GA-Serie "Bonn baut"

So geht es mit dem Zurich-Areal weiter

BONN. Die Stadt bereitet für das Zurich-Areal das Bebauungsplanverfahren vor. Die Corpus Sireo GmbH hat das 23.000 Quadratmeter große Gelände in bester Südstadtlage gekauft. Ende 2019 will der Versicherer seinen Neubau in Deutz beziehen.

Der erste Spatenstich für den Neubau in Deutz ist längst erfolgt, die Bodenplatte schon gegossen. Am 27. Juni wird der Grundstein gelegt, und Ende 2019 sollen die rund 1500 Mitarbeiter der Zurich-Versicherung (ehemals Deutscher Herold) in Bonn ihre Kisten packen und mit ihren 1500 Kölner Kollegen die neuen Büros auf dem Messegelände in der Domstadt beziehen. Das ist jedenfalls der aktuelle Plan. Zukunftsmusik sind dagegen immer noch die Pläne, wie es mit dem alten Zurich-Standort in der Bonner Südstadt weitergeht. Die Stadt hätte dem Konzern gern einen neuen Standort im Bundesviertel vermittelt, im Gespräch war dabei unter anderem das Areal am gesprengten Bonn-Center, wo Neubauten entstehen werden.

Die Projektentwicklung für den Kölner Neubau hat die Arge Strabag/ECE übernommen. Die bessere verkehrliche Anbindung Kölns an die ICE-Strecke in Richtung Frankfurt und an die Autobahn habe eine große Rolle bei der Vorstandsentscheidung für die Zusammenlegung beider Standorte in der Domstadt gespielt, erklärte Zurich-Sprecher Bernd Engelien, der nun das Neubauvorhaben in Köln eng begleitet.

Für den Bonner Standort zwischen Poppelsdorfer Allee, Bonner Talweg, Heinrich-von-Kleist-Straße und Prinz-Albert-Straße hat die Versicherung im August 2016 ein Wettbewerbsverfahren durchgeführt, bei dem das Kölner Architekturbüro Astoc als Sieger hervorgegangen war. Die Entwürfe wurden von dem Käufer des kompletten Zurich-Areals sowie des Bürohauses an der Rabinstraße – Corpus Sireo GmbH, eine eigenständige, 100-prozentige Gesellschaft der Swiss Life Investment Management Holding AG – übernommen. Der Entwurf sieht der Planungsverwaltung zufolge eine Mischnutzung aus Wohnen, Hotel und Büros für Dienstleister und möglicherweise auch für die Universität vor. Der Schwerpunkt liege aber auf Wohnungen.

An die 1949 und 1959 errichteten einstigen Hauptverwaltungsgebäude der Zurich schließen sich Anbauten aus den 1970er und 1980er Jahren an, die von der Poppelsdorfer Allee bis zur Heinrich-von-Kleist-Straße reichen. Sie sind stark sanierungsbedürftig. Sie entsprechen nicht mehr den heutigen energetischen Standards, sodass sie abgerissen werden.

„Die Planung wird derzeit für das Bebauungsplanverfahren konkretisiert“, teilte Stefanie Zießnitz vom städtischen Presseamt auf GA-Nachfrage mit. Vor rund einem Jahr sei der Aufschlag gemacht worden mit der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit zur Aufstellung eines Bebauungsplans über eine Bürgerversammlung und die Auslage der Planunterlagen. Demnach können auf dem 23 000 Quadratmeter großen Gelände bis zu 200 Wohneinheiten entstehen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass dort auch geförderter Wohnungsbau entstehen wird. „Derzeit wird das Areal als Altfall gesehen, sodass nicht ganz die vom Bonner Stadtrat beschlossene Quote von 30 Prozent erreicht wird“, sagte Zießnitz.

Im Inneren des Areals sei entsprechend des Siegerentwurfs eine verdichtete Wohnnutzung um einen Hof vorgesehen. Des Weiteren könnten der vergangenes Jahr unter Denkmalschutz gestellte und 1949 errichtete Herold-Riegel sowie das sogenannte, ebenfalls denkmalgeschützte Schlösschen an der Poppelsdorfer Allee der Universität als Bürogebäude dienen. Der Rest des Areals werde für Wohnbebauung und eine Kita genutzt.

Wie viele zusätzliche Parkplätze anschließend noch erforderlich sein werden, ist auch noch nicht ganz klar. Zurzeit stehen der Stadt zufolge 90 Plätze in der Garage unterhalb des Hotels Bristol und noch einmal 470 Plätze in der Tiefgarage an der Poppelsdorfer Allee zur Verfügung. Der Bedarf an Stellplätzen und der Erhalt der Tiefgarage würden im weiteren Verfahren geprüft. Und wie geht es mit dem Gebäude der Zurich an der Rabinstraße weiter? Laut Zurich-Sprecher Bernd Engelien wird die Versicherung die dort ansässige Bonner Akademie Ende des Jahres schließen. Davon betroffen seien rund 80 Mitarbeiter. „Wir wollen uns künftig auf unser Kerngeschäft konzentrieren“, erklärte Engelien. Man habe zuvor mehrere Gespräche mit potenziellen Käufern geführt – die blieben jedoch ergebnislos.

Möglicherweise könnte die Stadt Bonn Nachmieterin werden: Denn im Zuge der Überlegungen zur Instandsetzung des Stadthauses habe die Verwaltung diverse Unterbringungsoptionen überprüft. „Unter anderem ist auch das Zurich-Gebäude an der Rabinstraße Teil dieser Überlegungen“, sagte Zießnitz. Wie und wann allerdings das fast 50 Jahre alte, an vielen Stellen marode Stadthaus saniert wird, stehe indes noch nicht fest.

Derweil dürfen einige Mitarbeiter der Zurich in ihren alten Gebäuden schon einmal testen, wie die neuen Büros in Köln aussehen könnten. „Wir haben jeweils einem Trakt in Bonn und Köln die neuen Büros nachgebaut und prüfen nun, welche Verbesserungen nötig sind “, sagte Engelien.