"Ich sehe was, was du nicht siehst .."

So sieht die Rechtsmedizin der Uniklinik Bonn aus

In dem Sektionssaal führt Rechtsmediziner Burkhard Madea Obduktionen durch.

In dem Sektionssaal führt Rechtsmediziner Burkhard Madea Obduktionen durch.

Bonn. In unserer Serie "Ich sehe was, was du nicht siehst…" nehmen wir Leser mit an Orte, an die sie sonst nicht kommen. Diesmal schauen wir hinter die Türen der Rechtsmedizin an der Bonner Uniklinik.

Das große Rolltor fährt langsam hoch, zum Vorschein kommen zwei schwarz gekleidete Männer, die eine Trage in den leeren, kühlen und steril wirkenden Raum hineinschieben. Auf der Trage befindet sich ein blauer Leichensack. Die zwei Männer sind Bestatter der Polizei und bringen eine Leiche zur Obduktion in das Gebäude der Rechtsmedizin. Besteht der Verdacht eines nicht-natürlichen Todes, einer ungeklärten Todesursache oder Krankheit wird eine Leiche obduziert. Rechtsmediziner führen die Obduktion von Opfer von Gewaltverbrechen durch, Pathologen im Falle einer todesursächlichen Krankheit. Durch die Öffnung der Leiche sollen Rückschlüsse auf die Todesursache geschlossen werden können.

Das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Bonn befindet sich seit 1962 am Stiftsplatz, nachdem das ehemalige Institut im Klinikviertel durch einen Bombenangriff am 18. Oktober 1944 zerstört wurde. In den Jahren dazwischen mussten die anfallenden Obduktionen in einem Tieroperationssaal durchgeführt werden. Inzwischen wurde das Gebäude am Stiftsplatz durch einen Anbau erweitert, verfügt über einen eigenen Sektionssaal, ein Blutalkohollabor, ein Histologielabor und ein toxikologisches Labor. Dort wird obduziert und geforscht.

Neben den Obduktionen spielt die Lehre eine große Rolle. Neben der Ausbildung von Medizinstudenten werden auch Studenten der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, Pharmazie- und Biologiestudenten sowie Lebensmittelchemiker unterrichtet. Damit die Rechtsmedizin den akademischen Anspruch erfüllt, müssen Lehre, Forschung und Dienstleistungen gleichwertig bedient werden.

An einem Tag führt Institutsleiter Burkhard Madea bis zu vier Obduktionen durch. Wie lange eine einzelne Obduktion dauert, hängt vom Verletzungsgrad der Leiche ab. "Ich habe mal eine Leiche mit 90 Messerstichen obduziert, da brauchte ich mir für den Rest des Tages nichts mehr vorzunehmen", erzählt Madea. Während der Obduktion muss jeder Schritt genau protokolliert und dokumentiert werden. Die fertigen Berichte lagern dann im Keller des Instituts, einem ehemaligen Atombunker, in dem sich noch immer Dokumente aus den 1960er Jahren befinden.

 

Die Serie Ich sehe was, was du nicht siehst... gewährt Lesern Eindrücke von Orten, an die sie sonst nicht kommen. In dieser Folge geht es in das Institut für Rechtsmedizin der Uni Bonn.