Ausbau der B9, Hochhäuser und Seilbahn

So plant Bonn die Zukunft des Regierungsviertels

BONN. Es liegt ein erster Vorschlag auf dem Tisch, wie die Zukunft des ehemaligen Regierungsviertels aussehen könnte. Im Fokus: Neue Hochhäuser, der Ausbau an der B9 und der Bau einer Seilbahn.

Die Stadt hat nun erste Ergebnisse einer Rahmenplanung für das ehemalige Regierungsviertel vorgestellt, die der Stadtrat in Auftrag gegeben hatte. Die vier Büros Cityförster (Hannover), DeZarteHond (Köln), Reicher Haase Assoziierte (Aachen) und Urban Catalyst (Berlin) haben sich im August drei Tage lang in einer Planungswerkstatt intensiv mit der städtebaulichen Zukunft dieser prosperierenden Gegend im Wandel beschäftigt.

Durchgesetzt hat sich letztlich das Unternehmen Cityförster mit der Vision, eine Mischung aus Arbeitsplätzen und Wohnraum zu schaffen. Eine Jury, der Professor Rolf Westerheide, Vorsitzender des Bonner Städte- und Gestaltungsbeirats, vorsaß, hatte über die Vorschläge befunden. Die Hannoveraner Planer verfolgen mit ihren Ideen das Ziel, das frühere Bundesviertel mit Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangeboten außerhalb der Arbeitszeiten zu beleben. Einen Bürostandort übrigens, an dem es heute schwer ist, an Lebensmittel des täglichen Bedarfs zu gelangen.

„Ich habe die Hoffnung, dass weitere Hochpunkte möglich sind. Wir müssen uns nun gemeinsam mit den Bürgern Gedanken machen, wo wir hin wollen“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Ob, so Sridharan, 100-Meter-Bauten sinnvoll seien oder doch eher niedrigere. Die Nachfrage für Büroräume sei groß. Stadtbaurat Helmut Wiesner sprach davon, dass die Stadt 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche pro Jahr vertragen könne.

Platz für neue Wolkenkratzer

Cityförster hat ein Modell entwickelt und nimmt darin ein großes Gebiet in den Blick. Es reicht in seiner Ost-West-Ausdehnung vom Rheinufer bis hinter die Bahnschienen der Deutschen Bahn einerseits und andererseits in seiner Nord-Süd-Ausdehnung vom Ersatzbau für das Bonn-Center bis hin zur Kennedyallee. Die Planer haben ihre Vorstellungen davon, wo zusätzliche Bauten oder Wolkenkratzer entstehen könnten, eingebracht.

Ein Beispiel von vielen: An der Kreuzung B 9/Autobahn 562 könnten zwei Hochhäuser entstehen – auf der Freifläche neben den Telekom-Bestandsbauten und auch gegenüber auf dem Areal des ehemaligen Landesbehördenhauses. Auch der Ausbau von Grünflächen, das Anlegen pulsierender Plätze und das Öffnen von Kantinen für jedermann gehören zu den Leitlinien der Planer.

Nadelöhr der B9 soll ausgebaut werden

Die B9 ist zu den Hauptverkehrszeiten ein Nadelöhr. Cityförster sieht den Ausbau von Rad- und Fußgängerwegen (für Menschen, die im Viertel leben und arbeiten) als zukunftsweisend. In seine Betrachtung hat das Büro auch den möglichen Bau einer Seilbahn einfließen lassen, der Beuel, UN-Campus und Venusberg verbinden könnte. „Wir sehen viel Potenzial in einer Seilbahn“, betonte Wiesner. Es sei von großer Bedeutung, den Autoverkehr „zumindest einzudämmen“.

Die Ergebnisse der Werkstatt stellt die Stadt Bürgern und Arbeitgebern im Bundesviertel vor. Der Städtebau- und Gestaltungsbeirat berät darüber am Donnerstag, 11. Oktober, ab 14 Uhr im Stadthaus, Sitzungsraum 1. Danach werden sämtliche Entwürfe der vier Büros im Stadthaus ausgestellt.

Ende November und Anfang Dezember ist jeweils eine Informationsveranstaltung für Bürger und Unternehmen vorgesehen. Im Laufe dieses Beteiligungsprozesses überarbeitet Cityförster Rahmenplanung und Leitlinien. Der Rat soll sie dann beschließen und als Grundlage für kommende Bauplanungen nehmen.