Der vierte Prozesstag

Siegauen-Angeklagter suchte vor der Tat bereits Sex

Der mutmaßliche Siegauen-Vergewaltiger am erste Prozesstag.

Der mutmaßliche Siegauen-Vergewaltiger am erste Prozesstag.

Bonn. Am vierten Prozesstag um die brutale Vergewaltigung einer Camperin in der Bonner Siegaue schildert eine Zeugin ihre Begegnung mit dem 31-jährigen Flüchtling unter der Nordbrücke zuvor.

Es war wohl zwei Wochen vor der Vergewaltigung einer 23-jährigen Camperin in den Siegauen, als Eric X., der Flüchtling aus Ghana, sich unter der Nordbrücke zu einer Gruppe ans Lagerfeuer setzte. Gesprochen wurde nicht viel, die jungen Leute hatten auf ihrem Bollerwagen eine Musikanlage mitgebracht, auch Essen und Getränke. "Wir haben ihn nicht weggeschickt", berichtete am Mittwoch die 24-jährige Mira M. (Name geändert) am vierten Verhandlungstag im Vergewaltigungsprozess gegen den Afrikaner vor dem Landgericht, "er hatte uns ja nichts getan."

Doch dann sei der 31-Jährige zum dritten Mal erschienen, als sie allein war. Die drei Freunde hätten gerade Feuerholz gesucht. Da habe Eric, wie er sich ihnen vorgestellt habe, sie wiederholt gefragt, ob sie mit ihm schlafen und ob sie seine Freundin werden wolle. "Das habe ich natürlich abgelehnt", so die Zeugin. Das vierte und letzte Mal habe sie ihn am Abend vor der Tat gesehen, "nur aus den Augenwinkeln. Ich habe sofort ein ungutes Gefühl im Bauch gehabt". Sie habe ihre Freunde gebeten, ihn wegzuschicken. Eric X. sei auch ohne Weiteres gegangen.

Zwei Stunden später gegen 0.15 Uhr tauchte Eric X. laut Anklage am Zelt eines campenden Studentenpaares auf. Mit einer Axtsäge, die das Paar für eine Machete hielt, soll er das Zelt aufgeschlitzt, das Paar bedroht, bestohlen und die 23-Jährige aufgefordert haben rauszukommen, weil er Sex mit ihr haben wollte. Die Studentin hatte sich dem aggressiven Schwarzafrikaner gefügt, "aus Angst um ihr Leben".

Auf Englisch flehte sie ihn an, sie und ihren Freund nicht zu töten, er könne sich alles von ihnen nehmen, er solle sie nur am Leben lassen. Mira M. und ihre Freunde erfuhren noch in der Nacht von dem Verbrechen: Zwei Streifenwagen der Bonner Polizei kamen an ihrem Lagerfeuer vorbei und warnten vor einem bewaffneten, dunkelhäutigen Mann, der eine Camperin vergewaltigt habe.

Angeklagter bestreitet Tat

Offenbar muss Eric X., nachdem er die Partygruppe verlassen hatte, in der Nähe einen jungen Fahrradfahrer bestohlen haben. Der 23-Jährige hatte, wie er am Mittwoche ebenfalls als Zeuge berichtete, seine Camping-Ausrüstung kurzzeitig hinter einer Säule versteckt, um Feuerholz zu suchen. Verschwunden waren nach seiner Rückkehr nicht nur der schwarz-graue Rucksack, den Eric X. bei seiner Festnahme eine Woche später, am 8. April, bei sich trug. Der 23-jährige Camper hatte darin neben selbstgebastelten Pfeilen, Trinkflasche und Wolldecken auch die 70 Zentimeter lange, "sichelartige Axtsäge mit hakenförmigem Griff" verpackt, die später in der Nähe des Tatorts gefunden worden war.

Der Angeklagte hat bisher bestritten, die Sachen gestohlen zu haben und erklärt: "Ich habe sie auf der Straße gefunden." Auch behauptete er erneut, nicht am Tatort gewesen zu sein: Wie seine DNA-Spur an die Frau gekommen ist, sei ihm völlig unbegreiflich.

Eine medizinische Gutachterin jedoch widerlegte Eric X.'s Behauptung vor Gericht: Die Spermienspuren, die beim Opfer gesichert wurden, seien mit größtmöglicher Sicherheit vom Angeklagten. Nur bei einem von drei Milliarden Menschen könne sich der genetische Abdruck wiederholen.