Trotz Internetwerbung

Signa baut wohl doch keinen Kindergarten in Bonn

Die Signa-Holding hat sich das Schlüsselgrundstück an der Ecke Stockenstraße und Rathausgasse bereits 2011 gesichert und seitdem weitere Privatgrundstücke gekauft. FOTO: VOLKER LANNERT

Die Signa-Holding hat sich das Schlüsselgrundstück an der Ecke Stockenstraße und Rathausgasse bereits 2011 gesichert und seitdem weitere Privatgrundstücke gekauft.

Bonn. Die Stadtverwaltung kennt keine Pläne des Immobilienentwicklers, der mit der Kita-Idee im Internet Werbung macht.

Neben dem Bau des geplanten Kaufhauses im Viktoria-Karree zwischen Universität und Altem Rathaus hat die Signa-Holding in Bonn offenbar auch mit einem anderen Projekt Probleme. Dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn seien keine aktuellen Planungen des Unternehmens zum Bau von Kindertagesstätten im Stadtgebiet bekannt, erklärte Stadtsprecherin Monika Hörig dem GA auf Anfrage.

Dabei macht die in Wien ansässige Unternehmensgruppe des Karstadt-Eigentümers René Benko auf ihrer Homepage und in Medienveröffentlichungen eben mit dieser Idee Werbung. Aus der Zwangslage der Kommunen, den seit 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz umzusetzen, wolle man mit dem Projekt "Kidinvest" für Anleger Kapital schlagen. "In den mit einer positiven Wachstumsprognose beschienenen Städten Köln, Bonn, Düsseldorf und Münster engagiert sich Kidinvest, diesen Platzmangel zu beseitigen", schreibt das Unternehmen.

Die Geschäftsidee folgt einem typischen PPP-Modell. Mit den Worten von Signa klingt sie wie eine sichere Bank: In einzelnen Projektgesellschaften sollen bundesweit 150 Kindergärten gebaut werden, zunächst in den oben genannten Pilotstädten.

In nur vier Monaten könnten nach der Baugenehmigung die Gebäude als Holzrahmenbauten entstehen. Dann will der Immobilienentwickler sie an Investoren verkaufen. Die wiederum könnten für mindestens 20 Jahre mit festen Mietzahlungen der Städte kalkulieren. Schließlich werde die Kommune gemeinnützigen Trägern die Miete in vollem Umfang erstatten.

Womöglich hat Signa in Bonn allerdings die Rechnung ohne den Kunden gemacht. Wie Stadtsprecherin Hörig berichtet, sei tatsächlich vor rund einem Jahr ein derartiges Bauvorhaben mit einem Projektentwickler erörtert worden, der unter anderem im Zusammenhang mit Signa aufgetreten sei. "Der Standort war mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie abgestimmt."

Das Vorhaben sei von dem Projektentwickler aber nicht weiter verfolgt worden. "Eine Trägerauswahl durch die Stadtverwaltung hat daher nicht stattgefunden", sagt Hörig. Ein Signa-Sprecher erklärte zu dem Bonner Vorhaben: "Zum jetzigen Zeitpunkt werden wir uns über Standorte und Pläne nicht äußern."