Kommentar zu "Urban Soul"

Skurrile Bedenken

Die Maximilianstraße, Teil des Bonner City-Rings vor dem Hauptbahnhof, soll Anfang nächsten Jahres für drei Monate gesperrt werden. (Archivfoto)

Die Maximilianstraße, Teil des Bonner City-Rings vor dem Hauptbahnhof, soll Anfang nächsten Jahres für drei Monate gesperrt werden. (Archivfoto)

Die Sichtweise der Bezirksregierung, der alte Fluchtlinienplan auf dem Nordfeld sei weiterhin gültig, wirkt formalistisch. Zumal die Kölner Aufsichtsbehörde seinerzeit den Planfeststellungsbeschluss für die U-Bahn genehmigt hatte.

Nicht nur für den Planungslaien, sondern offensichtlich auch für Experten wie Stadtbaurat Helmut Wiesner ist das schon eine skurrile Geschichte, die sich da gerade im Zusammenhang mit dem geplanten Hotelneubau von „Urban Soul“ abspielt: Ein sogenannter Fluchtlinienplan von 1926! hat die Bezirksregierung Köln auf den Plan gerufen und Bedenken bei deren Fachleuten ausgelöst. Mit ihrer formalistischen Sichtweise zwingt die Behörde nun als obere Bauaufsicht die Stadt Bonn, einen Verwaltungsaufwand zu betreiben, auf den die Stadt in Anbetracht ihrer ohnehin vielen Aufgaben verständlicherweise gut und gerne hätte verzichten können. Man hört in Köln geradezu den Amtsschimmel wiehern.

Doch Zeit, um sich mit der Bezirksregierung lange über das Thema zu streiten, hat die Stadt Bonn nicht. Schließlich sind die Vorbereitungen für das Bauprojekt „Urban Soul“ bereits voll im Gange und eine Verzögerung könnte unter Umständen für die Stadt sogar teure Folgen haben – Stichwort Regress. Aber das ist der Verwaltung nicht vorzuwerfen. Ihre Gründe, warum sie den alten Fluchtlinienplan nicht längst hat aufheben lassen, klingen jedenfalls plausibel: Immerhin hat dieselbe Bezirksregierung den Planfeststellungsbeschluss für die U-Bahn in dem Bereich genehmigt, und damals hat offensichtlich kein Hahn nach dem Fluchtlinienplan von anno dazumal gekräht.

Somit konnte die Stadt durchaus davon ausgehen, dass diese Fluchtlinien obsolet sind. Schließlich sah die Planfeststellung für die U-Bahn zahlreiche Abweichungen von dem Fluchtlinienplan vor. Mit diesem Plan stimmt, so die Stadt, nur noch das Sparkassengebäude an der Thomas-Mann-Straße überein.

Anderseits: Wer weiß, wozu das Ganze doch gut ist? Angesichts wachsender Klagefreudigkeit einiger Zeitgenossen zahlt sich der Verwaltungsaufwand am Ende vielleicht doch noch aus.....