Baugebiet in Röttgen

Skurriler Streit um Straßennamen

Das Baugebiet am Hölder im Norden von Röttgen: Die Erschließungsarbeiten laufen, auf der Fläche sollen ab Frühjahr 2014 rund 280 Wohnungen entstehen.

RÖTTGEN. An dieser Frage scheiden sich gehörig die Geister: Welche Namen sollen die neuen Straßen im Röttgener Baugebiet am Hölder bekommen? Die von verstorbenen Bundespolitikerinnen oder die von ehemaligen Ortsgrößen? Darüber entbrannte am Dienstagabend in der Bezirksvertretung Bonn ein skurriler Streit, an dessen Ende Frust stand.

Von "einseitigen Vorschlägen" sprach Herbert Spoelgen (SPD), wenn am Ende nach jedem Kneipenwirt und Pfarrer eine Straße benannt werde, was prompt den Widerspruch von Joachim Stamp (FDP) provozierte. "Ich bin erstaunt, in welchem arroganten Ton hier mit den Vorschlägen umgegangen wird", sagte er.

Denn schließlich hatte der Festausschuss aus Röttgen die Aufforderung ernst genommen, Vorschläge einzureichen. Am Ende blieben drei davon übrig, nämlich Franz Stephan Ostler, Karl Zimmermann und Hermann-Josef Bremer - also drei ehemalige Röttgener Bürger (siehe "Um diese Namen geht es").

Doch mit Stimmen von SPD, Grünen und Linken wurde beschlossen: Der Hölder wird weiblich, denn die Straßen bekommen die Namen besagter Politikerinnen. Die Liste abzuarbeiten und Frauen zu bevorzugen, wurde als Grund dafür angegeben. "Wir haben uns nicht umsonst auf dieses Verfahren geeinigt", meinte Hartwig Lohmeyer (Grüne), während Stamp wiederum konterte: "Erst die Ortsgremien in Röttgen beteiligen und sie dann abbügeln, so kann man mit den Leuten nicht umgehen."

Auch bei der CDU ärgerte man sich, dass nicht wenigstens ein Mix aus den Namen Berücksichtigung fand. "Die Straßenbenennungsliste ist so lang, dass sie gar nicht abzuarbeiten ist", warf Arno Hospes ein. Dass alle diese Namen auf Straßenschildern verewigt werden könnten, würden seine Kinder nicht erleben, meinte er.

Und Stephan Post (CDU) stellte sich die Frage: "Warum soll man eigentlich nicht den Gastwirt des Ortes für einen Straßennamen berücksichtigen?" Am Ende der Diskussion hatte Gustav Hecker, Vorsitzender des Festausschusses Röttgen, genug von dem Gezänk. Er stand auf, verließ den Saal und murmelte: "Das ist also Demokratie." Er fühlte sich und das Meinungsbild im Ort schlichtweg übergangen.

Um diese Namen geht es bei dem Streit

Laut der städtischen Straßenbenennungsliste wären eigentlich "dran": Hedwig Dransfeld, Marie-Elisabeth Lüders, Susanne Miller, Frieda Nadig, Elisabeth Schwarzhaupt, Hildegard Wegscheider-Ziegler und Helene Wessel. Es sind allesamt Politikerinnen, die bundesweit wirkten, aber mit Bonn - wenn überhaupt - nur am Rande zu tun hatten. Der Festausschuss Röttgen und Joachim Stamp (FDP) hatten vorgeschlagen:

Franz-Stephan Ostler (1716-1782) war kurkölnischer Forstmeister und vermutlich der einzige Bewohner des Schlosses Herzogsfreude, außerdem ein Freund des Kurfürsten Clemens August sowie des Komponisten Ludwig van Beethoven. Ihm sind die sternförmig angelegten Waldwege zu verdanken, die bis heute den Ort prägen.

Karl Zimmermann (1890-1975) war Landwirt, Bürgermeister und Heimatforscher in Röttgen. Er gründete im Ort die bis heute bestehende Sterbe-Notgemeinschaft. Während der Kriegstage stellte er den Keller seines Hauses den Röttgener Bürgern als Schutzraum zur Verfügung.

Hermann-Josef Bremer (1929-1996) war Pfarrer der katholischen Kirche Christi Auferstehung und setzte sich stark für die Jugendarbeit ein. Mit ihm wird das Jugendzeltlager verbunden, das es bis heute gibt, außerdem der Andheri-Basar, der unter seiner Leitung ins Leben gerufen wurde, und auch die Kirmes. Die Haustüre seines Pfarrhauses ließ Bremer demonstrativ stets offen stehen.