Interview mit Satire-Duo Simon & Jan

Simon & Jan kommen zurück ins Pantheon

Das Duo Simon & Jan, das sind mit Simon Eickhoff (Jahrgang 1980/Foto links) und Jan Traphan (Jahrgang 1981) zwei Oldenburger, die sich beim Musik-Lehramtsstudium kennengelernt haben. Anfangs traten sie mit Götz Widmann und den Monsters of Liedermaching auf. Seit drei Jahren touren sie mit Akustik-Gitarren, Gesang und satirischen Texten solo. 2013 erhielt das Duo für sein Programm "Ach Mensch" den Jurypreis des Prix Pantheon.

BONN. Junge Leute von heute sind unpolitisch? Nicht Simon & Jan, das Satire-Duo aus dem hohen Norden. Die beiden räumten kürzlich den Jurypreis beim Prix Pantheon ab. Mit Simon Eickhoff und Jan Traphan sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Wer ist eigentlich der mit den Rastalocken und wer der mit der Kappe? Wer ist Simon, wer ist Jan?
Simon Eickhoff: Der mit den Rastalocken bin ich, und Jan ist der mit der Kappe... wobei er die auch abnehmen kann.

Vom Ansatz her könnte man ja auf die Idee kommen, Simon & Garfunkel sind auferstanden. Wären da nicht Ihre Texte...
Jan Traphan: Danke.(grinst)

Ihre Linie ist: Ätzende Kritik ja, moralischer Zeigefinger: nein?
Traphan: Die sogenannte Liedermaching-Szene um Künstler wie Götz Widmann oder die Monsters of Liedermaching grenzen sich immer wieder dadurch von den "alten" Liedermachern ab, dass sie bewusst auf den moralischen Zeigefinger-Gestus verzichten - sie ersetzen den Zeigefinger vielmehr durch den Mittelfinger. Manchmal habe ich jedoch das Gefühl, dass Moralin unserer Gesellschaft zunehmend zu einem Schimpfwort verkommt. Wieso eigentlich? Ich finde Moral sehr wichtig, und wir versuchen in unseren Liedern, bei allem Spaß, auch immer wieder Mut zur Moral zu beweisen.

Wie entstehen bei Ihnen Lieder wie das vom "Karnickelkotzen"?
Traphan: Am Anfang ist da ein Bild, das einen, wenn es gut genug ist, zur weiteren Auseinandersetzung bewegt. Dann läuft bestenfalls alles wie von selbst, schlimmstenfalls wird es Arbeit (lacht).

Sie singen, da höre ich doch die Volksmusik-Shows grüßen, "Ach Herzilein, du musst nicht traurig sein" - wo ziehen Sie die Läster-Grenze?
Traphan: Das entscheiden wir von Fall zu Fall neu. Es ist ja auch spannend, Grenzen zu überschreiten. Wir müssen halt mit den Konsequenzen leben... Moral ist eine komplexe Angelegenheit.

Zwei Oldenburger Musikstudenten, zwei Gitarren: Wie kamen die eigentlich auf die Kabarettbühne?
Simon Eickhoff: Eigentlich kamen die Kabarettbühnen eher zu uns. Wir haben schon während des Studiums viel in Kneipen und auf kleineren Bühnen gespielt. Da saßen wir dann mit unseren Gitarren auf zwei Stühlen und haben unsere Lieder gespielt - viel hat sich daran eigentlich bis heute nicht geändert.

Und, ist es heute schwer, sich im Geschäft zu halten? Stichwort aus einem Ihrer Lieder: "Wie viel Schwachsinn passt in meinen Kopf", wie viel auf die Bühnen?
Traphan: Diese Frage muss jeder Künstler ganz individuell beantworten. Wir haben das große Glück, dass es offenbar viele Leute gibt, die uns hören wollen. Dafür sind wir sehr dankbar und genießen es bei jedem Konzert! "Schwachsinn" hat, glaube ich, demgegenüber nur einen sehr begrenzten Platz bzw. eine sehr geringe Halbwertszeit auf der Bühne.

Sie touren gerade durch die Republik. Erleben Sie das Publikum in Würzburg, Hamburg und Bonn anders als in Plauen und Gera?
Eickhoff: Ja, natürlich gibt es regionale Unterschiede. Dann gibt es aber auch Unterschiede, die die verschiedenen Bühnenformen mit sich bringen - ob Theater, Kabarettbühne oder Hippiefestival. Unterm Strich ist unser Publikum grundsätzlich eines der besten.

In Bonn haben Sie den Jurypreis des Prix Pantheon gewonnen. Wie geht's weiter mit Simon & Jan?
Eickhoff: Derzeit arbeiten wir in den Tourpausen am Album zum aktuellen Programm "Ach Mensch", das voraussichtlich im Frühjahr 2015 erscheinen wird. Unser Tourkalender ist voll, wir machen viel Musik... so kann es von uns aus weitergehen.

Info

Karten für Donnerstag, 21. August, 20 Uhr, gibt es für 19,70, ermäßigt 15,30 Euro in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen. Die Vorstellung am Freitag, 22. August ist bereits ausverkauft.