Arbeitskreis Schulschwimmen

So lange brauchen Bonner Schüler zu den Schwimmbädern

Frankenbad

Frankenbad

Bonn. Die Gegner des Wasserlandneubaus in Bonn kritisieren, dass viele Schüler längere Anfahrtswege hätten als zu den Stadtteilbädern. Stimmt das?

Mit dem Bau des neuen Schwimmbads im Wasserland sollen vor allem die Bonner Schulen eine moderne Schwimmstätte für den Sportunterricht erhalten. Die Befürworter des Bürgerentscheids argumentieren jedoch, dass für viele Klassen der Fahrtweg nach Dottendorf deutlich länger werde als zu den bisher genutzten Stadtteilbädern. „Die Kinder verbringen auf der Fahrt zum Zentralbad mehr Zeit im Schulbus als im Schwimmbecken“, heißt es in einem Informationsflyer des Bürger Bund Bonns zum Bürgerentscheid.

Der GA hat die durchschnittlichen Anfahrtswege und Fahrzeiten der Schulen zu den Schwimmbädern recherchiert (siehe Grafik) und den Verkehr jeweils um 8.30 Uhr morgens berücksichtigt. Die Daten beziehen sich auf die Fahrt pro Teilstrecke und wurden dabei jeweils gemittelt. Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass die Stadt nicht alle Schulen in dem geplanten Wasserlandbad unterbringen will. Schulen im Norden sollen beispielsweise das Bad der Schwimm- und Sportfreunde Bonn (SSF) am Sportpark Nord weiter nutzen dürfen, die im Süden das derzeit defekte Lehrschwimmbecken im Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG). Nicht alle aufgeführten Schulen werden also die Anfahrtswege zum Wasserlandbad in Kauf nehmen müssen.

Bisher nutzen die Schulen im Norden hauptsächlich das Frankenbad sowie das Bad am Sportpark in der Kölnstraße. Im Süden ist die Lage schlechter: Die Gemeinschaftsgrundschule Heiderhof hat für ihren Schwimmunterricht in der Vergangenheit das von der Stadt aus Sicherheitsgründen geschlossene Kurfürstenbad und das Lehrschwimmbecken im Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) nutzen können. Seit einem halben Jahr findet jedoch kein Schulschwimmen mehr statt, da das Becken am KAG wegen einer defekten Filteranlage ebenfalls gesperrt ist.

 

Als Alternativen hatte die Stadt vor der Schließung des Kurfürstenbades den Sportpark Nord sowie das Hallenbad in Wachtberg angeboten. „Der Sportpark Nord ist für uns nicht machbar“, erklärt Schulleiterin Susanne Knop. In Wachtberg standen nur noch Zeiten außerhalb des Unterrichts zur Verfügung. Beides keine guten Alternativen, findet Knop: „Für uns ist es besser, wenn der Weg nicht so weit ist.“ Der Bustransfer zum KAG sei mit fünf bis zehn Minuten Fahrzeit ideal, auch das Verkehrsaufkommen im Gegensatz zur Fahrt zum Dottendorfer Bad überschaubar. Nach GA-Berechnungen liegt die Wegstrecke bei knapp acht Kilometern, für die man 15 Minuten braucht. Für den Schwimmunterricht der Grundschule stehen pro Woche zwei Stunden für die dritten Klassen auf dem Stundenplan.

Die reine Zeit im Wasser betrage selbst bei kurzen Wegen 30 bis 45 Minuten, erklärt Knop. Aber die Schule würde auch längere Wege in Kauf nehmen, um den Schwimmunterricht überhaupt anbieten zu können. Die Bernhardschule im nördlichen Ortsteil Auerberg ist zurzeit zufrieden. Nach Auskunft der Schulleitung stünden ausreichend Schwimmstunden am Frankenbad und Sportpark Nord zur Verfügung.

Arbeitskreis Schulschwimmen feilt an Organisation

An der künftigen Organisation des Schulschwimmens, also welche Schulen wann und wo üben können, feilt derzeit der Arbeitskreis Schulschwimmen. Zusammen sitzen dort Verwaltung, Bonner Schwimmverband, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und Fachberater der Schulen. Sowohl die Gegner eines neuen Bades als auch die Stadtschulpflegschaft, die keine Wahlempfehlung für den Bürgerentscheid ausspricht, kritisieren, dass noch keine fertige Planung mit Anfahrtszeiten auf dem Tisch liegt. Es gibt in diesen Reihen zudem Zweifel an der Aussage der Stadt, im neuen Bad könnten elf Klassen gleichzeitig im Schwimmen unterrichtet werden. Dazu sagte Ute Pilger, Vorstandsmitglied der SSF und erfahrene Schwimmtrainerin: „Das wäre vielleicht möglich, aber eine Belegung mit acht Schulklassen wäre optimal.“ Ziel des Arbeitskreises, dem sie angehört, sei es auch, das „Schulschwimmen anders zu organisieren“. Es müssten Klassen durchmischt werden, die aus Schwimmern und Nichtschwimmern bestünden. Denn es sei, so Pilger, durchaus sinnvoll, Nichtschwimmer an den Außenbahnen zu unterrichten, damit sie sich am Beckenrand festhalten können.