Lokaler Einzelhandel statt Online-Shopping

So verlief die Aktion "Heimat shoppen" in der Bonner City

Heimat shoppen: Mitarbeiterin Viktoria Troll überreicht einem Kunden die Einkäufe im Sportgeschäft an der Friedrichstraße in der speziellen Aktions-Tüte.

Heimat shoppen: Mitarbeiterin Viktoria Troll überreicht einem Kunden die Einkäufe im Sportgeschäft an der Friedrichstraße in der speziellen Aktions-Tüte.

Bonn. Die Werbeaktion "Heimat shoppen" für den lokalen Einzelhandel wurde in der Bonner City am Wochenende mit Zurückhaltung umgesetzt.

Tausende Kassenbelege, tausende Tragetaschen, tausende Kunden – nicht außergewöhnlich für einen Samstagmittag in der Bonner Innenstadt. Dennoch wurde eine spezielle Einkaufstüte am Wochenende besonders häufig über den Kassentisch geschoben: "Heimat shoppen" stand auf der weißen Papiertasche, die Apotheker genauso über die Ladentheke schoben wie Mitarbeiter von Bekleidungsgeschäften oder Sanitätshäusern.

Dahinter stand die schon am Freitag gestartete Aktion des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/ Euskirchen und der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (der GA berichtete).

"Heimat shoppen stärkt die Kommunen", hatte IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille zum Auftakt im Bad Godesberger Schuhhaus Schwaeppe erklärt. Jeder ausgegebene Euro nutze der Region und stärke die wirtschaftliche Grundlage des eigenen Ortes. Außerdem bedeute "Heimat shoppen" weniger Umweltbelastung durch weniger Energieverbrauch und weniger Staus.

Adalbert von der Osten, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands, betonte, wie Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie die Lebensqualität und Identität einer Stadt aufwerteten. Als drittstärkster Wirtschaftszweig in der Region sichere der Handel außerdem Arbeits- und Ausbildungsplätze - ausführliche Beratung gebe es im Onlinehandel nicht.

Auch Holger Kandel fiel es am Samstag leicht, die Vorteile vom Shoppen in der Bonner Innenstadt aufzuzählen: "Es geht darum, möglichst kundennah, mit kurzen Wegen, eine große Auswahl an Artikeln zu bieten", sagte der Geschäftsführer von  Intersport an der Friedrichstraße. "Der gemeinsame Familieneinkauf sei ein Einkaufserlebnis, das man im Internet nicht hat." Und die Bonner City habe zudem eine Menge Cafés und Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Auch das Modegeschäft La Créole beteiligte sich. "Aber unsere Kunden wissen eigentlich auch so, dass sie hier besser beraten werden als im Internet, genau deshalb kommen sie ja zu uns", sagte Verkäuferin Anne Bianchi. Wie einige andere Händler hatte das Geschäft die Aktion mit Plakaten, kleinen Ansteckern und den Einkaufstüten beworben. Besonders präsent war die Maßnahme aber nirgendwo in der Stadt.

Im Zentrum fehlen Parkplätze

"Die Innenstadt muss den Kunden ein besonderes Erlebnis präsentieren", hatte Hille die Aktion am Freitag begründet. Doch dabei seien nicht nur die Händler, sondern auch die Politik gefordert. "Die Attraktivierung der Zentren muss auf allen Ebenen ganz oben auf die Agenda."

Dem würde auch Mechthild Westenhöfer zustimmen, zumal die Inhaberin des Spielwarengeschäfts Puppenkönig noch ein drängenderes Problem sieht: "In der Innenstadt müssen dringend die Parkmöglichkeiten verbessert werden - das macht den Händlern am meisten zu schaffen." Belastend seien aktuell etwa die vielen geschlossenen Parkhäuser. Zudem bezweifelte sie, wie wirksam die Werbeaktion ist. "Wir geben zwar Tüten und alles raus, aber ich glaube nicht, dass die Leute dadurch verstehen, dass sie den lokalen Handel unterstützen sollen."