Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn"

Sigrid Limprecht: Sie leitet die Kinemathek

Sound of Heimat: Der Titel des Films über einen Musiker auf Entdeckungsreise durch Deutschland passt zu Sigrid Limprecht.

BONN. Die Hände sind ständig in Bewegung, wenn sie spricht. Und wenn es auch noch um Filme geht, ums Kino, dann suchen die Augen einen imaginären Punkt in der Ferne. Keine Frage: Den bewegten Bildern gehören ihre Liebe, ihr Enthusiasmus, vielleicht sogar ihre Obsession.

Sigrid Limprecht leitet die Beueler Kinemathek, ist Vorstandsvorsitzende des Vereins Traumpalast und Vorsitzende des Fördervereins Filmkultur Bonn, der im Sommer die Internationalen Stummfilmtage veranstaltet. Ab Montag startet eine neue Reihe: das Freiluftkino im Kunst!Palast.

Solche Filmereignisse, wie auch die Filmnächte im Friesdorfer Freibad, begeistern die 49-Jährige, weil der Film einen Rahmen bekomme, der ihm zustehe. "So was könnte ich den ganzen Sommer machen." Der Film als Ereignis, das Kino als Erlebnisort. Film und Kino - das gehört für sie zusammen.

Auch wenn sie einen DVD-Player zu Hause hat - das Zusammentreffen an einem Ort mit Atmosphäre ist das Entscheidende. "Ich würde mir nie einen Film alleine angucken." Und eine DVD-Sammlerin ist sie schon gar nicht. Filme werden geradezu zum "öffentlichen Gut", wenn das Kino auch mal dahin geht, wo sich die Menschen treffen, sei es im Freibad, im Arkadenhof der Uni, wo am 8. August die Stummfilmtage beginnen, oder im Kunst!Palast.

Und hinter jedem dieser Ereignisse steckt auch ein Konzept. "Hai-Alarm am Müggelsee" im Friesi, im Kunst!Palast muss die Musik eine besondere Rolle spielen - passend zum Ort, wo sonst Beth Hart oder Madsen live auf der Bühne stehen. "Klänge, Sound, Geräusche spielen für mich eine große Rolle.

Sie prägen letztlich maßgeblich eine Atmosphäre", sagt Limprecht. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt und Jeans und hat das widerspenstige Pony hochgesteckt, damit ihr die von grauen Strähnen durchzogenen Haare nicht ins Gesicht fallen. Gestern Morgen steht sie im Zelt in der Gronau, wo sie den Aufbau der Technik mit den Hamburger Fachleuten abstimmt.

Limprecht kommt nicht über die inhaltliche Auseinandersetzung zum Kino, sondern über die technische. Die gelernte Kfz-Mechanikerin war lange Jahre Filmvorführerin, bis sie zur Programmmacherin avancierte. "Wenn du die Technik verstehst, wenn du weißt, wie eine Szene umgesetzt wurde, dann verstehst du auch den Inhalt", sagt sie.

Kunst und Technik sind für sie im Kino, der "Schnittstelle zwischen Realität und Vision", untrennbar miteinander verwoben. Indes: Die Rolle des klassischen Filmvorführers war in den goldenen Zeiten des Kintopp wichtiger, als er Geschwindigkeit der Bilder und Helligkeit durch Beimischen von Metallen ins Licht beeinflussen konnte. Heute sind die Kinopaläste längst im digitalen Zeitalter angekommen. Die Kinemathek übrigens auch.

Für Filmereignisse wie im Kunst!Palast braucht es spezielle Technik. Lichtstarke Projektoren, gute Soundanlage. Limprecht zeigt auf die 14 mal sieben Meter große Leinwand aus Lkw-Plane. "Dort hinten müssen noch Speaker hin", ruft sie. "Der Klang muss authentisch rüberkommen."

Vor 24 Jahren kam sie aus dem oberschwäbischen Biberach an der Riß nach Bonn. Dass sie am 11.11., dem offiziellen Start der rheinischen Karnevalssession, Geburtstag hat, empfindet sie belustigt als "interessante Fügung". Limprecht fühlt sich längst als Bonnerin. Und wie bei vielen liegen die Liebe für diese Stadt und Kritik oft nah beieinander - gerade, wenn man sich bewusst dafür entschieden hat, in einem prägnanten Stadtteil zu wohnen.

Limprecht lebt in einer WG, zu der auch zwei Kinder gehören, in der Amerikanischen Siedlung in Plittersdorf, ein Relikt aus der hauptstädtischen Zeit. Dass dieser Teil der Geschichte in Bonn so vernachlässigt wird, ärgert sie ebenso wie der achtlose Umgang mit den UN-Einrichtungen und den vielen Menschen, die das Internationale dieser Stadt prägen. Ob Bundeskunsthalle, Bundesviertel oder Palais Schaumburg - "sie werden ziemlich ausgeblendet", findet sie. "Als gehörten sie nicht zu Bonn."

Typisch bönnsch

  • An Bonn gefällt mir die Internationalität.
  • Ich vermisse: selbstbewussten Umgang mit der Stadtgeschichte.
  • Mein Lieblingsplatz: der Arkadenhof in der Uni, der Platz am Canal Grande am Beueler Rheinufer.
  • Typisch bönnsch: der bräsige Umgang mit seinen Schätzen, etwa den UN-Einrichtungen und der Uni.