17.000 Euro für den Hauptzug

So teuer sind die Martinszüge in Bonn

Hardtberg/Bonn. Die Planung der Martinszüge erfordert viel Organisation und kostet eine Menge Geld - das meiste kommt durch Losverkauf in die Kasse.

Beim größten Bonner Sankt Martinszug ziehen mehr als 4500 Jungen und Mädchen durch die City. Und es kostet die Münsterpfarrei nach deren Angaben rund 17.000 Euro, diese Veranstaltung am Montag, 12. November, durchzuführen.

Derart hohe Kosten verursachen die Züge in den einzelnen Stadtteilen nicht. Aber dort muss umso mehr mit spitzem Bleistift gerechnet werden, und mitunter bleibt am Ende sogar ein Defizit übrig. In den meisten Orten wurde für die ehrenamtliche Organisation extra ein Martinsausschuss gebildet, in dem sämtliche Fäden zusammenlaufen.

So wie in Duisdorf, wo die Organisation in den Händen der Freiwilligen Feuerwehr liegt, wenn am Donnerstagabend, 8. November, ab 17.45 Uhr der größte Zug des Stadtbezirks Hardtberg läuft - mit rund 2600 Teilnehmern. Der Duisdorfer Martinsausschuss mit Reiner Klingelbiel an der Spitze bekommt von der Stadt einen Zuschuss von 1300 Euro, das reicht jedoch nicht aus.

Die Haupteinnahmequelle ist vielmehr der Martinslosverkauf, den die Kinder der Schulen und Kindergärten jetzt starten und bei dem Preise gesponsert werden. Davon werden dann die mehr als 2000 Wecken für die Kinder finanziert. Alle Überschüsse kommen wiederum den Schulen und Kindergärten zu Gute. Wer die Lose kauft, kann als Hauptpreise dank der Sponsoren ein Fahrrad, ViP-Karten für die Telekom-Baskets und eine Auto-Spritztour für ein Wochenende gewinnen.

Bevor das Martinsfeuer in Duisdorf übermorgen um 18.30 Uhr auf dem Schulhof der Rochusschule abgebrannt wird, teilte die Feuerwehr übrigens mit, dass Sankt Martin alias Daniel Klein auf seinem Schimmel diesmal einen etwas anderen Weg nehmen wird. „Wir lassen diesmal den Engpass in der Katharinen-, Ursula- und Robelstraße aus und gehen die Brunnenstraße runter und über die Weierbornstraße in die Schmittstraße“, teilte Klein mit. Der Rest des Weges bleibt wie gehabt.

Stadt stellt 13.371 Euro zur Verfügung

In Lengsdorf, wo an diesem Mittwoch auch wieder 1100 Kinder durch die Straßen ziehen, wird der Losverkauf ebenfalls durch die Kreuzbergschule organisiert, und es finden Haussammlungen statt. 500 Euro gibt die Stadt Bonn als Zuschuss dazu. Alleine die vier Musikkapellen schlagen aber mit Kosten von rund 1000 Euro zu Buche, der größte Posten sind allerdings die 800 Weckmänner, für die 1300 Euro aufgewendet werden. Und ohne Ehrenamt geht es auch hier nicht, die Zugbegleitung mit zehn Personen wird durch den Ortsfestausschuss gestellt. Unterm Strich kostet der Martinszug rund 3000 Euro.

Kostspielig ist ist mit 3000 bis 4000 Euro auch der Röttgener Zug, bei rund 1500 Teilnehmer erwartet werden. 750 Euro Zuschuss zahlt die Stadt, „ansonsten müssen wir uns um die Finanzierung selbst kümmern“, teilte Stefan Zimmermann vom Vorstand des Festausschusses mit. Auch hier sind vier Kapellen im Einsatz, und jedes Kind bekommt natürlich einen Weckmann. Für die Martinsverlosung verlange das Finanzamt mittlerweile eine behördliche Genehmigung als kleine Lotterie, was zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeute. „Mir persönlich fehlt ein wenig die Unterstützung der Kirche“, so Zimmermann, schließlich habe das Martinsfest einen christlichen Ursprung. Finanziell kommt der Festausschuss in der Regel plusminus Null aus der Veranstaltung raus. Aber wenn der Losverkauf schlecht laufe, müsse der Festausschuss das Defizit auffangen, berichtet Zimmermann.

Auch in Lessenich-Meßdorf summieren sich die Kosten auf rund 3000 Euro, die Stadt steuert 750 Euro bei, der Rest kommt über Sammlungen bei Anwohnern zusammen. „Dieses ist natürlich nicht ganz einfach, da wir ja auch bei uns kaum noch Losverkauf haben“, berichtet Bruno Euskirchen, der sowohl den Martinsausschuss als auch den Ortsausschuss leitet. „Wir schaffen es bisher jedes Jahr und hoffen, dass wir dies auch noch lange weitermachen können.“ Auch in Lessenich-Meßdorf geht das meiste Geld für die Stuten und die Kapellen an.

Weil in Dransdorf der Ortsausschuss lange Zeit nicht aktiv war, hat die Kettelerschule mit Hilfe einiger fleißiger Mütter die Organisation übernommen. Die Finanzierung erfolgt auch hier über den Losverkauf. „Allerdings war dies im vergangenen Jahr schon schwierig“, berichtet Schulleiterin Christina Lang-Winter. „Und in diesem Jahr ist es ein Minusgeschäft, wenn nicht noch jede Menge Lose verkauft werden.“ Aber weil die Schulkinder sich immer sehr auf den Martinszug freuen, investiere sie viele Stunden in diese Tätigkeit. Unterm Strich wendet die Schule rund 2000 Euro für Weckmänner, Musik und Ausleihen des Pferdes auf, von der Stadt Bonn kommen 446 Euro als Zuschuss zurück.

Die größte Zahl der Martinsumzüge findet im Stadtbezirk Bonn statt, dort laufen 27 unterschiedliche Züge. Dafür stellt die Stadt insgesamt einen Beitrag von 13.371 Euro zur Verfügung. Die drei Martinszüge in Hardtberg (Duisdorf, Lengsdorf, Brüser Berg) werden mit 2400 Euro unterstützt.