stand. Die AiKon gefiel der Zeichnerin, sie sei gemütlicher als die größeren, und familiärer. „Das fühlt sich an wie ein Safespace.“ Ein sicherer Ort für schwule, lesbische und andere Manga-Fans, um ihre Leidenschaft auszuleben. Eine Con für diese Zielgruppe: „Da haben sie wirklich ins Schwarze getroffen.“

Diese Szene hat ihre Foren, dort ein bisschen Werbung, das reichte laut Basecamp-Pressesprecher Thomas Lenz, um innerhalb von 24 Stunden die gut 1000 Tickets an den Mann und die Frau zu bringen. Viele Besucher übernachteten auch in den Wohnwagen, andere kamen nur für einen Tag wie Mika Azatori, Noiz und Anubis Bride, die jenseits ihrer Künstlernamen nicht weit entfernt wohnen. „Es ist klein, aber gemütlich“, fanden sie. Und übersichtlich, anders als zum Beispiel die Animagic in Mannheim. „Das ist zu sehr kommerzialisiert“, findet Mika.

Im Basecamp sind sie allerdings auch weit weg von der Innenstadt, so dass man an diesem Wochenende wenig von dieser Con mitbekam. Und deshalb auch nicht schief angeguckt wurde. Lian wünschte sich, dass diese Manga- und Anime-Fangemeinde gesellschaftlich endlich akzeptiert wird. „Wir sind keine Freaks“, sagte sie. „Wir sind hier, weil es uns etwas gibt.“