Fünfjähriges Mädchen

So geht es dem Bonner Frühchen Ariane heute

Bonn. Vor fünf Jahren kam die kleine Ariane aus Bonn drei Monate zu früh auf die Welt. Für ihre Eltern folgte eine emotionale Achterbahnfahrt. Inzwischen aber ist Ariane ein ganz normales Mädchen. Ein Besuch bei ihrer Familie.

Lässig betritt Ariane das Wohnzimmer. Die Fünfjährige blickt sich kurz um, ignoriert den Fremden, der mit ihren Eltern am Tisch sitzt, und schnappt sich ein Spielzeughandy. Sie drückt es ans Ohr und beginnt, während sie zurück in ihr Kinderzimmer geht, einen kecken Telefongespräch-Monolog. Dass der Fremde ihretwegen gekommen ist und sie schon vor fünf Jahren für einen Bericht im Bonner General-Anzeiger kennengelernt hat, weiß Ariane nicht.

Dass sie ein Frühchen ist, weiß sie auch noch nicht. „Irgendwann wird der Moment kommen, in dem man das ein bisschen anders thematisiert“, sagt ihre Mutter Anja Stevens. Aber dafür sei es noch zu früh. „Wenn wir Babyfotos angucken, lassen wir natürlich die aus, wo noch alles voller Kabel und Schläuchen ist. Auch um sie in dem Moment noch ein bisschen in der Illusion zu lassen, dass sie ein ganz normales süßes Baby war, das alles ganz normal gemacht hat wie andere Babys auch.“ Ariane kam 2013 drei Monate vor der errechneten Zeit auf die Welt und verbrachte diese Monate auf der Intensivstation der Kinderklinik des Universitätsklinikums Bonn.

In dieser Zeit standen ihre Eltern nahezu ununterbrochen unter Strom zwischen der Freude über den Nachwuchs und der Sorge, dass sich dessen Zustand plötzlich verschlechtern könnte. Langzeitzimmer im Hotel Kanzler, jeden Tag auf der Station in der Klinik gegenüber. Sie lernten, in kleinen Schritten zu denken, von Stunde zu Stunde. Nach fünf Monaten teilte ihnen Andreas Müller, Leiter der Frühgeborenenstation und auch heute noch eine enge Bezugsperson, mit, dass Ariane stabil ist und endlich nach Hause darf.

Hygiene als oberstes Gebot

Überstanden war die emotionale Achterbahnfahrt da aber noch nicht. Händewaschen, ständige Hygiene halten und putzen, immer erstmal die Hände desinfizieren, wenn man die Wohnung betritt. „Wir haben die erste Zeit auch nur Mundschutz zu Hause getragen“, erzählt Vater Jens Stevens. Lange Zeit gab es keinen Kontakt zu anderen Kindern und auch nur den nötigsten zur Verwandtschaft. „Das erste Jahr war schon geprägt von großen Ängsten“, erinnert sich Arianes Mutter. „Man kann sie nicht immer unter einer Käseglocke haben. Aber im ersten Jahr haben wir die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, dass auch die Lunge gesund nachreifen kann. Und jede Bronchitis reißt das gut Gewachsene ein.“

Daheim hatten sie nicht mehr die Sicherheit der Intensivstation. Zu ihrem Glück kam Hava regelmäßig vorbei. Die Intensivkrankenschwester vom Bunten Kreis, die auch in psychologischer Nachsorge geschult ist, hatte zum Beispiel die speziell auf Ariane abgestimmte Medikation im Blick, koordinierte Termine, kümmerte sich um bürokratische Notwendigkeiten, unterstützte die Eltern in der permanenten Ausnahmesituation und beruhigte sie.

Bunter Kreis als große Hilfe

Wichtig war die neurologische Entwicklungsuntersuchung nach zwei Jahren, die jedes Frühchen durchmacht, sagt Anja Stevens. „Dass ein Kind eventuell eine Verzögerung hat, ist ja fast immer gegeben bei Frühgeburten. Aber wichtig ist ja, dass man das sehr früh erkennt und daran ansetzt mit den entsprechenden Therapien.“ Bei Ariane ging das gut aus, die Frühgeburt hatte keine Nachwirkungen.

Den Bunten Kreis hatten die Stevens schon auf der Station kennen- und seine Arbeit schätzen gelernt. „Mit diesem Thema psychosoziale Nachsorge weiß man ja nicht immer etwas anzufangen, weil man sich das nicht so richtig vorstellen kann, wie das eventuell sein kann, wenn man mit einem kranken Kind entlassen wird, oder mit einem zu früh geborenen.“ Durch die persönliche Beziehung zum Bunten Kreis, speziell auch zur Vorsitzenden Inka Orth, kam ihr Engagement: Sie engagieren sich als „Botschafter des Bunten Kreises“, helfen bei Spendensammlungen und machen auf die Organisation aufmerksam. Und sie bieten sich als Ratgeber für andere Eltern in ihrer Situation an.