Bäume verlieren Rinde

So reagieren Bäume auf anhaltende Hitze und Trockenheit

Bonn/Region. Wo man hinschaut, sieht man in Bonn und der Region derzeit viel Rinde vor allem der Platanen am Boden liegen. Doch die Bäume sind weder krank, noch liegt es unbedingt an der anhaltenden Hitze.

Nicht nur den Menschen macht das warme Wetter zu schaffen, auch die Bäume leiden unter der Trockenheit. Um genügend Wasser in die Blätter zu transportieren, muss der Baum viel Kraft aufwenden. Anzeichen dafür sind hängende Blätter. Reicht das Wasser und die Kraft des Baumes nicht aus, werfen sie Blätter, Früchte oder gleich ganze Äste ab. Dieses Phänomen nennen Botaniker Absprünge, auf die sich die Pflanzen gut vorbereiten.

Sinkt die Wasserleitfähigkeit der Bäume unter 40 Prozent, stirbt der Baum. Doch selbst wenn es dazu nicht kommt, leidet der Baum im Folgejahr noch unter den Folgen der Trockenheit. Durch die verkürzte Vegetationszeit können die Bäume keine Reserven aufbauen und haben verkürzte Triebe und verringerte Blattmassen. Dies macht sie anfällig für Schädlinge und Witterungsstress.

Verlust der Rinde

Einige Bäume in Bonn und der Region verlieren derzeit mit teils lautem Knacken große Teile ihrer Rinde. Sind die Bäume etwa krank oder macht ihnen die anhaltende Trockenheit zu schaffen? Rolf Dung von der Stadt Bonn gibt Entwarnung. Dieser Prozess finde regelmäßig statt. Die Platane stößt alle drei bis vier Jahre den abgestorbenen Teil ihrer Rinde ab und verliert ihn. Die anhaltende Trockenheit sei nicht ursächlich.

"Das Abstoßen der Borke ist eine Reaktion der Bäume auf ihr Dickenwachstum", so Dung. "Im Lauf mehrerer Jahre entsteht durch das Dickenwachstum eine Spannung auf den äußeren Borkenschichten." Irgendwann sei diese Spannung so groß, dass die Borke weggedrückt wird.
"Andere Baumarten machen das auch, nur ist es da häufig sehr unauffällig, weil nur sehr kleine Borkenschuppen abgestoßen werden. Das Ganze ist ein völlig natürlicher Vorgang, der sich unregelmäßig alle paar Jahre wiederholt", sagt Dung.

In Bonn gibt es rund 30.000 Bäume an den Straßen. Ungefähr 4200 davon sind Platanen. Diese Baumart entstand aus der Kreuzung einer asiatischen und einer amerikanischen Art. Auch wenn das Abwerfen der Rinde nicht aufgrund der Trockenheit passiert, leiden viele Straßenbäume aktuell unter dem fehlenden Regen. Anwohner sollten daher zur Gießkanne greifen, rät Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen in Berlin. „Wenn ein Straßenbaum Glück hat, hat er zwölf Kubikmeter gute Erde zur Verfügung. Darunter und daneben nur Geröll und Steine.“ Er kann also seine Wurzeln nicht weit genug verzweigen, um sich auch bei langanhaltender Trockenheit ausreichend mit Wasser zu vorsorgen.

Doch wie viel muss man einem ausgewachsenen, 20 Meter hohen Baum geben? „Das müssten schon 100 Liter sein“, sagt Guhl. „Aber auch schon 20 Liter - also zwei volle Gießkannen - bringen was. Selbst ein wenig Wasser ist besser als nichts.“ Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt, Straßenbäume einmal pro Woche mit acht bis zehn Eimern Wasser zu gießen.

(mit Material von dpa)