Frau und Sohn ermordet

So lief der siebte Verhandlungstag zum Doppelmord von Duisdorf

Der Angeklagte Marc S. sitzt am ersten Prozesstag vor dem Bonner Schwurgericht zwischen seinen Verteidigern Andre Birkner (links) und Mustafa Kaplan (rechts) auf der Anklagebank.

Der Angeklagte Marc S. sitzt am ersten Prozesstag vor dem Bonner Schwurgericht zwischen seinen Verteidigern Andre Birkner (links) und Mustafa Kaplan (rechts) auf der Anklagebank.

Bonn. Im Prozess zum Doppelmord in Duisdorf berichtet die Mutter des besten Spielkameraden von Niklas über das besondere Verhältnis der beiden. Der Angeklagte, der Vater von Niklas, zeigt auch am siebten Verhandlungstag keine Regung.

Niklas (11) und Florian (12) waren beste Freunde. „Best friends“ (BF), so nannten sie sich am Telefon, auch in den App-Nachrichten. Begegnet waren sich die Kinder auf einer Insel im Nintendo-Spiel „Animal-Crossing“. Das ist bereits fünf Jahre her. Damals war Florian sieben und Niklas sechs Jahre alt. „Seitdem gab es keinen Tag, an dem sie nicht miteinander gespielt haben“, erzählte am Donnerstag Florians Mutter als Zeugin im Bonner Doppelmord-Prozess. Am 16. September 2016 hatten die beiden Kinder das letzte Mal Kontakt.

Wie immer haben sie dem BF Gute Nacht gesagt. Bei diesem Telefonat – es war genau 19.35 Uhr – waren die „Jungs albern, aufgekratzt und machten nur Blödsinn“, erinnerte sich Florians Mutter. Am nächsten Morgen, als Florian seinen Freund wie immer kontaktieren wollte, war er nicht mehr zu erreichen. Niklas war bereits tot, mit einem USB-Kabel in seinem Kinderbett erdrosselt. Aber erst am Sonntag, 18. September, wurden der Elfjährige und seine 48-jährige Mutter, ebenfalls erdrosselt, in ihrer Wohnung in Duisdorf, gefunden.

Staatsanwaltschaft vermutet Habgier als Motiv

Der Mann, der sich wegen zweifachen Mordes vor dem Bonner Schwurgericht verantworten muss, schweigt weiter. Auch am siebten Verhandlungstag zeigte er – trotz der anrührenden Freundschaftsgeschichte zwischen Florian und seinem Sohn Niklas – keinerlei Regung. Laut Anklage soll der 47-Jährige seine Familie aus Habgier getötet haben.

Demnach soll der spielsüchtige Mann aus einem Schrank im Kinderzimmer 15.000 Euro entwendet haben, die seine Lebensgefährtin in einer Nähschachtel versteckt hatte. Entweder, so der Ankläger, habe er seine Familie getötet, um den Diebstahl zu ermöglichen oder um ihn zu verdecken.

Mutter kann nicht in den Gerichtssaal

Florians Mutter wurde am Donnerstag audiovisuell vernommen. Die Zeugenaussage der 48-Jährigen, die wegen eines Rückenleidens nicht reisefähig ist, wurde direkt aus dem Landgericht Itzehoe in den Bonner Schwurgerichtssaal übertragen. „Florian hat bitterlich geweint, als Niklas nicht mehr geantwortet hat“, erzählte sie. Immer wieder hätten sie versucht, Mutter und Sohn zu erreichen. Aber die Nachrichten kamen nicht mehr an. „Ich dachte zunächst, dass Niklas im Krankenhaus liegt.“

Denn der Elfjährige litt seit seiner Geburt an einer Darmerkrankung und musste mit einer Sonde künstlich ernährt werden. Erst nach zwei Tagen erhielt Florians Mutter von einer Nachbarin im Todeshaus die „furchtbare Nachricht“. „Nur einmal sind sich Florian und Niklas begegnet“, erzählte die Zeugin. Im August 2015, auf dem Weg aus Bayern nach Hause, hätten sie in Bonn gestoppt und übernachtet. Als die Best Friends am nächsten Morgen Abschied nehmen mussten, gab es viele Tränen. „Die beiden liebten sich über alles.“