So soll die Kooperation zwischen Stadt und Kreis funktionieren

Im Kern geht es bei der Entwicklung von interkommunalen Gewerbegebieten um das Verhältnis von Mangel und Überfluss, das idealerweise mit einem Regionalplan ausgeglichen werden kann. Denn: Während in den ländlich geprägten Flächenkommunen des Rhein-Sieg-Kreises das Potenzial längst nicht ausgeschöpft ist, platzt Bonn nicht nur hinsichtlich des Wohnraums, sondern auch bei den Gewerbeflächen aus allen Nähten.

Für Bonn stellt sich die Situation, in konkreten Zahlen ausgedrückt, derzeit wie folgt dar: Die Bundesstadt verfügt derzeit über 19 Gewerbegebiete mit einer Gesamtfläche von 456 Hektar. Die aktuell verfügbaren Reserveflächen sind mit 36,4 Hektar vergleichsweise überschaubar, wie Ulrich Ziegenhagen von der städtischen Wirtschaftsförderung darlegt. Dies gilt umso mehr beim Blick auf den potenziellen Flächenbedarf, der in den nächsten Jahren auflaufen wird. Dieser variiert zwar je nach Berechnungsmethode – hier gibt es verschiedene Modelle; jedoch ergibt sich auf Grundlage ihres Mittelwerts unterm Strich für Bonn ein Flächenbedarf von mindestens 170 Hektar. Diese Zahl setzt bereits voraus, dass es der Stadt gelingt, zusätzlich zur Aufzehrung der Reserveflächen auch sämtliche Potenziale auszuschöpfen. Dies wiederum bedingt, dass die Politik zu entsprechenden planerischen Beschlüssen findet.

Von rund 50, im gesamten Stadtgebiet identifizierten Potenzialflächen kommen nur zehn als künftige Gewerbeflächen in Betracht. Nur vier von ihnen mit einem Gesamtumfang von 44 Hektar könnten kurz- bis mittelfristig entwickelt werden. Im politischen Willensbildungsprozess dürfte ihre Umwidmung aber ein mehr als dickes Brett werden.

Mindestens 170 Hektar würden in Bonn also benötigt, können aber nicht angeboten werden. Hier kommen nun das gemeinsame Gewerbeflächenkonzept für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis sowie der Regionalplan 2035 ins Spiel. Vereinfacht gesprochen, treten Bundesstadt und Landkreis als ein Akteur auf, um einen gemeinsamen „regionalen Bedarf“ anzumelden und Gewerbeflächen auf das Gesamtgebiet streuen zu können. In Absprache mit der Bezirksregierung und festgeschrieben im Regionalplan können auf diesen Grundlagen „Bonner“ Gewerbeflächen im Umland ausgewiesen werden – dies ist der sogenannte Überschwappeffekt. Um das Jahr 2024, so die aktuelle Planung, soll der Regionalplan Rechtskraft erlangen. Die Lasten und Erträge (etwa Bau- und Erschließungskosten und Steuereinnahmen) dieser interkommunalen Gewerbegebiete würden auf Grundlage rechtlicher Verträge geteilt. Als niederschwelligen Zwischenschritt bewertet die Bonner Wirtschaftsförderung die Flächenmobilisierung im stadtnahen Umland, sozusagen „Rücken an Rücken“, wie es nun in Alfter umgesetzt wird. Dass die Stadt dort nicht vom Gewerbesteueraufkommen profitiert, sei nur eine Seite der Medaille, unterstreicht Ziegenhagen: „Man darf dabei beispielsweise nicht außer Acht lassen, dass in diesem Fall die Beschäftigten und ihre Kaufkraft in Bonn verbleiben. Zudem können auf diese Weise auf Bonner Stadtgebiet wieder Flächen frei werden“, sagt der Experte.