Investor will sich zurückziehen

Signa steigt aus Bürgerwerkstatt für das Viktoriakaree aus

Das Karree, eingefasst von Rathausgasse (links), Stocken- (unten) und Franziskanerstraße (rechts).

Das Karree, eingefasst von Rathausgasse (links), Stocken- (unten) und Franziskanerstraße (rechts).

Bonn. Die Signa Holding wird an diesem Samstag nicht an der Abschlussveranstaltung der Bürgerwerkstatt für das Viktoriakarree teilnehmen. Seinen Ausstieg begründet das Unternehmen damit, dass keines der vier vorliegenden Konzepte wirtschaftlich umsetzbar sei.

Die Bürgerwerkstatt zum Viktoriakarree ist beendet. An diesem Samstag soll die Empfehlungskommission die vier vorliegenden Konzepte für das Areal zwischen Franziskanerstraße, Stockenstraße,  Rathausgasse und Belderberg begutachten und dem Stadtrat eine Empfehlung für die Zielsetzungen des Bebauungsplans für das Karree aussprechen. Eines der wichtigsten Mitglieder der Kommission wird allerdings nicht dabei sein: Signa steigt aus der Bürgerwerkstatt aus. Das teilte Signa-Sprecher Robert Leingruber jetzt mit. 

Schon im Vorfeld der Veranstaltung am Samstag hatte Signa in einer öffentlichen Stellungnahme zu den vier Entwürfen keinen Zweifel daran gelassen, dass man keines der vorliegenden Konzepte für wirtschaftlich vertretbar halte und damit eine Umsetzung nicht in Frage komme.

In einem Schreiben an Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) erklären Signa-Chef  Christoph Stadlhuber und sein Projektleiter Bernhard Jost  ihren Ausstieg auf den letzten Metern so: „Leider wurde diese Bürgerwerkstatt von Anbeginn an nicht von einer breiten Öffentlichkeit getragen, sondern nur von vereinzelten Partikularinteressen, die nicht die Gesamtentwicklung der Bonner Innenstadt im Fokus haben. Wir sehen unter diesen Gesichtspunkten keine wirtschaftlich sinnvoll umsetzbare Weiterentwicklung des Viktoriakarrees und daher als Signa-Gruppe auch keine Chance mehr, im laufenden Prozess nachhaltig umsetzbare Konzepte zu entwickeln.“

Wirtschaftliche Tragfähigkeit muss gegeben sein

Aus dem Stadthaus hieß es zu Ausstieg Signas: „Wichtig in dem Prozess ist einerseits die städtebauliche Qualität, andererseits die unterschiedlichen stadtgesellschaftlichen Sichten einzubinden.“ Dies werde dem weiteren Entscheidungsweg von Rat und Verwaltung dienen. „Will man das Areal entwickeln, muss aber berücksichtigt werden, ob ein Konzept wirtschaftlich tragfähig ist“, so die Verwaltung weiter.

FDP-Fraktionsvorsitzender Werner Hümmrich sieht bei Signa das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Es ist eine Drohung, aber die sollte allen Beteiligten ein Warnsignal sein.“ Allen Gegnern der Signa-Pläne für das Viktoriakarree sollte klar sein, dass ein Ausstieg des Investors nur vordergründig ein Sieg für die Initiative Viva Viktoria sei. „Letztendlich würde ohne einen finanzkräftigen Investor nur der Stillstand zementiert und damit jede positive Entwicklung ausgebremst.“

Deutlicher wird Georg Fenninger (CDU): „Nichts anderes haben wir erwartet. Ein Investor wird nur wirtschaftliche Projekte umsetzen und keine 'Wünsch dir was'-Vorstellungen aus einer Bürgerwerkstatt.“ Am 30. November ende die Bindung im Zusammenhang mit dem Bürgerbegehren und dann könne der Rat neu entscheiden. „Die CDU wird keinem der vier Vorschläge aus der Bürgerwerkstatt zustimmen.“ Fenninger plädiert dafür, dass über einen Ratsbürgerentscheid alle Bonner entscheiden sollten, was mit dem Viktoriakarree geschehen soll „Das haben SPD und Grüne leider vor zwei Jahren verhindert.“

Signa weiterhin von Projekt überzeugt

IHK-Geschäftsführer Stephan Wimmers zeigte sich erstaunt darüber, dass Signa aus der Bürgerwerkstatt so plötzlich aussteigen will: „Das, was bisher auf dem Tisch liegt, sollte ja noch einmal überarbeitet werden. Die abschließenden Entwürfe werden uns doch erst am Samstag vorgestellt.“

Wie berichtet, besitzt Signa, ein Unternehmen des österreichischen Karstadt-Besitzers René Benko, einen großen Teil der Gebäude auf dem Areal des Karrees – unter anderem das Schlüsselgrundstück an der Ecke Rathausgasse/Stockenstraße. Ein Bürgerbegehren stoppte vor zwei Jahren die Pläne des Unternehmens, das dort ein Einkaufszentrum und eine Philologische Bibliothek für die Universität bauen wollte. Statt der Bibliothek hat Signa inzwischen den Bau von Wohnungen in den oberen Stockwerken vorgeschlagen.

„Wir sind nach wie vor zu 100 Prozent von unserem Projekt überzeugt“, so Signa . Die Möglichkeit, es zu realisieren, sei aber nicht mehr gegeben. „Auch vermissen wir die Rolle der Stadt als größter betroffener Grundeigentümer“, kritisieren Stadlhuber und Jost. Indes: Ganz schlägt Signa die Tür nicht zu: „Wir verschließen uns nicht der weiteren Diskussion zur Verbesserung der Situation im Viktoriakarree, aber nicht unter der Prämisse von vereinzelten Partikularinteressen“. Für weiterführende Gespräche der beiden größten Grundeigentümer stehe Signa jederzeit zur Verfügung. 

Die Abschlussveranstaltung zur Bürgerwerkstatt ist an diesem Samstag  in der Aula der Bonner Universität, Hauptgebäude, Am Hof. Ab 9 Uhr können sich die Bürger dort vorab die Planungskonzepte anschauen und darüber diskutieren.  Ab 13.30 Uhr werden die Kommentare der Teilnehmer vorgestellt, ab 15 Uhr tagt die Empfehlungskommission öffentlich.